100 Jahre DGVS - page 92

90
◀◀ Das erste bilaterale Symposium
mit Gastroenterologen der DDR
und der ČSSR wurde 1973 in Karls-
bad veranstaltet. Bis 1989 fanden
acht dieser Symposien imWechsel
in Karlsbad und in Bad Berka statt.
◀ Die Gründung und die erste
gemeinsame Veranstaltung der
Arbeitsgemeinschaft endoskopie-
render Gastroenterologen fand
1967 in Magdeburg statt. Es
folgten neun Fortbildungs- bzw.
Arbeitstagungen mit Themen aus
dem Gesamtgebiet der gastroen-
terologischen Endoskopie.
Ausbildung
Für Medizinstudenten gab es neun Ausbildungsorte in der DDR. Die Universitäten
Rostock, Greifswald, Berlin, Leipzig, Jena, Halle-Wittenberg und die Medizini-
schen Akademien Dresden, Erfurt und Magdeburg. Einen Studienplatz zu bekom-
men war schwierig, gesellschaftliches und politisches Engagement im Sinne der
DDR-Regierung war hilfreich. Neben exzellenten schulischen Leistungen war bei
den männlichen Bewerbern eine vorherige dreijährige NVA-Dienstzeitverpflich-
tung Voraussetzung. Auch die Herkunft der Eltern war in der vermeintlich klas-
senlosen Gesellschaft ein Kriterium: Arbeiterkinder erhielten in der Regel leichter
einen Studienplatz als die Kinder aus Akademikerfamilien.
Die Parteiführung sah für Akademiker aller Fachrichtungen »marxis-
tisch-leninistische Pflichtveranstaltungen« (ML) sowie Unterricht in russischer
Sprache vor, um auf Grundlage der sozialistischenWeltanschauung international
bestehen zu können.Wer dann an den Universitäten Karriere machen wollte, hat-
te klare Vorgaben zu erfüllen: »Voraussetzungen der Tätigkeit der wissenschaftli-
chen Mitarbeiter sind ein hohes sozialistisches Staatsbewusstsein und die Bereit-
schaft und Fähigkeit zur sozialistischen Erziehung der Studenten.«
23
Medizinische Betreuung und klinische Praxis
Um die Gesundheit der DDR-Bürger kümmerten sich Anfang der 1970er Jahre et-
was mehr als 27.000 Ärzte – fast doppelt so viele wie 1960.
24
Mitte der 1980er Jah-
ren zählte die DDR-Ärzteschaft rund 40.000.
25
In den Abteilungen für Innere Medizin der Kliniken gab es stets Sektionen
für Gastroenterologie, allerdings war das Fachgebiet nicht in dem Maße autark
wie in der BRD – die »Gesamtheit der Inneren Medizin« war in der DDR stark aus-
geprägt.
26
Die Charité in Ost-Berlin arbeitete auf internationalem Niveau. In den
Universitätskliniken Leipzig, Rostock und Jena war die Situation weniger güns-
tig – das Berliner Klinikumwurde bei der Verteilung der knappen Ressourcen ein-
deutig bevorzugt – aber moderne Medizin im Sinne eines »Tagesgeschäftes« wur-
de auch hier praktiziert. Unterschiede in der Patientenbehandlung zwischen Ost
und West gab es nur bei wenigen Krankheiten, für deren Behandlung modernste
Technik oder in der DDR nicht verfügbares Gerät oder Medikamente notwendig
waren.
25
Vgl. Weil F. Zielgruppe Ärz-
teschaft, Ärzte als inoffizielle
Mitarbeiter des Ministeriums für
Staatssicherheit der DDR. Göttin-
gen 2008; 15.
26
Zeitzeugengespräch mit Rüdi-
ger Nilius, 6.2.2013.
27
Ebd.
28
Zeitzeugengespräch mit Julius
Schoenemann, 12.12.2012.
29
Vgl. Schoenemann J. Chronik
der Gesellschaft für Gastroentero-
logie der DDR; 7f.
1...,82,83,84,85,86,87,88,89,90,91 93,94,95,96,97,98,99,100,101,102,...180
Powered by FlippingBook