100 Jahre Kongress - DGVS - page 15

15
Vita
Wissenschaftliche
Schwerpunkte
Entwicklungen der
Gesellschaft während
der Präsidentschaft
Ausgewählte
Publikationen
Gustav von Bergmann
Frankfurt
* 1878 in Würzburg, † 1955 in München
6. Tagung
Berlin, 13. – 16. Oktober 1926
Gustav von Bergmann begann seine Ausbildung zum Internisten bei Friedrich von Müller in Ba-
sel, wechselte in das Institut für physiologische Chemie zu Franz Hofmeister nach Strassburg
und wurde 1903 Assistenzarzt in der II. Medizinischen Universitätsklinik der Charité bei Friedrich
Kraus. 1906 war er bei Paul Ehrlich und dem Serologen Hans Sachs in Frankfurt tätig und bildete
sich in Paris bei Fernand Widal fort. 1908 erfolgte die Habilitation an der Friedrich-Wilhelms-Uni-
versität Berlin. Von Bergmann verließ 1912 die Charité, wurde Ärztlicher Leiter der Medizinischen
Klinik am Allgemeinen Krankenhaus Hamburg-Altona, wechselte 1916 als Ordinarius für Inne-
re Medizin an die Philipps-Universität Marburg und wurde 1920 nach Frankfurt berufen. Anfang
1927 wurde er Lehrstuhlinhaber für Innere Medizin an der II. Medizinischen Klinik der Charité. Als
Prodekan kam ihm 1933 an der Berliner Medizinischen Fakultät eine besondere Bedeutung zu.
Zwar begegnete von Bergmann der NS-Ideologie distanziert, wirkte jedoch – schweigend – seit
März 1933 an den Entlassungen der jüdischen Ärztinnen und Ärzte mit. Erinnerungen an die ver-
triebenen jüdischen Mitarbeiter seiner eigenen Klinik oder eine Reflexion seiner Rolle im Dritten
Reich finden sich in seinen 1953 publizierten Memoiren nicht. Von 1946 bis 1953 leitete er die
II. Medizinische Klinik der Universität München. Gerhardt Katsch, Hans Heinrich Berg, Ernst Woll-
heim, Herbert Herxheimer, Thure von Uexküll, Karl Westphal, Heinz Kalk und Fritz Stroebe waren
Schüler von Bergmanns.
Experimentell arbeitete von Bergmann über die Umwandlung von Cystin in Taurin im tieri-
schen Organismus. Später widmete er sich der Pathogenese des peptischen Ulcus und Gal-
lenblasenkrankheiten. Frühzeitig sammelte er Erfahrungen zur Röntgendiagnostik des Ma-
gen-Darm-Traktes, zumal er bei Friedrich Kraus das Röntgenlabor leitete. Gemeinsam mit
Wilhelm Eilbott stellte er 1927 einen Bilirubinbelastungs-Test zur Funktionsprüfung der Leber
vor. Große Aufmerksamkeit erwarb sich von Bergmann mit seiner Anschauung, dass Erkran-
kungen nicht mit Struktur-, sondern mit Funktionsveränderungen beginnen. Seine Auffassung
fasste er in dem Begriff „vegetative Stigmatisation“ zusammen. Sein Buch „Funktionelle Pa-
thologie“ (1932) gilt als wegbereitend für die Psychosomatik.
Organisatorisch erfolgten in der Gesellschaft 1926 keine Veränderungen. Hauptthemen der
Jahrestagung waren die Gastritis sowie der Wasser- und Mineralhaushalt. Im Mittelpunkt
stand ferner die Magenneurose, über die Friedrich Kraus, Viktor von Weizsäcker und Gerhardt
Katsch sprachen und zu der es eine intensive Diskussion gab.
Mit W. Eilbott. Funktionsprüfung der Leber mittels Bilirubinbelastung. Z klin Med 1927; 156: 529-60.
Funktionelle Pathologie. Eine klinische Sammlung von Ergebnissen und Anschauungen einer Arbeitsrichtung. Unter Mitarbeit
von Martin Goldner. Berlin 1932. – Goldner, der wegen seiner jüdischen Herkunft emigrieren mußte, wird in der 2. Aufl. 1936
nicht mehr erwähnt.
Mit Rudolf Staehelin Herausgabe des Handbuches Innere Medizin (1925 – 1931) sowie mit Albrecht Bethe und Gustav G. Emb-
den Herausgabe des Handbuches der normalen und pathologischen Physiologie.
1...,5,6,7,8,9,10,11,12,13,14 16,17,18,19,20,21,22,23,24,25,...98
Powered by FlippingBook