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HISTORISCHES - Zur Geschichte der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten
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Von R. AMMON und U. RITTER (gefunden in: Zeitschrift für Ernährungswissenschaft, 1969, Heft 4) Am 2. Pfingstfeiertag 1912 fanden in Homburg v.d.H. die ersten Vorbesprechungen zur Gründung einer Gesellschaft statt, die sich mit Fragen auf dem Gebiete der Verdauung und des Stoffwechsels befassen sollte. Die eigentliche Gründung erfolgte 1913, und als am 24. April 1914 im Goldsaale des Kurhauses in Homburg v.d.H. der Geh. Medizinalrat Professor Dr. C. A. EWALD aus Berlin die 1. Tagung über Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten eröffnete, gab er eine Übersicht über den Anlaß und das Ziel der Tagung. Er sagte dabei u. a. wörtlich: „Unsere Tagung soll diejenigen zusammenschließen, die sich so lebhaft an dem Ausbau der Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten interessieren, dass ihnen der Rahmen, in dem sich die Erörterung dieser Dinge bisher in Vereinen und Kongressen bewegt, zu beschränkt geworden ist. Ich möchte aber ausdrücklich betonen, dass damit nicht gesagt sein soll, dass es sich hier um eine Versammlung von Spezialisten für Spezialisten handelt. Unter uns sind schon jetzt viele, deren wissenschaftliche und praktische Tätigkeit über das gesamte weite Feld der inneren Medizin führt, und wir möchten alle die zu uns rufen und sie bitten, sich uns anzuschließen, die nach irgendeiner Richtung hin ein ernstes Interesse an den Fragen der Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten nehmen, mögen sie nun Anatomen, Physiologen, Chemiker oder Ärzte im engeren Sinn sein. Das Feld ist so groß, die Probleme sind so mannigfaltig, dass sie ohne Gefährdung anderer Disziplinen oder der inneren Klinik als der alma mater und dem Brennpunkte, in dem sich alle divergierenden Strahlen wieder vereinigen, ihre Sonderbehandlung vertragen können“. | Diesen wegweisenden Worten ist nichts hinzuzufügen. Interessant ist, dass auf dieser Tagung Herr EWALD bekanntgab, dass Herr BOAS (Berlin) die damals beachtliche Summe von 10 000,-- M. gestiftet habe, um die Zinsen dieses Kapitals für einen Preis zu verwenden. 1916 sollte die erste Preisverleihung erfolgen. Die 2. Tagung wurde aber erst 1920 wieder eröffnet, da der 1. Weltkrieg und die erste Zeit danach die Wissenschaft schweigen ließen. BOAS, der damals der Tagungsvorsitzende war, sprach nicht mehr von dem Preise, wohl aber wurde 1922 auf der 3. Tagung von der BOAS-Stiftung gesprochen und das Thema: „Wirkungen des Aderlasses auf den Stoffwechsel“ zur Preis-Arbeit vorgeschlagen. Auf der 10. Tagung in Budapest erfolgte wiederum eine Bekanntgabe in bezug auf die BOAS-Stiftung. Als Preisaufgabe wurde das Thema: „Die bakterielle und abakterielle Genese von Pankreaserkrankungen“ angegeben. Schließlich werden in der 11. Tagung als BOAS-Preisträger genannt: Dr. KACZANDER (Berlin) mit 700,-- M und cand. med. NETER (Mannheim) mit 300,-- M. Einen weiteren Preis stiftete der Hamburger Gastroenterologe Professor ARTHUR MAHLO. Dieser Preis – in Höhe von DM 4000,-- wurde 1964 auf der Tagung in Wiesbaden G. VOLKHEIMER (Berlin) zuerkannt. Aus Anlaß der 25. Tagung der Gesellschaft wurde von der Deutschen Laevosan-Gesellschaft in Mannheim der SIEGFRIED-THANNHAUSER-Preis in Höhe von 5000,-- DM mit einer Goldmedaille gestiftet, die bei der Jubiläums-Tagung in Homburg/Saar im Herbst 1969 erstmalig verliehen werden wird. Zu diesem Zwecke hat der Vorstand ein Kuratorium gegründet, das über die Preisvergabe entscheidet. Die Deutsche Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten ist zweifellos eine der ersten medizinischen Gesellschaften Deutschlands und die älteste Fachgesellschaft ihrer Art in Europa. Von Anfang an erfreute sie sich auch zahlreicher ausländischer Mitglieder.
