100 Jahre DGVS - page 20

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Über die Galle in physiologischer und pathologischer Beziehung
gearbeitet und ver-
fasste in Rudolf Wagners
Handwörterbuch der Physiologie
das Kapitel über die Ver-
dauung. Damit schuf er ein »classischesWerk«, das »mit einem Schlage die Lehre
von der Verdauung auf ein vollkommen neues Niveau gehoben« hat, so sein spä-
terer Schüler Carl Anton Ewald.
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Für die damalige Zeit einzigartig und wegwei-
send war von Frerichs zweibändiges Werk
Klinik der Leberkrankheiten
(1858), mit
dem er der modernen Hepatologie den Weg bereitete. Er nutzte bei vorausset-
zungsloser Beobachtung des Kranken alle »Hilfsmittel der physikalischen, chemi-
schen und mikroskopischen Forschungsweise sowie das experimentelle Verfah-
ren, um Materialien für den Au�au einer wissenschaftlichen Medizin zu
sammeln.«
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Wegen der grundlegenden Bedeutung seines wissenschaftlichen
Denkens und Arbeitens sowie wegen der Neuorientierung der klinischen Medizin
wurde von Frerichs als
der
»geistige Urheber« undWegbereiter des neuen Fachge-
bietes Gastroenterologie/Hepatologie bezeichnet.
25
Carl Anton Ewald
Als Mitarbeiter von Frerichs’ war Carl Anton Ewald
(1845– 1915) ebenso wie dieser
naturwissenschaftlich orientiert und hatte sich frühzeitig mit der Physiologie und
Pathologie der Verdauung befasst. Ewald prägte viele seiner Mitarbeiter im In-
und Ausland. Zu ihnen gehörten neben Ismar Boas, Hermann Strauß und Leopold
Kuttner auch die ersten Gastroenterologen in den USA (wie Max Einhorn, John
Conrad Hemmeter, Julius Friedenwald, Bertram Wilton Sippy und Morris Man-
ges), die bei ihm hospitiert hatten.
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Während von Frerichs und Ewald als wichtige Repräsentanten der moder-
nen Medizin wegweisende Impulse für die Entwicklung der Gastroenterologie
lieferten, war es Ismar Boas, der als Begründer der Gastroenterologie gilt.
27
Er war
nicht allein ein Forscher und emsiger Lehrer in dem neuen Fachgebiet, sondern er
gründete mit dem
Archiv für Verdauungskrankheiten
die erste Fachpublikation der
noch jungen Disziplin. Die Fachzeitschrift entwickelte sich erfolgreich auf hohem
wissenschaftlichen Niveau und war national sowie international ein führendes
Publikationsorgan für gastroenterologische Forschungsergebnisse.
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Darüber hi-
naus kam Ismar Boas das Verdienst zu, mit der Gesellschaft für Verdauungs- und
Stoffwechselkrankheiten die erste subdisziplinäre Fachgesellschaft innerhalb der
Inneren Medizin gegründet zu haben.
◀◀◀ Friedrich Theodor von Frerichs
◀◀ Ismar Boas in jungen Jahren.
◀ Carl Anton Ewald
25
Riecken EO. 70 Jahre Verhand-
lungen der Deutschen Gesellschaft
für Verdauungs- und Stoffwech-
selkrankheiten, Begrüßung zur
39. Tagung, Berlin 4.–6. Okto-
ber 1984. Z Gastroenterol 1985;
23: 1–5.
26
Jenss H. Carl Anton Ewald
(1845–1915), Wegbereiter der
Gastroenterologie. Freiburg 2009.
27
Jenss H. Ismar Boas, Erster
Spezialarzt für Magen- und Darm-
krankheiten, Begründer der Gas-
troenterologie. (Jüdische Minia-
turen, Band 96.) Berlin 2010. Vgl.
Hoenig Lj, Boyle jD. The life and
death of Ismar Boas. J Clin Gast-
roenterol 1988; 10: 16–24.
28
Boas I. Einleitung zum 15.
Band. Arch f Verdauungskr 1909;
15: 15. Vgl. Boas I. Geleitwort zum
50. Bande. Arch f Verdauungskr
1931; 50:1–5.
29
Pagel jP. Biographisches Lexi-
kon hervorragender Ärzte des
neunzehnten Jahrhunderts. Ber-
lin, Wien 1901. Reprint Leipzig
1989; 995.
30
Neuburger M. Hermann Noth-
nagel, Leben und Wirken eines
deutschen Klinikers. Wien, Berlin,
Leipzig, München 1922.
31
Schmidt G. Hermann Nothna-
gel (1841–1905), Versuch einer
Würdigung zum 150. Geburtstag.
Z ärztl Fortbild (Jena) 1991; 85:
1213–1220.
32
Neuburger M. Hermann Noth-
nagel. 237–239 und 439–443.
33
Nothnagel H. Über die
Methode des klinischen Unter-
richts, Prof. Nothnagels
Antrittsvorlesung an der Wie-
ner Medizinischen Fakultät,
Originalstenogramm. Wiener
Med Wochenschr 1882; 32:
1247–1251.
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