100 Jahre Kongress - DGVS - page 12

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Carl von Noorden
Frankfurt/Main
* 1858 in Bonn, † 1944 in Wien
3. Tagung
Bad Homburg v.d.H., 28. – 29. April 1922
Carl von Noorden bildete sich zunächst bei Victor Hensen in Kiel in der Physiologie weiter, war
danach Assistenzarzt bei Theodor von Jürgensen an der Medizinischen Poliklinik in Tübingen
und bei dem Magenspezialisten Franz Riegel in Gießen. 1885 wurde er dort für das Fach Innere
Medizin habilitiert. 1887 wechselte er zu Carl Gerhardt an die II. Medizinische Klinik der Charité
Berlin. 1894 übernahm v. Noorden die Ärztliche Leitung der Medizinischen Klinik am Städtischen
Krankenhaus Frankfurt/Main und gründete 1895 die private „Klinik für Zuckerkranke und diäteti-
sche Kuren“ in Frankfurt/Sachsenhausen, die als Diabetes-Fachklinik internationale Bedeutung
erlangte. 1906 wurde v. Noorden Nachfolger Hermann Nothnagels an der I. Medizinische Univer-
sitätsklinik Wien. 1913 kehrte er nach Frankfurt an seine Privatklinik zurück. Von 1930 bis 1935
leitete er, nach Österreich zurückgekehrt, die Abteilung für Stoffwechselerkrankungen und diäte-
tische Heilmethoden, Städtische Klinik Wien-Lainz. Seit 1900 gab v. Noorden das Centralblatt für
Stoffwechsel- und Verdauungskrankheiten heraus.
Arbeitsgebiet v. Noordens waren die Methodik der Stoffwechseluntersuchungen und die Stoff-
wechselkrankheiten, besonders der Diabetes mellitus. Seine Beiträge über die Beeinflussung
des Fettstoffwechsels beim Diabetes mellitus, zum Auftreten der Azetonkörper im Urin, zum
Wert der Haferkur („Hafertag“, 1902 in die Diabetestherapie eingeführt) in der Vor-Insulin-Ära
sowie die Einführung der Weißbroteinheiten zur Abschätzung der Kohlenhydratmengen wa-
ren international anerkannt. Er gehörte zu den ersten deutschen Ärzten, die Insulin einsetzten.
Frühzeitig vermutete er genetische Faktoren als Ursache des Übergewichts. Sein Anliegen
war die wissenschaftlich begründete Ernährungstherapie. Sein zweiter Arbeitsschwerpunkt
bezog sich auf die Magen- und Darmkrankheiten.
Von Noorden repräsentierte in der Gesellschaft jene Mediziner, die sich vornehmlich mit der
Stoffwechselphysiologie und -pathologie befassten. Organisatorische Initiativen für die Ge-
sellschaft sind von ihm nicht dokumentiert. Die Hauptthemen des Kongresses 1922 bezogen
sich auf Gallensteinerkrankungen und auf Wechselbeziehungen zwischen Störungen des Ver-
dauungsapparates und des Kreislaufs
Vita
Wissenschaftliche
Schwerpunkte
Entwicklungen der
Gesellschaft während
der Präsidentschaft
Ausgewählte
Publikationen
Grundriss einer Methodik der Stoffwechseluntersuchungen. Berlin 1892.
von Noorden C (Hg.). Lehrbuch der Pathologie des Stoffwechsels. Berlin 1893. – 1906 als zweibändiges Handbuch der Patholo-
gie des Stoffwechsels erschienen.
Die Zuckerkrankheit und ihre Behandlung. Berlin 1895.
Mit Hugo Salomon, Handbuch der Ernährungslehre. Berlin 1920.
von Noorden C ( Hg.). Klinik der Darmkrankheiten. München - Wiesbaden 1921 (als 2. Aufl. des Werkes von Adolf Schmidt, von
diesem 1913 erstmals veröffentlicht).
Die Fettleibigkeit und ihre Heilung. Berlin 1937.
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