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Auf der 16. Tagung (1952) diskutierte GERHARD KATSCH die etwas schwerfällige Bezeichnung der Gesellschaft und stellte ihn in Parallele zu den ausländischen Schwestergesellschaften, die sich meist Gesellschaften für „Gastro-Enterologie“ nennen. Er sagt aber, dass unser „Name tatsächlich zutreffender und glücklicher ist“. Dem kann man wohl auch heute noch voll zustimmen. Interessant ist, dass KATSCH sich damals sehr eindeutig gegen die Gründung einer Gesellschaft für Endokrinologie mit der Begründung: „Stoffwechsel aber und Endokrinologie sind nicht zu trennen“ wandte. Zweifellos hatte er recht. Aber das Rad der Geschichte ließ sich nicht aufhalten: Die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie führte kürzlich (März 1969) ihr 15. Symposion (bei jährlichen Veranstaltungen) in Köln durch. Die 1. Satzung und Geschäftsordnung gab sich die Gesellschaft auf ihrer 5. Tagung in Wien 1925 „unter Zuziehung von Juristen“ (KUTTNER). Eine geringgradige Satzungsänderung wurde, wiederum in Wien, 1932, gelegentlich der 11. Tagung vorgenommen. Die letzte gültige Satzung wurde auf der 22. Tagung, 1964, in Wiesbaden angenommen. Bemerkenswert in den Satzungen ist die Betonung des übernationalen Charakters. Aus diesem Grunde fanden auch Tagungen (s. die Übersicht) in Wien, Amsterdam und Budapest statt. | Früh suchte auch die Deutsche Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten Anschluß an ausländische Schwestergesellschaften. Sie ist Mitglied der A.S.N.E.M.G.E. (Association des Sociétées Nationales Européennes et Méditerranées des Gastro-Enterologie). Unter der Präsidentschaft von N. HENNING fand im Mai 1962 der 2. Weltkongreß für Gastroenterologie in München statt, den die Deutsche Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten ausrichtete. Weiterhin hat unsere Gesellschaft Verbindungen zu anderen ärztlich orientierten deutschen Organisationen hergestellt, indem manche Tagung gemeinsam durchgeführt wurde. Es seien die Deutsche Gesellschaft für innere Medizin, die Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte, die Deutsche Pathologische Gesellschaft, die Deutsche Gesellschaft für Ernährung, sowie die Deutsche Gesellschaft für gastro-enterologische Endoskopie und auch die Internationale und Deutsche Sportärzteschaft genannt.
Die höchste Zahl der Mitglieder wurde 1930 auf ihrer 10. Tagung mit 472 angegeben. In der Zwischenzeit ist sie abgesunken und beträgt zur Zeit 367. Wir wollen hoffen, dass die frühere Zahl nicht nur bald erreicht, sondern überholt werden möge. Was wäre aber auch eine Gesellschaft ohne die aufopferungsvolle Mitarbeit ihrer Schriftführer, Schatzmeister sowie Vorstands- und Beiratsmitglieder! Unter den langjährigen Schriftführern sollen REINHARD V. D. VELDEN (verstorben 1941 in Buenos Aires), H. W. BANSI (Hamburg), G. A. MARTINI (Marburg) und als Schatzmeister A. MAHLO (Hamburg) und R. WOLF (Hamburg) genannt werden.
