100 Jahre DGVS - page 26

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Erste Tagung für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten
im April 1914 in Bad Homburg
Welche Gründe für die Wahl des Kurhauses Bad Homburg als Ort für die ersten
drei Tagungen (1914, 1920, 1922) bestimmend waren, ist unbekannt. Ob mit Bad
Homburg – im Vergleich zum Tagungsort des Kongresses für Innere Medizin in
Wiesbaden – der Eigenständigkeit der neuen Vereinigung Ausdruck verliehen
werden sollte, muss spekulativ bleiben. Sicher ist jedoch, dass der sehr aktive Bad
Homburger und frühere Berliner Magen-Darm-Arzt und Diätetiker Curt Pariser
eine wesentliche Mittlerfunktion einnahm. Er leitete in Bad Homburg seit 1900
eine weithin geschätzte Spezialkuranstalt für Magen-Darm-Krankheiten, verfüg-
te über viele Beziehungen zu den damaligen führenden Gastroenterologen und
war seit seiner Berliner Tätigkeit mit Ismar Boas bekannt. Bad Homburg wurde
wegen seiner Mineralquellen und Kurkliniken in den 25 Jahren vor dem Ersten
Weltkrieg von vielen Kurgästen aus Deutschland sowie vor allem aus Russland
besucht und dadurch zunehmend bekannt.
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Mit demKurhaus standen angemes-
sene Tagungsmöglichkeiten zur Verfügung. Boas nannte den Tagungsort 1920 ei-
nen »angesehenen Platz unter den zahlreichen Fachversammlungen der Medi-
zin«.
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Der erste Kongress im April 1914 im Bad Homburger Kurhaus war erfolg-
reich. Er wurde von etwa 300Ärzten und klinischen Lehrern aus dem In- undAus-
land besucht, und Boas stellte zufrieden fest, dass die Referate und die »anschlie-
ßenden Diskussionen auf einem hohen wissenschaftlichen Niveau standen«.
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Für die Kurstadt Bad Homburg stellte der Kongress ein besonderes Ereignis dar,
über das in der lokalen Presse wiederholt berichtet wurde.
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Persönlichkeiten wie
die Professoren Carl Anton Ewald (Berlin), Ismar Boas (Berlin), Adolf Schüle (Frei-
burg), Knud Faber (Kopenhagen), Leopold Kuttner (Berlin), Adolf Schmidt (Halle),
Hermann Strauß (Berlin), Hugo Starck (Karlsruhe), Ferdinand Blumenthal (Ber-
lin), Theodor Rosenheim (Berlin) und Gustav Singer (Wien) wurden als »weit be-
rühmte Ärzte«
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namentlich genannt und öffentlich begrüßt. Für die erste Tagung
hatte Ismar Boas 10.000 Mark gespendet, um von den Zinsen dieses Kapitals alle
zwei Jahre einen Preis für die beste und praktisch wertvollste Arbeit auf dem Ge-
biet der Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten stiften zu können. Ewald hielt
die Eröffnungsrede und bekannte sich zu dem neuen Fachgebiet: »Es ist nicht zu
leugnen, dass die Wissenschaft als solche nach einer immer mehr zunehmenden
21
Grosche H. Geschichte der
Stadt Bad Homburg vor der Höhe,
Band III, Die Kaiserzeit. Frankfurt
1986; 202–203.
22
Boas I. Eröffnungsrede, 2.
Tagung, Bad Homburg 1920; 15.
23
Boas I. Die erste Tagung für
Verdauungs- und Stoffwechsel-
krankheiten in Bad Homburg.
Arch f Verdauungskr 1914; 20:
421–422.
24
Taunusbote, Homburger Tag-
blatt [Zeitung]. 20. April 1914
(Nr. 91). 24. April 1914 91), 24.
April 1914 (Nr. 95), 27. April 1914
(Nr. 97).
25
Taunusbote [Zeitung]. 24.
April 1914 (Nr. 95).
26
Ewald CA. Eröffnungsrede, 1.
Tagung, Bad Homburg 1914; 5.
27
Verhandlungen der Ersten
Tagung über Verdauungs- und
Stoffwechselkrankheiten. Berlin
1916; 7–31, 61–94 und 121–154.
28
Boas I. Eröffnungsrede, 2.
Tagung, Bad Homburg 1920;
15–17.
29
Verh Ges Verd Stoffwechselkr,
X. Tagung 1930. Leipzig 1931;
27–28.
30
Jenss H. Carl Anton Ewald.
31
Strauß H. Carl Anton Ewald,
Nachruf. Berl Klin Wochenschr
1915; 52: 1054–1056.
32
Boas I. Autoergographie.
33
Jenss H. Ismar Boas. Teichmann
W. Ismar Boas – eine biographi-
sche Skizze. Freiburg 1992.
34
Boas I, Levy-Dorn M. Zur Dia-
gnostik von Magen- und Darm-
krankheiten mittels Röntgenstrah-
len. Dtsch Med Wochenschr 1898;
24: 18–19.
◀ Im
Boas-Archiv
, dem
Archiv
für Verdauungs- und Stoffwech-
selkrankheiten
, finden sich viele
Werbeanzeigen für Medikamente,
Bade- und Kurhäuser, die sich auf
die Behandlung von Magen- und
Darmkrankheiten spezialisiert hat-
ten. So hat auch Curt Pariser das
hohe Ansehen des
Archivs
genutzt
und Anzeigen für sein Kurhaus in
Bad Homburg geschaltet.
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