100 Jahre DGVS - page 69

67
Kapitel 4
Hans Heinrich Berg
Hans Heinrich Berg
26
, geboren 1889, erlebte den Ersten Weltkrieg, den Zusammenbruch
des Kaiserreiches und die Instabilität der Weimarer Republik. Seit 1931 in leitender ärztli-
cher Funktion war er im NS-Staat mit radikal veränderten Rahmenbedingungen und der
Außerkraftsetzung bisher geltender Normen konfrontiert. Zwischen 1945 und 1960 gehörte
Berg zu den einflussreichen Internisten der Bundesrepublik und war maßgeblich an der
Neuorganisation und Ausrichtung der DGVS beteiligt.
Nach demMedizinstudium in Freiburg, Edinburgh und München begann Berg 1914
seine Assistentenzeit bei Gustav von Bergmann in Hamburg-Altona. Diesen begleitete er
nach seiner Rückkehr aus dem ErstenWeltkrieg an die Medizinischen Universitätskliniken
Marburg und Frankfurt sowie 1927 als Oberarzt an die II. Medizinische Universitätsklinik
der Charité nach Berlin. 1926 habilitierte Berg mit der Arbeit
Die direkten Röntgensymptome
des Ulcus duodeni und ihre klinische Bedeutung
. 1931 übernahm er die Ärztliche Direktion der
Medizinischen Klinik am Städtischen Krankenhaus Dortmund. Seit dem 1. Januar 1935 lei-
tete er als Ordinarius für Innere Medizin die I. Medizinische Universitätsklinik Ham-
burg-Eppendorf.
27
1945 vorübergehend suspendiert, setzte er Anfang 1947 seine bisherige
Tätigkeit als Direktor der Hamburger Medizinischen Universitätsklinik bis zu seiner Emeri-
tierung 1959 fort.
Berg hatte sich seit Anfang der 1920er Jahre mit morphologischen Veränderungen
und Fragen der Röntgendiagnostik gastrointestinaler Erkrankungen beschäftigt. Die Arbei-
ten aus Schweden von Gösta Forssell und Ǻke Ǻkerlund aufnehmend, entwickelte er mit
Kreativität und technischem Verständnis eine Kombination von Durchleuchtungs- und
Aufnahmeverfahren, um durch gezielte Momentaufnahmen die Detaildiagnostik zu opti-
mieren. DieWeiterentwicklung der Methode ermöglichte
ihm eine exakte Beschreibung von Reliefveränderungen
des Magen-Darmkanals – zur damaligen Zeit ein wegwei-
sender Fortschritt. Seine Beiträge erhielten rasch nationa-
le und internationale Anerkennung. Bergs Monografie
Röntgenuntersuchungen am Innenrelief des Verdauungska-
nals. Ein Beitrag zur Klinischen Röntgendiagnostik insbeson-
dere von Entzündung, Geschwür und Krebs
28
aus dem Jahre
1929 wurde ein »Standardwerk gastroenterologischer
Röntgendiagnostik«
29
. So wurde dasWerk u.a. von Ismar
Boas im
Archiv
1930 sehr positiv besprochen und aus-
drücklich gewürdigt.
30
Die Prinzipien der radiologischen
Detaildiagnostik wurden später ebenso für den Dickdarm
und die Gallenwege angewandt. Wichtige Ziele für Berg
waren neben der Aufschlüsselung der Organfunktion die
möglichst genaueAbbildung morphologischerVeränderungen sowie die Klärung ihrer Dig-
nität.
31
Der Radiologe Robert Prévôt führte gemeinsammit Berg die Studien zur Röntgendi-
agnostik in den 1930er Jahren in Hamburg als DFG-gefördertes Forschungsprojekt fort.
32
In
dem Chirurgen Georg Ernst Konjetzny
33
, der sich eingehend mit entzündlichen Magen-
schleimhautveränderungen und der Ulcusentstehung befasste, fand Berg einen weiteren
Kooperationspartner, mit dem er zusammen den gastroenterologischen Schwerpunkt am
Hamburger Universitätsklinikum begründete und konsequent förderte.
▲ Hans Heinrich Berg (2. v.r.)
im Gespräch mit Gustav v. Berg-
mann (mitte)
1...,59,60,61,62,63,64,65,66,67,68 70,71,72,73,74,75,76,77,78,79,...180
Powered by FlippingBook