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Über die Themen der nun bald 25 Tagungen unterrichtet die folgende Aufstellung:
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1. Tagung, Bad Homburg, 24.-26.IV.1914 Vorsitzender: C. A. EWALD (Berlin) Schwere entzündliche Erkrankungen des Dickdarmes – Wandlungen in der Behandlung des Diabetes – Bedeutung der Radiologie für die Diagnostik der Erkrankungen des Verdauungskanales. 2. Tagung, Bad Homburg, 24.-26.IX.1920 Vorsitzender: I. BOAS (Berlin) Ulcus duodeni – Diabetes im Kriege – Die diagnostische Bedeutung der Lehre von der inneren Sekretion für die Klinik der verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten – Folgezustände der Ruhr vom diagnostischen und therapeutischen Standpunkt. 3. Tagung, Bad Homburg, 28.-29.IV.1922 Vorsitzender: C. v. NOORDEN (Frankfurt a. M.) Die Bildung der Gallensteine – Klinik und innere Behandlung der Gallensteinkrankheit – Indikationen zur Gallensteinoperation vom Standpunkt des Internisten und des Chirurgen – Wechselbeziehungen zwischen Störungen des Verdauungsapparates und des Kreislaufs – Therapie der gestörten Beziehungen zwischen Kreislauf und Verdauungssystem. 4. Tagung, Berlin 22.-26.X.1924 Vorsitzender: G. ROSENFELD (Breslau) Die Serodiagnostik des Karzinoms – Diagnostik des Krebses im Bereich des Verdauungstraktes – Proteinkörpertherapie bei Erkrankungen des Digestionstraktes und Stoffwechsels – Die Pathologie des Pankreas – Zentrale Stoffwechselregulierung – Nachkrankheiten nach Magenoperation. 5. Tagung, Wien, 30.IX.-3.X.1925 Vorsitzender: L. KUTTNER (Berlin) Variationen des Stoffwechsels – Genese und Behandlung von Obstipation und Durchfall – chronische Appendizitis – Die Leberzirrhose – Erkrankungen der Milz und Leber in ihren Wechselbeziehungen. 6. Tagung, Berlin, 23.-26.IX.1926 Vorsitzender: G. v. BERGMANN (Frankfurt a. M.) Gastritis – Wasser- und Mineralstoffwechsel – Magenneurose – Karzinom. 7. Tagung, Wien, 4.-7.X.1927 Vorsitzender: A. BIEDL (Prag) Reaktions- und Osmoregulation des Stoffwechsels – Ileus (Wegstörungen des Darmes) – Steinbildung – Röntgenologie des Magen-Darm-Traktus – Diabetes und andere Stoffwechselstörungen. 8. Tagung, Amsterdam, 12.-14.IX.1928 Vorsitzender: A. A. HIJMANS VAN DEN BERGH (Utrecht) Der Hunger – Beziehungen zwischen Digestionstraktus und Blutkrankheiten – Bedeutung der Rohkost – Diagnostische und therapeutische Irrtümer auf dem Gebiete der Verdauungskrankheiten und ihre Verhütung. 9. Tagung, Berlin 16.-18.X.1929 Vorsitzender: H. v. HABERER (Düsseldorf) Kritik der Pharmakotherapie des Verdauungskanals – Endogene Magerkeit und Fettsucht – Kardiospasmus – Neuere Gesichtspunkte über Leberkrankheiten. 10. Tagung, Budapest, 6.-8.X.1930 Vorsitzender: BARON A. v. KORÁNYI (Budapest) Lage- und Formveränderungen des Digestionstraktus, insbesondere Ptose und Divertikel – Knochenerkrankungen in ihren Beziehungen zum Kalkstoffwechsel, zur inneren Sekretion und zu den Vitaminen. 11. Tagung, Wien, 6.-8.X.1932 Vorsitzender: W. FALTA (Wien) Enterale und parenterale Resorption – Insulin und Diabetes mellitus – Erkrankungen des Rektum und Sigma. | 12. Tagung, Wiesbaden, 12. und 13.IV. 1934 Vorsitzende: A. SCHITTENHELM (Kiel) und C. HEGLER (Hamburg) Vitamine – Fortschritte in der Physiologie der Ernährung, insbesondere auf dem Gebiete des intermediären Stoffwechsels – Volkswirtschaft und Ernährung – Erfahrungen aus der Tierernährung über Ernährungswirkungen beim Menschen. 13. Tagung, Berlin, 28.-29.VII.1936 Vorsitzender: E. GRAFE (Würzburg) Stoffwechsel und Kreislauf – Kreislauf und Atmung – Stoffwechsel, Training, Hygiene – Stoffwechsel und Haut u. a. 14. Tagung, Stuttgart, 22.