100 Jahre DGVS - page 74

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Die Weiterentwicklung der gastroenterologischenWissenschaft
Die ersten Jahrzehnte nach dem Zweiten Weltkrieg waren durch den Wiederauf-
bau der Kliniken, die Förderung der Grundlagenforschung, die Entwicklung neuer
Methoden und Technologien und den wieder erweckten Dialog mitWissenschaft-
lern aus anderen Ländern gekennzeichnet. Es wurden mehrere Sonderfor-
schungsbereiche und Forschergruppen neu etabliert und innerhalb der gastroen-
terologischen Abteilungen entwickelten sich eigene Forschungsschwerpunkte.
Gleichzeitig stellten sich Fragen nach der Kooperation zwischen Grundlagenfor-
schern und klinischen Wissenschaftlern, nach der Vereinbarkeit von hochrangi-
ger Forschung und gleichzeitiger Krankenversorgung, nach der Institutionalisie-
rung und Würdigung klinischer Forschung überhaupt sowie nach gezielter
Forschungsförderung. Forschungsdurchbrüche oder Pionierleistungen blieben in
der westdeutschen Gastroenterologie allerdings aus. Junge Wissenschaftler
wechselten zu Forschungsaufenthalten vorübergehend vor allem in die USA und
nach England; nach ihrer Rückkehr bedurfte es der nachhaltigen Fortführung und
Weiterentwicklung ihrer Projekte, die über Drittmittel zu finanzieren waren.
Die Schwerpunkte der Forschung lassen sich in den Tagungsprogrammen
der DGVS seit 1950 ablesen. Das Spektrum der Themen nahm rasch zu, die Ergeb-
nisse der Grundlagenforschung spielten eine zunehmende Rolle, neue Untersu-
chungsmethoden führten mit einer eigenen Dynamik zu einem neuen Verständ-
nis pathophysiologischer Abläufe, zu einem neuen Krankheitsverständnis und
zur Neudefinition mancher Krankheitsbegriffe. Mit einer Vielzahl von Einzelthe-
men wurden die Tagungen der DGVS parallel dazu inhaltlich umfangreicher.
Verstetigung undWachstum der Gesellschaft
ab den 1970er Jahren
Abgesehen von der Facharztdebatte war die DGVS in den ersten Nachkriegsjahr-
zehnten in erster Linie eine wissenschaftliche Tagungsgesellschaft. Seit Mitte der
1950er Jahre bewegten sich die Mitgliederzahlen der Gesellschaft etwa um 370.
Der alltägliche Verwaltungsbetrieb konnte im Ehrenamt bewältigt werden, wes-
wegen Meinhard Classen, ab 1974 Nachfolger von Ulrich Ritter und Gustav Adolf
Martini imAmt des Ständigen Schriftführers der DGVS, noch seine Halbtagssekre-
tärin mit der Verwaltung der DGVS beauftragte. Mit der Amtszeit Classens begann
jedoch das ständigeWachstumder Gesellschaft. So wurden erstmals mehr als 400
◀ Vom 28. bis zum 30. September
– traditionell im Herbst – fand im
Jahr 1950 die erste DGVS-Jahresta-
gung nach dem Zweiten Weltkrieg
statt. Sie wurde in Bad Kissingen
abgehalten. Noch war es eine
gemeinsame Tagung der Gast-
roenterologen aus Ost- und West-
deutschland.
47
Schnalke Th. Norbert Henning
und die Entwicklung der moder-
nen Gastroskopie. In: Meilen-
steine der Endosokpie. (Schriften
der Internationalen Nitze-Leiter
Forschungsgesellschaft, Band 2.)
Wien.2000; 273–288.
48
Henning, N. Eine neue Appara-
tur zur endoskopischen Photogra-
phie der Magenschleimhaut. Arch
Verdauungskr 1931; 49: 28–33.
49
Henning N. Erfahrungen
mit dem flexiblen Gastroskop
nach Wolf-Schindler. Münch
Med Wochenschr 1932; 79:
1269–1270.
50
Ebd.; 1270.
51
Henning N, Schatzki R. Gast-
roskopisches und röntgenologi-
sches Bild der Gastritis ulcerosa.
Fortschr Geb Röntgenstr 1933; 48:
177–185.
52
Schatzki SC. Richard Schatzki,
M.D., A Biography. Am J Roentge-
nol 1988; 150: 508–509.
53
Henning N. Die Entzündung
des Magens. Leipzig 1934.
54
Ebd.; V (Vorwort).
1...,64,65,66,67,68,69,70,71,72,73 75,76,77,78,79,80,81,82,83,84,...180
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