100 Jahre DGVS - page 13

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Kapitel 1
1
Cappell MS, Waye jD, Farrar jT,
Sleisenger MH. Fifty landmark
discoveries in gastroenterology
during the past 50 years, A brief
history of modern gastroentero-
logy at the millennium, Part I,
Gastrointestinal procedures and
upper gastrointestinal disorders,
Part II, Gastrointestinal moti-
lity, nutrition, and diseases of
the lower tract, liver and pan-
creas. Gastroenterol Clin North
Am 2000; 29 (1/2): 223–263,
513–550.
2
Hemmeter jC. XXXVI. Kleine Mit-
teilungen. Arch f Verdauungskr
1896; 2: 510. Hemmeter erwähnt
den aus Gießen stammenden Arzt
Dr. med. Heinrich Salzer, der in
Baltimore »den gastroenterologi-
schen Verein [gründete], welcher
[...] sich speciell mit der Therapie
und Chirurgie gastroenterologi-
scher Krankheiten« befasste. Vgl.
zur Biografie Hemmeters: Hem-
meter jC. Autoergographie. In:
Grote LR, Hg. Die Medizin der
Gegenwart in Selbstdarstellungen,
Band III. Leipzig 1924; 1–62.
3
Leven KH, Hg. Antike Medi-
zin, Ein Lexikon. München 2005;
208–209.
 Jahre DGVS
Vorgeschichte
Über viele Jahrhunderte stellte das Abdomen einen unsichtbaren Raum dar, in
dem die Verdauungsorgane spezifischen Untersuchungen nicht zugänglich wa-
ren. Erst die Etablierung der Grundlagenfächer wie Physik, Chemie, Physiologie,
Physiologische Chemie und technische Neuerungen in der zweiten Hälfte des 19.
Jahrhunderts ermöglichten wichtige Erkenntnisfortschritte für das pathophysio-
logische Verständnis von Erkrankungen der Verdauungs- und Stoffwechselorga-
ne. Neue diagnostische Möglichkeiten reichten weit über die bisherige Methode
der Palpation des Abdomens hinaus. Die Einführung des weichen Magenschlau-
ches um 1875 eröffnete das Studium der Magenphysiologie. 1895 machte die Ent-
deckung der »X-Strahlen« durch Wilhelm Conrad Röntgen die visuelle Darstel-
lung des Magen-Darm-Traktes erstmals möglich. In der zweiten Hälfte des 20.
Jahrhunderts revolutionierten die vollflexiblen Endoskope und die bildgebenden
Methoden wie Ultraschall, Computer- und Kernspintomografie die gastroentero-
logische Diagnostik. Die Transparenz und die differenzierte Betrachtung der Ver-
dauungsorgane einschließlich minimalinvasiver, interventioneller und therapeu-
tischer Verfahren ist heute selbstverständlich. Die visuelleWende hat nebenWort,
Maß und Zahl das Bild gesetzt. Im gleichen Zeitraum erhielt die Pharmakotherapie
eine wissenschaftliche Fundierung. Virologische undmolekularbiologischeVerfah-
ren eröffneten zudem neueTherapiemöglichkeiten. Die zweite Hälfte des 20. Jahr-
hunderts gilt daher zu Recht als das »goldene Zeitalter« der Gastroenterologie.
1
Der Terminus »Gastroenterologie« wurde 1896 – vermutlich erstmals – von
John C. Hemmeter, einem Deutschamerikaner, der an der Universität von Mary-
land in Baltimore lehrte, im
Archiv für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten
erwähnt.
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Wenn auch die entscheidenden Fortschritte erst mit Beginn der natur-
wissenschaftlichen Methodik möglich wurden, bestand ein Interesse für die Ab-
läufe im Gastrointestinaltrakt bereits weit vor der Antike.
Der Darm in der Geschichte der Medizin
Der Darm spielte in der Geschichte der Medizin eine wichtige Rolle, »zum einen
aufgrund häufiger Erkrankungen wie Dysenterie, Geschwüre, Ileus oder Koliken,
zum andern als Passage, durch die Heilmittel in den Körper eingebracht werden
konnten (Zäpfchen, Klistiere)«.
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Über die genauen Vorgänge im Inneren des Kör-
pers konnte über Jahrhunderte nur spekuliert werden, doch boten sich – in Form
von Klistieren, einer strengen Diät oder auch des Verabreichens von Brechmitteln
– bereits sehr früh therapeutische Maßnahmen an, die Linderung versprachen.
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