100 Jahre DGVS - page 76

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len Interessen seit 1967 in der von Norbert Henning in Wiesbaden gegründeten
»Deutschen Gesellschaft für gastroenterologische Endoskopie (DGGE)«, die eine
nationale Sektion der »Organisation Mondial d’Endoscopie Digestive« war. Im
gleichen Jahr gründete Ludwig Demling die »Deutsche Gesellschaft für Endosko-
pie und Bildgebende Verfahren« (heute DGE-BV). Die Unabhängigkeit und die Be-
mühungen um Anerkennung und Abgrenzung ließen sich ab 1970 auch auf den
Tagungen der DGVS beobachten. Die Endoskopiker begannen, sich in eigenenVor-
tragssälen zu versammeln, umThemen, die sie besonders interessierten, bespre-
chen zu können.
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Für die DGVS galt es in jenen Jahren daher, eineAbspaltung und
vollständige Trennung der Endoskopie von der Gastroenterologie zu verhin-
dern.
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So versuchte der Ständige Schriftführer der DGVS, Meinhard Classen –
selbst ein führender Endoskopiker – seit seiner Amtsübernahme, die DGGE wieder
enger an die DGVS zu binden. Diese Bestrebung gelang und fand ihren Abschluss
1987, als die DGGE unter dem Namen »Sektion Endoskopie« in die DGVS reinteg-
riert wurde. Mit der Schaffung der »Sektion Endoskopie« wurde der Disziplin die
Bedeutung zuerkannt, die ihr klinisch und wissenschaftlich zukam. Die Gesell-
schaft hatte die für sie bedrohliche Spaltung abgewandt und die Endoskopie hatte
ihre Heimat in der DGVS wiedergefunden.
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Neben der Reintegration der Endoskopiker gab es Bestrebungen seitens der
DGVS, andere medizinische Disziplinen enger an die Gesellschaft zu binden. Mitte
der 1970er Jahre beschlossen der Vorstand und der Beirat, die Chirurgen inhaltlich
und organisatorisch besser zu integrieren. Dieser Schritt gelang in erster Linie
über eine stärkere Beteiligung von Chirurgen an der Gesellschaftsarbeit und an
den Kongressen.
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So wurden in den folgenden Jahren verschiedene Chirurgen
Kongresspräsidenten, etwa Christian Herfahrt 1988 anlässlich der 43. Tagung oder
Hans Günther Beger 1994 in Ulm – womit eine alte Tradition der DGVS, gemeinsa-
me Tagungen mit anderen Fachgesellschaften zu veranstalten, fortgeführt wurde.
Aber auch indem die verschiedenen Schwerpunkte, die Chirurgie, die Onkologie
oder die Hepatologie, angemessen im Selektionskomitee für die Tagungsvorträge
vertretenwaren, wurde für deren bessere Integration in die Gesellschaft gesorgt.
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Ebenso wurde auf eine angemessene Repräsentation der niedergelassenen Gast-
roenterologen in diesem Zusammenhang geachtet.
Die DGVS bemühte sich ferner um die Integration der sich differenzierenden
Spezialisierungsgebiete durch die Etablierung von Arbeitsgruppen, die Anfang
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Zeitzeugengespräch Meinhard
Classen, 18.12.2012.
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Zeitzeugengespräch Wolfgang
Gerok, 30.11.2012.
66
Zeitzeugengespräch Markus
Lerch, 11.12.2012.
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Zeitzeugengespräch Wolfgang
F. Caspary, 13.2.2013.
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DGVS Archiv: Protokoll Vor-
standssitzung, 20.4.1993. Proto-
koll Vorstandssitzung, 28.4.1992.
◀ Mit der Satzung von 1952 gibt
sich die Gesellschaft eine neue
Struktur, beispielsweise wird das
Amt des Generalsekretärs abge-
schafft, stattdessen übernimmt
der Schriftführer die Leitung der
Gesellschaft.
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