100 Jahre DGVS - page 54

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Rudolf Schindler und das
Gastroskop
Ein Blick in die Geschichte der Endoskopie
Das partiell flexible Wolf-Schindler
1
-Gastroskop aus dem Jahre 1932 stellte einen
grundlegenden Fortschritt in der modernen Entwicklung der Endoskopie dar und
blieb für mehr als ein Vierteljahrhundert ein Standardinstrument.
2
Erst zu Beginn
der 1960er Jahre wurde es durch die Glasfiber-Endoskope ersetzt.
1896 hatte Georg Kelling nach einer Periode umfangreicher Untersuchun-
gen der Magenfunktion mittels weicher Magensonden und kurz nach der Erstbe-
schreibung der Röntgenstrahlen vorausgesagt: »Es ist mir nicht zweifelhaft, dass
im Laufe der Zeit in den meisten Fällen die Gastroskopie den Sieg davontragen
wird, denn sie ist in der Hand des geübten Arztes eine ungefährliche Methode. In
sehr vielen Fällen wird man außerdem von innen mehr sehen, als wenn man den
Magen von außen betrachtet […].Wollen wir versuchen, von der chemischenAera
der Magendiagnostik zur physikalischen überzugehen«.
3
Zunächst stand jedoch
die Röntgendiagnostik des Gastrointestinaltraktes imVordergrund. Das Potential
der Endoskopie war früh erkannt, insbesondere zur sicheren und frühzeitigen Di-
agnose benigner oder maligner Schleimhautveränderungen. Technische Fragen,
wie etwa die Suche nach optischen Systemen zur Bildübertragung aus dem Ma-
gen oder die Suche nach einer adäquaten Lichtquelle waren über lange Zeit
­bestimmende Faktoren, die der Herstellung praktikabler Endoskope entgegen-
standen. Erst mit der Einführung vollflexibler Glasfiberinstrumente kam die En-
doskopie sehr rasch im klinischen Alltag umfassend zur Anwendung.
1 
Schäfer PK, Sauerbruch T. Rudolf
Schindler (1888–1968 ) – »Vater«
der Gastroskopie. Z Gastroen-
terol 2004; 42: 550–556. Rudolf
Schindler (1888–1968) entwickelt
die Gastroskopie in Deutschland
zur Routinemethode und wird in
den USA zum »Vater« der Gastros-
kopie. In: Scholz A, Heidel CP, Hg.
Emigrantenschicksale. Einfluss der
jüdischen Emigranten auf Sozial-
politik und Wissenschaft in den
Aufnahmeländern. (Medizin und
Judentum, Band 7.) Frankfurt/M
2004.
2 
Kment A. Die Geschichte der
Gastroskopie. [Dissertation]. Mün-
chen 1973. Vgl. Neumann HA,
Hellwig A. Vom Schwertschlucker
zur Glasfiberoptik, Die Geschichte
der Gastroskopie. München 2001.
Vgl. F. Digestive endoscopy in the
second millenium. From the Licht-
leiter to echoendoscopy. Stutt-
gart 2006.
3 
Kelling G. Zur Oesophagosko-
pie und Gastroskopie. Arch f Ver-
dauungskr 1896; 2: 321–331 und
490–495, hier 495.
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