100 Jahre DGVS - page 101

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Kapitel 6
Entwicklungen. Von den ern
bis zum Gastro-Haus
Die zweite Phase der Professionalisierung
Die DGVS wuchs im Laufe der Jahre immer weiter und erreichte 1987 die Schwelle
von 1.000 Mitgliedern. Meinhard Classen hatte als Schriftführer der DGVS bis zum
Ende seiner Amtszeit 1985 wichtige Entscheidungen getroffen und Weichenstel-
lungen vollzogen. Sein Nachfolger wurdeWolfgang F. Caspary aus Frankfurt.
Die Amtszeit Casparys (1985– 1991) markierte die zweite Phase der Professi-
onalisierung der DGVS. DieThemen und notwendigenÄnderungen, die bereits un-
ter Classen diskutiert worden waren, mussten in die Realität umgesetzt werden.
Gleichzeitig ergaben sich, etwa durch die deutsche Wiedervereinigung und die
damit einhergehende Zunahme der Mitgliederzahlen, neue organisatorische Her-
ausforderungen. Während der Wandel vom Tagungsverein zur wissenschaftli-
chen Fachgesellschaft seit Mitte der 1970er Jahre relativ langsam mit einigen we-
nigenGremienbegonnenhatte–diewichtigstenwarendasThannhauser-Komitee,
das Programmkomitee und dasWeiterbildungskomitee – folgte nun die Ausdiffe-
renzierung der internen Organisationsstrukturen sowie der unterschiedlichen
Arbeitsgruppen und der Arbeitsgemeinschaften während der Tagungen.
Berufspolitische Konflikte
Ein deutlicher Hinweis auf den Wandel des Selbstverständnisses der DGVS Ende
der 1970er undAnfang der 1980er Jahre war die wachsende Bedeutung der Berufs-
fragen. Ursprünglich war hierfür das Weiterbildungskomitee zuständig, das 1979
in Komitee für Berufsfragen
1
und wenig später in Kommission für Berufsfragen
2
umbenannt wurde. Es wurde nach Vorschlägen aus dem Beirat erweitert.
3
Zentrales Thema in der Weiterbildungsfrage war die Auseinandersetzung
der Gesellschaft mit der Bundesärztekammer über die Statuten zur medizinischen
Ausbildung zum Internisten und zurWeiterbildung zumGastroenterologen. Hier-
für hatte das Weiterbildungskomitee bereits 1976 unter der Leitung von Hans-
Adolf Kühn
Richtlinien für den Inhalt derWeiterbildung auf demTeilgebiet Gastroen-
terologie
für die Verhandlungen mit der Bundesärztekammer erstellt.
4
Seit Anfang
der 1980er Jahre favorisierte die Ärztekammer eine Vereinbarung, die einem Kan-
didaten eine hohe Anzahl an Endoskopie- und Koloskopie-Untersuchungen vor-
schrieb, um den Facharzttitel »Internist« führen zu dürfen. Die DGVS lehnte ge-
meinsam mit der DGIM die Neuregelung ab, denn kaum eine Klinik hätte diese
Zahl in sechs oder sieben internistischen Weiterbildungsjahren vermitteln kön-
nen.
5
1
DGVS Archiv: Protokoll Vor-
standssitzung, 8.2.1979.
2
Vgl. DGVS Archiv: Vorstandssit-
zung, 21.9.1988.
3
DGVS Archiv: Protokoll Vor-
standssitzung, 8.2.1979.
4
DGVS Archiv: Beiratssitzung,
30.9.1977, 31. Tagung in Lübeck.
5
DGVS Archiv: Vorstandssitzung,
12.4.1988.
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