-24.IX.1938 Vorsitzender: E. GRAFE (Würzburg) Speicherkrankheiten – Moderne Insulinbehandlung – Pankreatitis, Autointoxikation. 15. Tagung, Bad Kissingen, 28.-30.IX.1950 Vorsitzender: H. H. BERG (Hamburg) Normale und pathologische Anatomie der Leber – Toxikologie der Leber – Physiologie und Biochemie der Leber – Klinik und Therapie der Leberparenchymerkrankungen – Virusfragen und Prophylaxe. 16. Tagung, Essen und Bad Neuenahr, 24.-27.IX.1952 Vorsitzender: G. KATSCH (Greifswald) Endokrine und exokrine Krankheiten des Pankreas. 17. Tagung, Stuttgart-Bad Cannstatt und Bad Mergentheim, 22.-24.IX.1953 Vorsitzender: K. BECKMANN (Stuttgart) Eisenstoffwechsel und Leber – Colitis ulcerosa – Schilddrüse und Jod – Cholangitis. 18. Tagung, Bad Homburg, 3.-5.X.1955 Vorsitzender: N. HENNING (Erlangen) Ulcus pepticum – portale Hypertension – Allergie im Verdauungstrakt – Fettsucht. 19. Tagung, Bad Kissingen, 2.-5.X.1957 Vorsitzender: R. PRÉVOT (Hamburg) Wasser- und Elektrolythaushalt. 20. Tagung, Kassel, 14.-17.X.1959 Vorsitzender: H. KALK (Kassel) Leberzirrhose – Seltene Krankheiten des Verdauungskanals – Chirurgie der Leber und des Ikterus. 21. Tagung, Hamburg, 28.-30.IX.1961 Vorsitzender: H. W. BANSI (Hamburg) Angeborene Stoffwechselstörungen – Malabsorptions-Syndrom – Porphyrie. 22. Tagung, Wiesbaden, 9.-11.IV.1964 Vorsitzender: R. MARK (Münster) Diagnostik und Therapie des exokrinen Pankreas – Was ist neu in der Diabetesforschung – Enterale und parneterale Resorption – Nieren und Stoffwechsel. 23. Tagung, Wien, 23.-25.IX.1965 Vorsitzender: K. VOSSSCHULTE (Gießen) Der operierte Magen – das Postcholecystektomiesyndrom – Colitis ulcerosa – Funktionelle Pathologie des Pankreas. 24. Tagung, Hamburg, 28.-30.IX.1967 Vorsitzender: H. BARTELHEIMER (Hamburg) Kreislauf und Lymphsystem – Gastrointestinalbedingte Osteopathien und Störungen des Kalzium-Phosphor-Stoffwechsels – Nuklearmedizinische Untersuchungsmöglichkeiten.
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Wir erkennen die große Vielgestaltigkeit und die Weite des Gebietes der Verdauung und des Stoffwechsels. Auch dem 25. Kongreß, der demnächst in Homburg (Saar) eröffnet werden wird, sollen die Worte N. HENNINGS, die er in seiner Ansprache zur 18. Tagung in Bad Homburg sagte, vorangestellt werden: „Möge der Kongreß, der nun beginnt, dazu beitragen, bei dem wissenschaftlich interessierten Nachwuchs das Interesse zu wecken an einem Forschungsgebiet, das wie andere Gebiete noch vielfach bedeckt ist von mythenhaften Bräuchen, von unverbürgten Legenden, vom Schutt einer reinen Empirie, an einem Forschungsgebiet voller Probleme, voller Rätsel und Perspektiven und voller erregender Geheimnisse“.
| Wir möchten dem hinzufügen, dass in einer Zeit, in der die mythenhaften Bräuche langsam der Magie des seelenlosen Laboratoriums und Computers weichen müssen, und die unvermeidliche Spezialisierung zur Überspezialisierung zu werden droht, ein Kongreß unserer Gesellschaft dazu beitragen soll, die Übersicht über die verschiedenen Gebiete zu behalten und den kranken Menschen über dem Laboratorium nicht zu vergessen.
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Anschrift der Verfasser
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Prof. Dr. med., Dr. phil. ROBERT AMMON, Direktor des Physiologisch-Chemischen Instituts der Universität des Saarlandes in Homburg/Saar, Vorsitzender, und Prof. Dr. med. ULRICH RITTER, Direktor der 1. medizinischen Klinik und Poliklinik der Medizinischen Akademie Lübeck, Schriftführer der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten.
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