100 Jahre DGVS - page 9

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Vorwort
 Jahre Deutsche Gesellschaft
für Verdauungs- und Stoffwechsel-
krankheiten
Vorwort der Herausgeber
Im Jahre 2013 feiert unsere Fachgesellschaft, die Deutsche Gesellschaft für Ver-
dauungs- und Stoffwechselkrankheiten, ihren 100. Geburtstag. Diesen Jahrestag
haben wir zum Anlass für eine Rückschau auf die Entwicklung unseres Faches
und der Gesellschaft genommen. Das Ergebnis halten Sie in Form eines Buches in
Händen, das die Geschichte der DGVS erzählt und das in Zusammenarbeit mit
Neumann & Kamp Historische Projekte erstellt wurde. Die Aufarbeitung von 100
Jahren DGVS hat nicht nur die Höhepunkte und Verdienste unserer Fachgesell-
schaft berücksichtigt, sondern erinnert auch an die nach 1933 vertriebenen und
aus der Fachgesellschaft ausgeschlossenen Gastroenterologen jüdischer Herkunft
und stellt sich der Verstrickung von Gastroenterologen im Dritten Reich.
Die Innere Medizin in Deutschland hat, länger als vergleichbare Gesell-
schaften imAusland, die Einheit ihres Faches als Ziel verteidigt und tut dies noch
heute. Die Anfänge der Spezialisierung zur Gastroenterologie gehen zurück ins
19. Jahrhundert. Friedrich Theodor von Frerichs begann in Breslau im Jahr 1858
seinWerk
Klinik der Leberkrankheiten,
und Carl Anton Ewald gab im Jahr 1879 den
ersten Band seiner
Klinik der Verdauungskrankheiten
heraus. Ismar Boas, ein Schü-
ler Ewalds, ließ sich im Jahr 1886 als erster Spezialarzt für Magen- und Darm-
krankheiten mit eigenem Labor in Berlin nieder und veröffentlichte 1890 sein
Lehrbuch
Allgemeine Diagnostik und Therapie der Magenkrankheiten
. Den ersten
Lehrstuhl für Gastroenterologie bekleidete im Jahr 1889 in New York Max Ein-
horn, ein Schüler von Gustav Langmann und Hospitant bei Carl A. Ewald in Berlin.
Bereits 1897 gründete sich in den USA die American Gastroenterological As-
sociation unter Beteiligung von Max Einhorn und John C. Hemmeter, der in
Deutschland zur Schule gegangen war. Die Japanische Gesellschaft für Gastroen-
terologie wurde 1902 durch Shokichi Nagayo, der in Deutschland studiert und hier
zehn Jahre gelebt hatte, ins Leben gerufen. Trotz dieser deutschen Führungsrolle
bei der Entwicklung des Faches erfolgte die Gründung der DGVS im Jahr 1913 im
Vergleich zu den USA und Japan relativ spät. Dies war nicht zuletzt dem Wider-
stand von Kollegen zu verdanken, die die Einheit der Inneren Medizin gefährdet
sahen und sich erst im Jahr 1912 auf die Erste Tagung für Verdauungs- und Stoff-
wechselkrankheiten, also einen »Spezialkongress«, verständigen konnten. Mit
ähnlicher Zielsetzung (und genauso wenig Erfolg) haben spätere Gastroenterolo-
gen versucht, die Verselbstständigung der Endokrinologie und Diabetologie aus
dem Verbund der DGVS zu verhindern, so zum Beispiel 1952 Gerhardt Katsch als
Präsident.
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