100 Jahre DGVS - page 98

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Gerhardt Katsch –
Biografische Skizze
Gerhardt Katsch
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, geboren 1887, wuchs in Berlin in einer Künstlerfamilie auf, besuchte das
dort französische Gymnasiumund studierte zunächst in Paris Biologie, Physik und Philoso-
phie. 1906 nahm er in Marburg das Medizinstudium auf und wechselte später nach Berlin.
Dort erhielt er 1912 die Approbation und promovierte mit seiner Arbeit
Beitrag zum Studium
der Magenmotilität
. Sein Doktorvater war Adolf Bickel, der in Berlin Pathophysiologie lehrte
und sich mit der Regulation der Peristaltik im Gastrointestinaltrakt beschäftigte.
Im gleichen Jahr wurde KatschAssistenzarzt bei Gustav von Bergmann in der Medi-
zinischen Klinik Hamburg-Altona. Von 1914 bis 1917 nahm Katsch als Sanitätsarzt am akti-
ven Militärdienst im Ersten Weltkrieg teil und wurde 1917 in Marburg, wo auch von Berg-
mann in der Zwischenzeit arbeitete, auf der Grundlage seiner bisherigen Publikationen
habilitiert.
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Als von Bergmann 1920 die Leitung der Medizinischen Universitätsklinik in
Frankfurt am Main übernahm, folgte Katsch als Oberarzt seinem klinischen Lehrer.
Pankreaserkrankungen, Diabetes mellitus sowie funktionelle Aspekte der Magen-Darm-Er-
krankungen faszinierten Katsch schon frühzeitig und blieben bis 1957 seine Arbeitsschwer-
punkte.
Gerhardt Katsch war sehr erfolgreich und wurde neben Hans Heinrich Berg der be-
kannteste und erfolgreichste Schüler Gustav von Bergmanns. 1921 wurde Katsch in Frank-
furt amMain eine außerordentliche Professur übertragen, 1926 bis 1928 leitete er die Abtei-
lung für Innere Medizin amHospital ZumHeiligen Geist in Frankfurt. 1928 wurde er auf den
Lehrstuhl für Innere Medizin an die Universität Greifswald berufen.
In Greifswald entfaltete Katsch umfangreiche Aktivitäten, insbesondere für die Be-
treuung von Patienten mit Diabetes mellitus. So wurde 1930 nach Katschs Initiativen ein
Diabetikerheim als Privatstiftung unter der Schirmherrschaft der Inneren Mission in Garz
auf Rügen eröffnet, zur damaligen Zeit eine in Europa führende und vorbildhafte Einrich-
tung für die Diabetikerfürsorge, in der Diät, Insulingabe, körperliche Tätigkeit und konse-
quente Schulung entscheidende Elemente der Therapie waren.
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Ohne Zweifel war Katsch einer der führenden Diabetologen und Pankreasforscher
seiner Zeit; er gehört neben Oscar Minkowski und Karl Stolte zu den Begründern der Diabe-
tologie in Deutschland.
Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten im Frühjahr 1933 trat
Katsch dem Stahlhelm und dem Nationalsozialistischen Fliegerkorps (NSFK) bei, wurde
später förderndes Mitglied der SS und beantragte 1937 die NSDAP Mitgliedschaft, die er erst
1943 erhielt.
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In der Klinik hat er versucht, den Mitarbeitern, die jüdischer Herkunft waren
und denen der Verlust der Anstellung drohte, zu helfen, soweit es ihmmöglich war.
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Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges wurde Katsch Beratender Internist für den
Wehrkreis II, führte Lazarettbesuche durch und beschäftigte sich vor allem mit der Be-
handlung Ulcuskranker, die er in »Spezialtruppenteilen« betreut wissen wollte.
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An einem
aktiven Kommando als Sanitätsoffizier zeigte er sich ausdrücklich interessiert.
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Er betei-
ligte sich an der »vergleichendenTherapie« während des Krieges und hat sich mit den Fol-
gen der Unterernährung russischer Kriegsgefangener befasst.
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Am Ende des Krieges gehörte Katsch zu jenen drei Parlamentären, die der Roten
Armee erfolgreich das Angebot einer kampflosen Übergabe der Stadt Greifswald über-
brachten, was der Stadt, im Gegensatz zu Nachbarstädten wie Demmin und Anklam, den
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