100 Jahre DGVS - page 90

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und Ausstattung gastroenterologischer Zentren und endoskopischer Funktions-
einheiten.
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Fortbildungen für das Endoskopie-Fachpersonal standen ebenfalls
auf der Agenda der Gesellschaft.
Die DDR-Gesellschaft sah sich nicht als Gegenorganisation zur westdeut-
schen DGVS. Martin Gülzow versuchte, den Kontakt mit der DGVS aufrecht zu er-
halten,
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was am besten über den Besuch der westdeutschen Tagungen gelang.
Die Teilnahme von DDR-Gastroenterologen an den westdeutschen Tagungen wur-
de vom Staat nur für »verlässliche« Personen, im Sinne der Parteilinie, unter-
stützt. Trotz ihrer Isoliertheit zur westlichen Medizin erfuhr die Gesellschaft für
Gastroenterologie der DDR Anerkennung außerhalb der Staaten des Warschauer
Pakts. Sie trat den internationalen Dachverbänden bei, 1970 der »Weltorganisa-
tion für Gastroenterologie« (OMGE) und 1972 der »Europäisch-Mediterranen Ge-
sellschaft für Gastroenterologie« (ASNEMGE). Die neue Gesellschaft stand, wie alle
anderen medizinischen Verbände und Institutionen der DDR, eben auch unter der
Einflussnahme von Staat und Partei.
Im Laufe der Zeit wuchs die Gesellschaft der DDR. Während der Mitglieder-
versammlung 1977 wurde beschlossen, anderes medizinisches Fachpersonal, so-
genannte »Mittlere Fachkräfte« wie Diätberater und Endoskopieassistenten, als
außerordentliche Mitglieder aufzunehmen, die eine eigene Arbeitsgruppe bilde-
ten. Außerdem waren Ärzte verschiedener Fachrichtungen hinzugekommen, wie
etwa Chirurgen und Pathologen, sodass die Mitgliedszahl um 1977 bei etwa 300
lag.
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Mit den außerordentlichen Mitgliedern hatte die Gesellschaft für Gastroen-
terologie der DDR im Jahr 1984 – sechs Jahre vor ihrer Auflösung – 761 Mitglieder.
Forschung
In den Fokus des Ministeriums für Gesundheitswesen (MfG) rückten neben der
Gesellschaft für Gastroenterologie der DDR auch Forschung und Lehre auf dem
Gebiet der Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten sowie der Ernährungswis-
senschaft. 1969 wurde im Rahmen der »Sozialistischen Großforschung« das »For-
schungsprojekt Gastroenterologie der DDR« initiiert. Die Projektleitung wurde an
der Universität Rostock angesiedelt, von dort sollte die gastroenterologische For-
schung gebündelt und koordiniert werden. 30 Einrichtungen waren zunächst an
demProjekt beteiligt. Die Leitung erhielt in diesen frühen JahrenMartin Gülzow.
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Teilprojekte bezogen sich anfänglich auf die Pankreatologie, Magenkrankheiten
und enterale Absorptionsstörungen. Ab 1981 wurde die Gastroenterologie in der
DDR zur medizinischen Hauptforschungsrichtung (HFR), in der die Pankreatitis,
funktionelle Erkrankungen und imhepatologischen Gebiet Fragen der Zellschädi-
gung und der Chronifizierung bearbeitet wurden. Seit 1982 übernahm die Gesell-
schaft für Gastroenterologie in der DDR die Organisation klinischerTherapiestudi-
en sowie das Führen eines Registers seltener Erkrankungen.
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Den ambitionierten Zielen, die das Ministerium für Gesundheitswesen für
die gastroenterologische Forschung vorgegeben hatte, stand allerdings der bereits
erwähnte allgegenwärtige Mangel an Personal, Instrumenten und aktuellen inter-
nationalen Erfahrungswerten entgegen. Auch der Bezug von »ausländischen Pub-
likationen« – zu denen medizinische Fachzeitschriften aus der BRD zählten – war
16
Ebd.; 24.
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Teichmann W. Zum 25jährigen
Bestehen; 160.
18
Schoenemann, J. Chronik der
Gesellschaft für Gastroenterologie
der DDR; 7.
19
BArch DQ 109/278, ohne Blatt-
zählung.
20
Schoenemann J. Chronik der
Gesellschaft für Gastroenterologie
der DDR; 6.
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