100 Jahre DGVS - page 66

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chiatrischen Patienten, Soldaten und jüdischen Kindern verstrickt waren. Die Ta-
gung in Bad Kissingen wurde von 470 Teilnehmern besucht, unter ihnen auch
erste ausländische Gäste.
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Deutschland als Forschungsstandort der Medizin
Bis 1933 war Deutschland einer der weltweit führenden Standorte der medizini-
schen Forschung. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1950, ihrem
Einfluss auf die inhaltliche Ausrichtung der Wissenschaft und besonders mit der
Vertreibung führender Forscher endete diese Vorreiterstellung jäh.
Der Notwendigkeit, an den internationalen Standard wieder anzuknüpfen,
war man sich in der Nachkriegszeit auch in der DGVS bewusst. So stellte Berg in
seiner Ansprache auf der ersten DGVS-Tagung nach demKrieg 1950 die wiederher-
zustellende Internationalität der Gesellschaft in denMittelpunkt seines Vortrages.
Für ihn bedeutete die Tagung den Versuch, »der Tradition der Gesellschaft einge-
denk zu handeln, welche, engen Grenzen immer abhold, den internationalen wis-
senschaftlichen Zusammenhang vielleicht mehr als andere gepflegt hat«.
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Be-
reits bei dieser ersten Tagung nach der Neugründung der Gesellschaft waren
wissenschaftliche Vertreter aus Österreich, aus der Schweiz, aus Schweden und
aus Spanien anwesend. Dies war zwar bereits ein Anfang, allerdings sollte die
Wiederherstellung der verlorenen Internationalität die Arbeit der DGVS noch
mehrere Jahre mitbestimmen. Berg selbst hat seine internationalen Verbindun-
gen nach dem Zweiten Weltkrieg dazu genutzt, um die Kontakte insbesondere
nach Nord- und Südamerika sowie nach Schweden und England wieder zu bele-
ben.
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Der Verlust an Forschungskompetenz und -möglichkeiten durch die ver-
triebenen Ärzte konnte zunächst nicht kompensiert werden.
Facharztausbildung
1924 hatten die Ärztekammern, die als Berufsvertretung der Ärzte eine verbindli-
che Ausbildungsordnung schaffen sollten, auf dem 43. Deutschen Ärztetag in Bre-
men die erste Facharztordnung, die
Bremer Richtlinien
, verabschiedet.
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In die
Liste der dort aufgeführten 14 Facharztbezeichnungen war auch der Facharzt für
Magen-, Darm- und Stoffwechselkrankheiten mit einer dreijährigenAusbildungs-
zeit aufgenommen worden. Allerdings sollten sich, so die Richtlinie, die Fachärzte
◀ Wilhelm Beiglböck (hinten ste-
hend) habilitierte 1939 und wurde
1940 Oberarzt unter Hans Eppin-
ger. Ab Mai 1941 arbeitete Beigl-
böck als Stabsarzt der Luftwaffe.
1944 wurde er außerplanmäßiger
Professor an der Universität Wien.
1944 leitete Beiglböck die Ver-
suche zur Trinkbarmachung von
Meerwasser an »Zigeunern« im
Konzentrationslager Dachau. Das
Bild zeigt ihn bei der Urteilsverkün-
dung. Beiglböck bekam 15 Jahre
Gefängnis, wurde allerdings bereits
im Jahr 1951 entlassen. Er setzte
seine Karriere als Mediziner fort.
13
Markoff N. Bericht über die
15. Tagung der Deutschen Gesell-
schaft für Verdauungs- und Stoff-
wechselkrankheiten. Bad Kissin-
gen 1950. Gastroenterologia
1950/51; 76: 224–227.
14
Berg HH. Eröffnungsansprache.
In: Verh Dtsch Ges Verd Stoffw
Krankh. Sonderband, Leipzig
1952; 19.
15
Hornborstel H. In memoriam
Hans Heinrich Berg (1889–1968).
Münch Med Wochenschr 1969;
111: 2679–2681, hier 2680. Vgl.
Prévôt R. Hans Heinrich Berg
(Nachruf). Fortschr Röntgenstr
1969; 110: 762–764.
16
Opitz K. Rechte und Pflich-
ten der Ärzte und Zahnärzte,
Auf Grund amtlichen Materials.
Berlin 1926; 29. Vgl. Martini GA,
Dölle W. Entwicklung der Gastro-
enterologie. In: Classen M, Hg.
Internisten und Innere Medizin im
20. Jahrhundert. München 1994;
264–288.
17
Vgl. Pfaffenzeller R. Die Ent-
wicklung des Facharztwesens in
Deutschland unter besonderer
Berücksichtigung der Kriterien
und der Gründe für die Etablie-
rung eines Fachgebietes. München
1994; 24.
18
Eröffnungsansprache zur 20
Tagung. In: Classen M, Hg. Tagun-
gen der Deutschen Gesellschaft;
131.
19
Mitteilungen des Verbandes
Deutscher Gastroenterologen. In:
Gastroenterolgia 1962; 97: 63.
1...,56,57,58,59,60,61,62,63,64,65 67,68,69,70,71,72,73,74,75,76,...180
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