100 Jahre DGVS - page 30

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Adolf Schmidt
1865–1918
In der »Tagesnachricht« des
Archivs für Verdauungskrankheiten
, in der 1913 zur Ersten Ta-
gung für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten eingeladen wurde, wirdAdolf Schmidt
neben demVorsitzenden CarlA. Ewald als zweiterVorsitzender genannt.
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Schmidt, 1865 in
Bremen geboren, war an den Medizinischen Kliniken in Breslau bei F. von Müller, in Berlin
bei C. Gerhardt und vor allem in Bonn bei F. Schultze zum Internisten ausgebildet und 1894
in Bonn habilitiert worden.
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Von 1907 bis 1918 hatte Schmidt das Amt des Ordinarius für
Innere Medizin an der Universität Halle inne und übernahm zum 1. Juni 1918 die Leitung
der Medizinischen Klinik an der Universität Bonn.
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Adolf Schmidt beschäftigte sich frühzeitig gemeinsam mit seinem Kollegen Julius
Strasburger mit der Pathologie des Dickdarms, der funktionellen Darmdiagnostik und be-
sonders mit dem Problem der intestinalen Dyspepsie.
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Seine Beiträge trugen wesentlich
zur Verbesserung und Verfeinerung der Darmdiagnostik in der damaligen Zeit bei. Er ent-
wickelte eine spezielle Probekost (Schmidt-Strasburger Diät) zur standardisierten Stuhlun-
tersuchung und befasste sich mit den schweren entzündlichen Dickdarmerkrankungen.
1903 veröffentlichte er zusammen mit Strasburger das Werk
Die Faezes des Menschen im
normalen und krankhaften Zustande mit besonderer Berücksichtigung der klinischen Untersu-
chungsmethoden.
Schmidts im gleichen Jahr erschienene
Funktionsprüfung des Darmes mit-
tels Probekost
war zur damaligen Zeit wegweisend und wurde 1906 ins Englische übersetzt.
1912/13 folgte die
Klinik der Darmkrankheiten
, 1921 in zweiter Auflage von Carl von Noorden
herausgegeben.
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1914 hielt Schmidt anlässlich der Ersten Tagung für Verdauungs- und
Stoffwechselkrankheiten in Bad Homburg den Hauptvortrag über
Die schweren entzündli-
chen Erkrankungen des Dickdarmes,
in dem er sich eingehend mit der Colitis ulcerosa ausei-
nandersetzte.
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Schmidt gehörte ab 1905 zu den Mitherausgebern des
Archivs für Verdau-
ungskrankheiten
.
Adolf Schmidt – wissenschaftspolitisch engagiert – begründete 1913 den Medizini-
schen Fakultätentag in Halle, an dem unter seinemVorsitz Vertreter von 20 Medizinischen
Fakultäten Deutschlands teilnahmen.
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Die Adolf Schmidt-Medaille verleiht der Medizini-
sche Fakultätentag seit dem Jahr 2000.
Am 11. November 1918 nahm sich Adolf Schmidt mit 52 Jahren aus offensichtlicher
Enttäuschung über den Ausgang des ErstenWeltkrieges das Leben.
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