100 Jahre DGVS - page 125

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Kapitel 8
schaftliche Situation im Krankenhaus für Gastroenterologen erträglicher wird
und das Berufsbild »Gastroenterologe« in der Öffentlichkeit einen höheren Stel-
lenwert gewinnt.
Einheit und Vielfalt in der Gastroenterologie
So wie vor 100 Jahren die deutsche Innere Medizin sich schwer tat, die Eigenstän-
digkeit ihrer Subspezialisierungen zu akzeptieren, so steht heute die Gastroente-
rologie im Spannungsfeld einer weiteren Subspezialisierung. Bisher ist es der
DGVS gelungen, Hepatologen, Experten für chronisch entzündliche Darmerkran-
kungen, Pankreas-Ärzte, Motilitäts-Spezialisten, Endoskopiker und andere unter
einem Dach zu vereinen. Dies ist nicht selbstverständlich und es ist dem großen
Engagement vieler Mitglieder der DGVS geschuldet, dass die gemeinsame Schlag-
kraft und die gemeinsameWeiterbildungsordnung in der Gastroenterologie nicht
angezweifelt werden.
Es ist von elementarer Bedeutung, dass alle Teilbereiche und Interessensge-
biete angemessene Berücksichtigung, sowohl in den wissenschaftlichenAktivitä-
ten der DGVS als auch in ihren Fortbildungsveranstaltungen, finden. Der DGVS
kommt in diesem Zusammenhang eine hohe integrative Rolle für Gastroenterolo-
gen aller Spezialisierungen zu. Es gibt durchaus Beispiele von Ländern, in denen
Gastroenterologie und Hepatologie oder Gastroenterologie und Gastroenterologi-
sche Onkologie bereits völlig getrennte Wege gehen. Die in Deutschland erzielte
Einheit des Faches sollte wegen der daraus resultierenden Stärke der Gemein-
schaft unbedingt erhalten bleiben.
Ähnliches gilt für die unterschiedlichen Bereiche, in denen Gastroenterolo-
gen tätig sind. Diese reichen von Maximalversorgern und Universitätsklinika
über Krankenhäuser der Grund- und Regelversorgung bis zu einer Zahl von über
1.000 ambulant tätigen Gastroenterologen in der Niederlassung. Die DGVS hat es
nicht immer verstanden, diese Gruppen gleichermaßen in ihre Aktivitäten einzu-
beziehen. Wenn aber die deutsche Gesundheitslandschaft durch Gastroenterolo-
gen mitgestaltet und Einfluss auf Weiterbildung, Leistungserstattung und Ar-
beitsbedingungen im ambulanten und stationären Bereich genommen werden
soll, kann die Gastroenterologie dies nur mit einer Stimme tun. Dies gelingt allein,
wenn die Interessen aller Beteiligten angemessen berücksichtigt werden und das
Engagement von Kollegen aus allen Bereichen einbezogen und respektiert wird.
Es ist zu hoffen, dass DGVS und BVGD im Schulterschluss eine bessere Integration
aller Kollegen erreichen können und die deutsche Gastroenterologie in Zukunft
mit nur noch einer Stimme spricht. Es wird die Aufgabe der DGVS sein, die Kräfte
zu bündeln, um unserem Fach noch mehr Attraktivität zu verleihen.
Möge die Zukunft der DGVS vomgleichen Enthusiasmus ihrer Mitglieder ge-
tragen sein, der schon die letzten 100 Jahre unsere Fachgesellschaft geprägt hat.
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