100 Jahre DGVS - page 122

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Weiterbildung
Anders als in anderen westlichen Ländern ist die Organisation ärztlicher Weiter-
bildung eine hoheitliche Aufgabe der berufsständischen Selbstverwaltung in den
17 Landesärztekammern. Diese Körperschaften des öffentlichen Rechts sehen sich
als standesrechtliche Vertretungen und die Inhalte der Weiterbildung werden
sehr häufig unter sozialrechtlichen Aspekten geregelt. Das heißt im Klartext, dass
über die Weiterbildungsordnung von den Ärztekammern entschieden wird, wel-
che Ärztefachgruppe welche Leistung erbringen darf und wem sie erstattet wird.
Medizinische Fachgesellschaften fungieren hierbei nur beratend auf der
Ebene der Bundesärztekammer, ein nicht eingetragener Verein ohne eigene
Rechtsfähigkeit, in dem sich die Landesärztekammern zusammengeschlossen
haben. Die Bundesärztekammer hat zwar keine hoheitlichenAufgaben, erarbeitet
allerdings in ihrer ständigen Weiterbildungskommission abgestimmte Empfeh-
lungen zur Weiterbildung, der die Landesärztekammern in der Regel folgen. In
diesenWeiterbildungskommissionen sind viele Fächer – etwa chirurgische Diszi-
plinen – vertreten, während aus dem Bereich der Gastroenterologie nur in Aus-
nahmefällen ein Kammervertreter entsandt wird. Entsprechend selten werden
dort gastroenterologische Gesichtspunkte zur Weiterbildung vorgetragen. Grund
hierfür ist das geringe Engagement von Gastroenterologen in ihrer jeweiligen
Landesärztekammer und deren Weiterbildungskommissionen. Entsprechend
wenig Gehör fanden in der Vergangenheit gastroenterologische Aspekte der Wei-
terbildungsordnung. Ein Umstand, den die DGVS gerne ändern will. Sie muss ihre
Mitglieder in viel höherer Zahl motivieren, sich in der jeweiligen Landesärzte-
kammer und insbesondere in der Weiterbildungskommission zu engagieren.
Nur über diesen Weg kann die Fachgesellschaft Einfluss auf eine zukunfts-
fähige und den Erfordernissen des Faches angemessene Weiterbildungsordnung
nehmen. Die Weiterbildungskommission der DGVS hat dies erkannt und arbeitet
sehr intensiv daran, alle interessierten Gruppen aus dem Bereich der Gastroente-
rologie an der Arbeit für eine Reform der Weiterbildung zu beteiligen.
Sektorengrenzen
Seit 1955 haben die Kassenärztlichen Vereinigungen das alleinige Recht, Zulas-
sungen an niedergelassene Ärzte zu vergeben und können damit ihre Mitglieder
vor offenemWettbewerb schützen. In der Folge hat sich eine komplette Trennung
zwischen einem ambulanten Versorgungssektor mit freiberuflichen Ärzten in der
Niederlassung, und einem stationären Behandlungssektor mit zumeist angestell-
ten oder verbeamteten Ärzten etabliert. Diese getrennten Systeme sind nicht nur
unterschiedlich finanziert, sondern arbeiten auch in unterschiedlichen Rechts-
systemen des Sozialgesetzes. Für den einzelnen Patienten bedeutet dies, dass eine
ambulante Betreuung in der Regel von anderen Ärzten vorgenommen wird, als
eine Behandlung im Krankenhaus. In der Folge entstehen Schnittstellenprobleme
und Informationsverluste, die in anderen westlichen Medizinsystemen völlig un-
denkbar und inakzeptabel wären.
Alle bisherigenVersuche, niedergelassenenÄrzten die Betreuung ihrer eige-
nen Patienten imKrankenhaus zu ermöglichen oder Krankenhausärzten eine am-
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