100 Jahre DGVS - page 80

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chen Worten öffentlich und mit hohem Respekt gewürdigt – für die NS-Zeit eine
ungewöhnliche Geste.
14
Nach Morawitz’ Tod 1936 übernahmen Norbert Henning
(Leipzig), Alfred Luger (Wien) und Rudolf Staehelin (Basel) die Schriftleitung.
1937/38 emigrierte die Verlegerfamilie Karger wegen der antisemitischen Repres-
salien der Nationalsozialisten in die Schweiz; in diesem Jahr wurde das bisherige
Archiv
in
Gastroenterologia
umbenannt.
Die Deutsche Zeitschrift für Verdauungs- und
Stoffwechselkrankheiten seit 1938
ImSeptember 1938 wurde das erste Heft der neu gegründeten
Deutschen Zeitschrift
für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten einschließlich Theorie und Praxis der
Krankenernährung
veröffentlicht; Herausgeber waren der Internist Max Bürger
und der Kinderkliniker Werner Catel aus Leipzig.
15
Während das
Archiv
bewusst
international ausgerichtet war, wurde imTitel der neuen Zeitschrift der nationale
Charakter betont. Nach 1945 wurde bekannt, dass Werner Catel tief im NS-Staat
verstrickt war und als einer der drei Gutachter des »Reichsausschusses zur Erfas-
sung erb- und anlagebedingter schwerer Leiden für die Ermordung behinderter
Kinder« Verantwortung trug.
16
Die
Deutsche Zeitschrift für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten
wurde
nach dem Zweiten Weltkrieg 1949 von Max Bürger fortgeführt und nach der Un-
terbrechung durch den Krieg erneut herausgegeben. Zu dem Mitarbeiterkreis ge-
hörten unter anderemHansW. Bansi und Hans H. Berg (Hamburg), Heinrich Bredt
(Leipzig), Norbert Henning (Fürth), Nicola G. Markoff (Chur) und Jan Walden-
ström (Malmö).
17
Mit der Gründung der selbständigen Gesellschaft für Gastroen-
terologie der DDR 1965 wurde die Zeitschrift deren offizielles Organ. Das Fachblatt
erschien unter dem alten Titel bis 1988 und wurde von 1989 bis 1991 als
Gastroen-
terologisches Journal
unter der Chefredaktion von Klaus-Ulrich Schentke (Dres-
den) fortgesetzt.
18
Gastroenterologia 1939–1967
»Der neue Titel, unter dem der 64. Band des
Boasschen Archivs
erscheint, soll zum
Ausdruck bringen, dass die gegenwärtigen Herausgeber den internationalen Cha-
rakter des Archivs stärker betonen möchten. Schon der verdiente Gründer des
Archivs,
I. Boas
, hat auf die Berücksichtigung des internationalen Schrifttums von
13 
Schmidt C. Leben und Werk
von Paul Morawitz unter besonde-
rer Berücksichtigung seiner Leip-
ziger Tätigkeit als Ordinarius und
Direktor der Medizinischen Klinik
[Dissertation]. Leipzig 1999.
14
Morawitz P. Dem Begründer
des Archivs für Verdauungskrank-
heiten. Arch f Verdauungskr 1934;
55: 1–2.
15 
Deutsche Zeitschrift f Verdau-
ungs Stoffwechselkr 1938: 1.
16 
Schultz U. Dichtkunst, Heil-
kunst, Forschung: Der Kinderarzt
Werner Catel. In: Reform und
Gewissen »Euthanasie« im Dienst
des Fortschritts. (Beiträge zur
natio­nalsozialistischen Gesund-
heits- und Sozialpolitik, Band 2.)
Berlin 1985; 107–124.
17 
Deutsche Zeitschrift f Ver-
dauungs- und Stoffwechselkr,
Sonderband (Verhandlungen
der Deutschen Gesellschaft für
Verdauungs- und Stoffwechsel-
krankheiten, XV. Tagung in Bad
Kissingen, 28.–30. September
1950). Leipzig 1952. Vgl. Petersen
HCh, Zankel S. Werner Catel - ein
Protagonist der »Kindereuthana-
sie« und seine Nachkriegskarriere.
Med hist J 2003; 38: 139–173.
18 
Teichmann W. Zum 25jähri-
gen Bestehen der Gesellschaft für
Gastroenterologie der DDR, IV,
Geschichte der Gesellschaft für
Gastroenterologie der DDR. Gast-
roenterol J 1990; 50 (4): 157–162.
◀◀◀ Das
Archiv
erschien ab Herbst
1938 (Vol. 64) als
Gastroenterolo-
gia
und hatte einen betont inter-
nationalen Charakter, der sich
auch im englischen und französi-
schen Titel widerspiegelt:
Journal
international de Gastroenterologie
/ International Journal of Gast-
roenterology
.
◀◀ Mit Band 8 von 1944 erschien
die vorerst letzte Ausgabe der
Deutschen Zeitschrift für Verdau-
ungs- und Stoffwechselkrankhei-
ten
. Wegen des Kriegsverlaufs
wurde das Erscheinen eingestellt.
◀ Stolz eröffnete Max Bürger im
Februar 1949 nach kriegsbedingter
Pause den 9. Band der
Deutschen
Zeitschrift für Verdauungs- und
Stoffwechselkrankheiten
: »Daß
diese Möglichkeit durch die Lizenz­
erteilung wieder geschaffen wurde,
danken wir dem verständnisvollen
Eingehen der entsprechenden Ver-
waltungsstellen der Sowjetischen
Militäradministration.«
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