100 Jahre DGVS - page 72

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Entzündung des Magens.
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Seine Kenntnisse zum endoskopischen Bild der Gastritis basier-
ten auf 1.400 Gastroskopien, deren Befunde er mit Röntgenbildern verglich; die makrosko-
pische Diagnostik wurde durch histologische Untersuchungen an Resektaten magenope-
rierter Patienten ergänzt.
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Neben Fragestellungen aus dem Bereich der Gastroenterologie
beschäftigte sich Henning mit hämatologischen Problemen, zu denen er publizierte.
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Nach 1949 regte Henning inWürzburg und besonders in Erlangen eine Vielzahl kli-
nisch experimenteller Arbeiten an, die sich den morphologischen Untersuchungen am
Magenmit neuenMethodenwie Biopsie und Zytodiagnostik, der Dokumentation verschie-
dener Magenfunktionen, der Leberdurchblutung und den Verbesserungen der Pankreas-
und der Stuhldiagnostik widmeten.
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1949 wurde sein
Lehrbuch derVerdauungskrankheiten
veröffentlicht.
Um die aktuellen Kenntnisse der klinischen und wissenschaftlichen Gastroentero-
logie zu verbreiten, fanden seit 1960 in Erlangen jährlich gastroenterologische Fortbil-
dungskurse statt, die zu einemAnziehungspunkt für in- und ausländische Ärzte wurden.
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1967 gründete Norbert Henning die Deutsche Gesellschaft für gastroenterologische Endos-
kopie als nationale Sektion der Société Européenne d’Endoscopie digestive.
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Henning folgte Paul Morawitz nach dessen Tod 1936 in der Schriftleitung des
Boas
Archivs
, bis der Karger Verlag 1938 nach Basel auswandern musste. 1955 trat er in die
Schriftleitung des
Archiv
-Nachfolgeorgans,
Gastroenterologia
, ein und begründete 1963 die
Zeitschrift für Gastroenterologie
.
Die wissenschaftlichen Beiträge Hennings und seine Aktivitäten führten nach 1950
zur Wiederherstellung internationaler Kontakte; 1962 leitete er als Präsident denWeltkon-
gress für Gastroenterologie in München.
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Ohne Zweifel hat Henning die deutsche Traditi-
on der Gastroenterologie nach 1945 »wieder ins Leben gerufen«.
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Er selbst gehörte zu die-
ser Tradition, hatte seit 1928 im
Boas-Archiv
publiziert und war mit den damals führenden
Wissenschaftlern und Ärzten im Gebiet der Gastroenterologie bekannt. Als Präsident der
18. Tagung der DGVS 1955 am Gründungsort Bad Homburg benannte Henning Forschungs-
defizite in der deutschen Gastroenterologie, das Jahr 1933 und das Schicksal der vertriebe-
nen jüdischen Kollegen blieben unerwähnt.
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