100 Jahre DGVS - page 27

25
Kapitel 2
Spezialisierung hindrängt und keineWiderstände duldet […] Es kann fraglich sein,
ob die immer weiter getriebene Spezialisierung in der ärztlichen Praxis wün-
schenswert und unbedingt zu billigen ist […] Die wissenschaftlicheArbeit gewinnt
naturgemäß durch die Beschränkung auf ein kleines Gebiet.«
26
Die drei Hauptre-
ferate der ersten Tagung repräsentierten jenes Spektrum der Forschungsbereiche,
die die neue Gesellschaft inhaltlich vertrat: Adolf Schmidt befasste sich mit den
Schweren entzündlichen Dickdarmerkrankungen
, Georg Rosenfeld referierte über
Wandlungen in der Behandlung des Diabetes
, ergänzt durch ein Koreferat von Carl
von Noorden über
Gicht und Diabetes;
das dritte Referat hielt Gustav von Berg-
mann über
Die Bedeutung der Radiologie für die Diagnostik der Erkrankungen des
Verdauungskanals
.
27
Die Referate und Diskussionsbeiträge wurden in einer eige-
nen Reihe als
Verhandlungen des Kongresses für Verdauungs- und Stoffwechsel-
krankheiten
im Auftrag des Vorstandes vom jeweiligen Schriftführer der Tagung
herausgegeben. Ab 1925 gab der Generalsekretär der Gesellschaft den jeweiligen
Verhandlungsband heraus.
Der ErsteWeltkrieg führte zu einer Unterbrechung der geplanten Veranstal-
tungen und der engen internationalen Verbindungen, die nach 1918 erst allmäh-
lich wiederhergestellt wurden. Die zweite Tagung fand daher erst Ende Septem-
ber 1920 erneut in BadHomburg statt. Ismar Boas, Vorsitzender dieses Kongresses,
hielt eine programmatische Eröffnungsrede, in der er abermalig die Argumente
und die Ziele der Spezialisierung benannte und für ein interdisziplinäres Vorge-
hen, insbesondere für eine enge Kooperation mit der Chirurgie, eintrat.
28
Zehn
Jahre später, 1930, befand sich die Gesellschaft mit nahezu 500 Mitgliedern auf
dem Höhepunkt ihrer Aktivitäten. Anlässlich der zehnten Tagung in Budapest be-
schäftigte sich der Stoffwechselforscher Alexander von Korányi in seiner Eröff-
nungsrede mit der Spezialisierung ohne »der Einheit des Organismus«
29
zu
widersprechen, mit der Interdisziplinarität der Gesellschaft sowie mit der Inter-
nationalisierung der Wissenschaft, für die die Gesellschaft seit ihrer Gründung
stand. Die neu ernannten Ehrenmitglieder aus NewYork, Boston, Utrecht, Kopen-
hagen und Budapest spiegelten das Bemühen um internationale Kontakte wider.
35
Boas I. Therapie und Therapeu-
tik, Ein Mahnruf an Ärzte, Kliniker
und Pharmakologen. Berlin 1930.
36
Letter Lenox Hill Hospital,
New York, an I. Boas vom 18.
Oktober 1937. Leo Baeck Insti-
tute, New York, 4. Karte Ismar
Boas, AR-C.525 1374.
37
Schäfer PK. Exil und Tod des
Ismar Boas. Verdauungskrankhei-
ten 2003; 21: 135–144.
38
Kleeberg J. Zur 100. Wieder-
kehr des Geburtsjahres von Prof.
Dr. I. Boas (Berlin). Gastroen-
terologia 1958; 89: 359–363.
Avery H. Tribute to Ismar Boas
(1858–1938). Gastroenterologia
1958; 90: 49–53.
39
Tagesnachrichten, Tagung für
Verdauungs- und Stoffwechsel-
krankheiten. Arch f Verdauungskr
1913; 19: 812. Vgl. Boas I. Nachruf
auf Adolf Schmidt. Arch f Verdau-
ungskr 1919; 25: 1–2.
40
Schultze F. Nachruf auf Adolf
Schmidt. Chronik der Universi-
tät Bonn für das Jahr 1918/1919.
Bonn 1919; 17.
41
Ebd.; 17–18.
42
von Noorden C. Adolf Schmidt
– Nachruf. In: Adolf Schmidt’s Kli-
nik der Darmkrankheiten. Mün-
chen und Wiesbaden 1921; I–VII.
43
Ebd.
44
Schmidt A. Die schweren ent-
zündlichen Erkrankungen des
Dickdarmes. Arch f Verdauungskr
1916; 22: 1–25.
45
Nachtigal J. Der Deutsche
Medizinische Fakultätentag,
1913–1972 [Dissertation]. Erlan-
gen 1973; 11, 76–79.
46
Klimpel V. Ärzte-Tode. Würz-
burg 2005; 15–17.
▶ + ▶▶ Das Kaiserin-Augusta-Hos-
pital liegt in Berlin-Mitte und
wurde 1868 auf Initiative der
Kaiserin als kleines Krankenhaus
errichtet. 1888 wurde Carl Anton
Ewald ärztlicher Leiter der Abtei-
lung Innere Medizin. Später über-
nahm die nahe gelegene Charité
den zivilen Krankenhausbetrieb.
1...,17,18,19,20,21,22,23,24,25,26 28,29,30,31,32,33,34,35,36,37,...180
Powered by FlippingBook