100 Jahre DGVS - page 91

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Kapitel 5
▶ + ▶▶ Seit 1962 fanden alle zwei
Jahre in Bad Berka die »Berkaer
Gespräche« in enger Zusammen-
arbeit mit der Gesellschaft für Gas-
troenterologie und der Sektion für
Endoskopie statt. Nach der Auflö-
sung der Gesellschaft 1990 wurden
die Tagungen von 1994 bis 2002
als selbstständige Veranstaltun-
gen weitergeführt. Die klassischen
Dichter auf den Programmen soll-
ten die Assoziation zur »huma-
nistischen« Umgebung Weimars
wecken.
schwierig, da diese häufig im Zoll »verloren gingen«.
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Doch diejenigen Medien
aus demWesten, die den DDR-Wissenschaftlern zur Verfügung standen, verhalfen
ihnen zu Vorteilen gegenüber den Kollegen aus den anderen Ostblockstaaten. Am
besten zugänglich waren Westpublikationen für die Mitarbeiter der Ost-Berliner
Charité, die als Hauptstadtinstitution eine Sonderrolle genoss. Problematischer
war der freie Zugang zu aktueller Forschungsliteratur in den anderen Universi-
tätskliniken; unten in der Hierarchie standen die Polikliniken.
Wie auch die Bundesrepublik haderte die DDR mit demVerlust des interna-
tionalen Rufes Deutschlands alsWissenschaftsstandort. Insbesondere die Gastro-
enterologie, die über Jahrzehnte eine deutsche Paradedisziplin war, sollte wieder
an die Spitze geführt werden. 1967 musste die »Problemkommission für Gastroen-
terologie« in ihrer Analyse zur Forschertätigkeit feststellen, dass die gastroentero-
logische Ausbildung und Forschung »nicht entsprechend dem internationalen
Höchststand entwickelt [ist]«, ergänzte aber, dass »die DDR-Forschung [...] trotz
mancher hinderlicher Umstände eine beachtliche Position wieder errungen
[hat].«
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Auch wenn sie wegen mangelnder Gelder und schlechter Grundausstat-
tung nicht an den westlichen Standard anknüpfen konnte, erzielte die
gastroenterologische Forschung der DDR – dank großen Engagements und Impro-
visation – eindrucksvolle Ergebnisse. Exemplarisch sind der Bereich der pädiatri-
schen Gastroenterologie und das Thema »Malabsorption und Eiweißexsudation
in den Dünndarm« zu nennen, auf beiden Gebieten wurde in Jena gearbeitet.
1968 bedeutete die III. Hochschulreform schließlich die endgültige Anpas-
sung der Hochschulen an das System.
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Die experimentelle und klinische For-
schung wurde sukzesszive von den medizinischen Bereichen, die ebenfalls im
Zuge der Reform aus den Fakultäten hervorgegangen waren, zur Akademie der
Wissenschaften (AdW) verlagert. Diese genoss aufgrund ihres privilegierten Stan-
des in der Folgezeit internationale Anerkennung. Die universitäre Forschung
musste hingegen auf ihre hauseigenen Gelder zurückgreifen und konnte nur in
einem finanziell streng reglementierten Rahmen Forschungsarbeit betreiben.
Während des 7. Gastroenterologenkongresses der DDR 1977 wurde beschlossen,
zur Würdigung langjähriger und verdienstvoller Arbeit im Rahmen der Gesell-
schaft die »Boas-Medaille« zu verleihen.
22
22
Teichmann W. Zum 25jährigen
Bestehen; 162.
23
Gesetzblatt der DDR, 1968.
Teil II, Nr. 127 vom 13.12.1968.
Verordnung über die wissen-
schaftlichen Mitarbeiter an den
wissenschaftlichen Hochschulen –
Mitarbeiterverordnung.
24
Vgl. Statistisches Jahrbuch
1982; 53.
1...,81,82,83,84,85,86,87,88,89,90 92,93,94,95,96,97,98,99,100,101,...180
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