100 Jahre DGVS - page 124

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Hier ist die DGVS in besonderer Weise gefordert, in sehr kurzer Zeit (meist
nur vier Wochen) eine fachliche Stellungnahme zur Bewertung neuer Therapie-
verfahren abzugeben. Die Geschäftsstelle hat die Einholung solcher Gutachten
inzwischen in hohem Maße professionalisiert. Die DGVS ist unbedingt auf Exper-
ten aus dem Kreise ihrer Mitglieder angewiesen, die mit kurzer Vorwarnung be-
reit sind, fundierte Gutachten zum Zusatznutzen neuer Arzneimittel in ihrem je-
weiligen Spezialgebiet abzugeben. In fünf AMNOG-Verfahren konnten auf dem
Boden von DGVS-Gutachten eine medizinische Innovation so gut begründet wer-
den, dass der Gemeinsame Bundesausschuss den Zusatznutzen anerkannte. Das
bedeutet, dass die Innovationen auch tatsächlich beim Patienten ankommen. Bei
einigen Gelegenheiten setzte sich der Bundesausschuss aufgrund von DGVS-Gut-
achten auch über ablehnende Bewertungen des IQWiG hinweg. Hier werden in
Zukunft Expertisen aus den Reihen der DGVS gefragt sein, um Innovationen für
die Gastroenterologie weiterhin nutzbar zu machen.
Nachwuchs
Kein Facharzt ist in Stellenangeboten des DeutschenÄrzteblattes so stark nachge-
fragt wie der Gastroenterologe (mit Ausnahme von Teilbereichen der Psychiatrie).
Trotz der ständig weiter steigenden Zahl von Gastroenterologen mit abgeschlos-
senerWeiterbildung, es sind inzwischen mehr als 250 pro Jahr, steigt die Nachfra-
ge nach ausgebildeten Gastroenterologen jährlich weiter an. Dennoch klagen vie-
le Leiter von gastroenterologischen Krankenhausabteilungen über einen ständig
stärker werdenden Bewerbermangel für Weiterbildungsstellen.
Nach Schätzungen der Deutschen Krankenhausgesellschaft werden im Jahr
2020 von 150.000 Arztstellen in deutschen Krankenhäusern 50.000 nicht besetzt
oder besetzbar sein. Dieser zunehmende Nachwuchsmangel wird weder von den
länderfinanzierten Hochschulen durch eine Erhöhung der Studienplätze in der
Humanmedizin, noch von der Politik durch eine leichtere Berufsanerkennung im
Ausland qualifizierter Ärzte erleichtert. Für die Gastroenterologie bedeutet das,
dass sie mit anderen Fächern um die motiviertesten, qualifiziertesten und klügs-
ten Studienabgänger konkurriert. Gelingen kann ihr das nur, wenn sie dieArbeits-
bedingungen und Berufsaussichten in ihrem Fach attraktiv gestaltet. In keiner
Subspezialisierung ist die Chance so hoch wie in der Gastroenterologie, eine lei-
tende Krankenhausposition einnehmen zu können.
Diese exzellenten Berufsaussichten der Öffentlichkeit zu vermitteln und
den Nachwuchs an Studienabgängern gezielt für die Gastroenterologie zu gewin-
nen, wird auch eine Aufgabe der DGVS sein. In diesem Sinne wurde bei der Ham-
burger Jahrestagung im Jahr 2012 ein Programm für Studierende der Medizin auf-
gelegt. Doch auch die Verbesserung der Arbeitsbedingungen, insbesondere im
Krankenhaus, muss ein Ziel der Gastroenterologie bleiben.
Solange die wirtschaftliche Situation gastroenterologischer Fachabteilun-
gen im DRG-System sich nicht verbessert, werden Studierende im praktischen
Jahr die Assistenzarztstelle in der Gastroenterologie als deutlich anstrengender
und belastender empfinden als die in besser finanzierten Nachbarabteilungen der
Inneren Medizin. In diesem Bereich kann die DGVS dazu beitragen, dass die wirt-
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