100 Jahre DGVS - page 56

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Einen weiteren wichtigen Beitrag lieferte Hans Elsner
9
, der in Berlin ein en-
ger Mitarbeiter von Ismar Boas war und 1906 dessen Poliklinik übernahm. Sein
Gastroskop wies einen Außendurchmesser von 11 mm auf. Es war das bis dahin
dünnste Instrument, verfügte über eine verbesserte Optik und trug an der Geräte-
spitze einen Gummifinger, der das Verletzungsrisiko minimieren sollte. 1911 pub-
lizierte er sein Lehrbuch
Die Gastroskopie
10
, in dem er seine Ergebnisse und Vor-
stellungen zur Gastroskopie formulierte. Im gleichen Jahr machte Michael
Hoffmann
11
, Assistenzarzt der Münchener Universitätsaugenklinik, seine For-
schungsergebnisse über hintereinandergeschaltete Prismen und optische Instru-
mente mit einer beweglichen Achse und ihren Einsatz für die Gastroskopie be-
kannt; das Prismensystem entstand in Kooperation mit der Firma Zeiss, das
Gastroskop wurde von GeorgWolf konstruiert.
UmorganischeVeränderungen bei Magenkranken in der Zeit nach demErs-
ten Weltkrieg sicher auszuschließen und Magenbefunde zu objektivieren, hatte
sich Rudolf Schindler an die früheren Publikationen über die Endoskopie erinnert
und war auf das Gastroskopie-Buch von Elsner gestoßen.
12
Es war ein altes, zehn
Jahre unbenutztes Elsner-Gastroskop, das Schindler Anfang der 1920er Jahre in
einem Laden fand und rasch einsetzte.
13
Er konstruierte selbst ein verbessertes
Modell, war begeistert von den Möglichkeiten der Methode und erstaunt über die
gute Beurteilbarkeit der Magenmukosa und der Pylorsufunktion; nach kurzer Zeit
hatte er bereits mehr als 400 Gastroskopien durchgeführt.
14
Ausführlich berichte-
te er im
Boas-Archiv
über seine Erfahrungen und Probleme mit der starren Gastro-
skopie.
15
1923 erschien Schindlers
Lehrbuch und Atlas der Gastroskopie
, das seine
besondere Attraktivität durch die reiche Illustration und die als Aquarell wieder-
gegebenen Befundabbildungen erzielte. Im gleichen Jahr veröffentlichte er erst-
mals in den USA, in den
Archives of Internal Medicine
, seine endoskopischen Befun-
de bei 30 Patienten mit einem Magenkarzinom.
16
Das semiflexible Gastroskop
entstand nach vierjähriger Kooperation zwischen Schindler und Georg Wolf als
sechster Prototyp 1932.
17
Rudolf Schindlers Biografie
18
Rudolf Schindler wurde am 10. Mai 1888 in Berlin als Sohn eines Bankiers und ei-
ner künstlerisch begabten Mutter geboren. Nach dem Medizinstudium in Frei-
burg und Berlin wurde seine weitere Ausbildung durch den Ersten Weltkrieg un-
9 
Elsner H. Ein neues Gastroskop.
Arch f Verdauungskr 1908; 14:
327–328.
10 
Elsner H. Die Gastroskopie.
Leipzig 1911.
11 
Hoffmann M. Optische Instru-
mente mit beweglicher Achse und
ihre Verwendung für die Gastros-
kopie. Münch Med Wschr 1911;
58: 2446–2448.
12 
Schindler R. History of gastros-
copy. In: Schindler R. Gastroscopy,
The endoscopic study of gastric
pathology. Second ed., Chicago
1950; 9.
13 
Ebd.
14 
Ebd.; 10.
15 
Schindler R. Probleme und
Technik der Gastroskopie mit der
Beschreibung eines neuen Gastro-
skops. Arch f Verdauungskr 1922;
30: 133–166.
16 
Schindler R. Gastroscopy in
thirty cases of neoplasm. Arch
Intern Med 1923; 32: 635–638.
17 
Schindler R. Editorial, Georg
Wolf. Am J Dig Dis 1938/39; 5:
817–818. Schindler R. Ein völlig
ungefährliches flexibles Gastro-
skop. Münch Med Wochenschr
1932; 79: 1268–1269.
◀ Schindlers Lehrbuch erzielte
seine besondere Attraktivität
durch die reiche Illustration und
die als Aquarelle wiedergegebenen
Befundabbildungen.
◀◀ Rudolf Schindler setzte die
starre Gastroskopie in den 1920er
Jahren umfangreich ein. 1923
erschien sein
Lehrbuch und Atlas
der Gastroskopie
, es wurde das
Standardwerk für die folgenden
Jahrzehnte.
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