100 Jahre DGVS - page 24

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Die Gründung der Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankhei-
ten vollzog sich organisatorisch – in Analogie zur Begründung des
Ersten Congres-
ses für Innere Medizin
– in zwei Schritten: »Neben der Begründung des Archivs
schwebte mir seit langem der Gedanke eines Kongresses vor, in welchem die
wichtigsten Themata der Verdauungs- und Stoffwechselpathologie in Form von
Referaten und Diskussionen behandelt werden sollten. In dieser Hinsicht waren
uns die Vereinigten Staaten von Nordamerika durch die Gründung der Gast-
ro-Enterological Society [1897] vorangegangen.«
6
Zunächst konstituierte sich 1913 ein fün�öpfiger Vorstand für die
Erste Ta-
gung ueber Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten
mit Carl Anton Ewald (Berlin)
als erstem und Adolf Schmidt (Halle) als zweitem Vorsitzenden; dem Gremium
gehörten ferner Ismar Boas (Berlin), Hugo Starck (Karlsruhe) und Curt Pariser (Bad
Homburg) an.
7
Neben dem Vorstand waren ein beratender Ausschuss und ein
Schriftführer vorgesehen. Eine gemeinsame Sitzung erfolgte während des ersten
Kongresses 1914.
Es war der zweite Pfingstfeiertag 1912, als sich in Bad Homburg erstmals die
Initiatoren des ersten Kongresses für das neue Fachgebiet trafen und die Tagung
für 1914 beschlossen.
8
Curt Pariser gelang die Vermittlung zwischen den führen-
den Persönlichkeiten, 1913 den erstenVorstand zu gründen und die Voraussetzun-
gen für die ersten Schritte zur Realisierung der Veranstaltung zu schaffen.
9
Die
neue Vereinigung verstand sich, ganz im europäischen Sinne, als übernational.
Eine Festlegung auf eine Nation wurde nicht erwähnt, den Zusatz »Deutsch« er-
hielt die Gesellschaft erst 25 Jahre später nach der 14. Tagung 1938. Die Tagungen
sollten – einer Anregung des Berliner Internisten Paul F. Richter folgend – ab 1923
abwechselnd in Berlin und Wien stattfinden, zudem wurde 1928 in Amsterdam
(Vorsitz Albert Abraham Hijmans van den Bergh) und 1930 in Budapest (Vorsitz
Alexander Baron von Korányi) getagt.
10
Inhaltlich verfolgte die Gesellschaft seit
ihren Anfängen insbesondere unter Einbeziehung der Chirurgen und Pathologen
einen interdisziplinären Ansatz.
11
Bei der 9. Tagung 1929 in Berlin hatte deshalb
der aus Österreich stammende Chirurg Hans von Haberer das Amt des Vorsitzen-
den inne.
12
Die Bestrebungen um das Spezialfach Gastroenterologie fanden 1924 wäh-
rend des 43. Deutschen Ärztetages in den Leitsätzen zur Facharztfrage (
Bremer
Richtlinien
) ihren Niederschlag: Es wurde der Facharzt für »Magen-, Darm- und
6
Boas I. Autoergographie; 86.
7
Tagesnachrichten, Tagung für
Verdauungs- und Stoffwechsel-
krankheiten. Arch f Verdauungskr.
1913; 19: 812.
8
Ewald CA. [Vortrag]. Eröff-
nungsrede, 1. Tagung, Bad Hom-
burg 1914. In: Verhandlungen der
Ersten Tagung über Verdauungs-
und Stoffwechselkrankheiten. Ber-
lin 1916; 6.
9
Boas I. Autoergographie; 87.
10
Ebd.
11
Boas I. Eröffnungsrede, 2.
Tagung, Bad Homburg 1920 [Vor-
trag]. In: Classen M, Hg. Tagun-
gen der Deutschen Gesellschaft
für Verdauungs- und Stoffwechsel-
krankheiten, Band 1, 1914–1969.
Gräfelfing 1987; 17.
12
v. Haberer H. Eröffnungsrede,
9. Tagung, Berlin 1929 [Vortrag].
In: Ebd.; 59–61.
13
Taunusbote, 20.04.1914
14
Opitz K. Rechte und Pflich-
ten der Ärzte und Zahnärzte, Auf
Grund amtlichen Materials. Berlin
1926; 29.
15
Ebd.; 28–29.
16
Boas I. Autoergographie; 87.
17
Verh Ges Verd Stoffwechselkr,
V. Tagung in Wien 1925. Leip-
zig 1926.
18
Verh Ges Verd Stoffwechselkr.
IX. Tagung in Berlin 1929. Leipzig
1930; 36.
19
Verh Ges Verd Stoffwechselkr.
X. Tagung in Budapest 1930. Leip-
zig 1931; 29.
20
Ebd.
◀◀ Kurhaus und Kurpark Bad
Homburg. Hier fand die erste
Tagung der DGVS 1914 statt.
◀ Titelseite des Programms der
ersten Tagung über Verdauungs-
und Stoffwechselkrankheiten. Ver-
schiedene Szenen in antikisierender
Manier zeigen verspielt-ironisch
verschiedene Größen und Pioniere
der Gastroenterologie, u.a. Ismar
Boas und Carl Anton Ewald (oben
links) sowie Hermann Strauß (dar-
unter). Ebenso können Anspie-
lungen auf Max Einhorn und den
Namen Carl von Noordens ent-
deckt werden. Das Blatt ist C.P.
(Curt Pariser) gewidmet.
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