100 Jahre Kongress - DGVS - page 16

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Arthur Biedl
Prag
* 1869 in Ostern/Comloşu Mic/Banat, † 1933 in Weißenbach
7. Tagung
Wien, 4. – 7. Oktober 1927
Arthur Biedl, aufgewachsen in einer jüdischen Familie, hatte sich nach dem Studium in experi-
menteller Pathologie bei Salomon Stricker in Wien weitergebildet. 1898 wurde er zum Titularpro-
fessor ernannt und erhielt 1914 ein Ordinariat für Allgemeine und Experimentelle Pathologie an
der Deutschen Universität in Prag. Zudem wurde ihm dort die Leitung der Propädeutischen Klinik
übertragen; so konnte er klinische Tätigkeit mit experimenteller Forschung verbinden. Biedl, vor-
nehmlich Pathophysiologe, gilt als Begründer der modernen Endokrinologie. Gemeinsammit Leon
Asher begründete er 1928 die Fachzeitschrift Endokrinologie und gehörte bis 1933 zu deren Mit-
herausgebern. Zu seinen Schülern gehörten u. a. Hans Seyle – Beschreiber des Stress-Syndroms.
Die Funktion der Nebenniere, der Schilddrüse und der Epithelkörperchen standen im Zen-
trum seiner Forschungen. 1902 beschrieb er die postoperative Tetanie nach Exstirpation der
Parathyreoidea und die Folgen der vollständigen Entfernung der Schilddrüse. Später wandte
er sich der Pathophysiologie der Erkrankungen von Hypophyse und Ovarien zu. Das Laurence-
Moon-Biedl-Syndrom trägt seinen Namen.
1910 publizierte Biedl das Werk „Innere Sekretion“, das große Aufmerksamkeit hervorrief.
Biedls experimentellen Forschungen, seine Systematik der Endokrinologie und die von ihm
erarbeitete erste bedeutsame Bibliographie der Literatur für das neue Fachgebiet waren weg-
weisend.
Vorsitzender des Wiener Lokalausschusses für die Tagungsorganisation war der Boas-Schü-
ler Walter Zweig. Ismar Boas und Wilhelm Schultzen, früherer Sanitätsinspekteur im Reichs-
wehrministerium, wurden zu Ehrenmitgliedern der Gesellschaft gewählt. Paul Oswald Wolff,
Pharmakologe, wurde Stellvertreter des Generalsekretärs Reinhard von den Velden.
Biedl betonte in seiner Eröffnungsrede die rasche „quantitative und qualitative“ Entwicklung
der Jahrestagungen seit 1914. Mit seiner Person repräsentierte ein Pathophysiologe und for-
schender Endokrinologe die Gesellschaft. Er thematisierte das Verhältnis zwischen medizini-
scher Wissenschaft und ärztlicher Heilkunst. In diesem Kontext plädierte er für eine „wirklich
erlebte und gelebte Physiologie“ und für gesichertes Wissen als Grundlage jedweder thera-
peutischen Entscheidung.
Vita
Wissenschaftliche
Schwerpunkte
Entwicklungen der
Gesellschaft während
der Präsidentschaft
Ausgewählte
Publikationen
Innere Sekretion, ihre physiologischen Grundlagen und ihre Bedeutung für die Pathologie, Berlin 1910 - 1922 in 4. Auflage als
zweibändiges Werk erschienen.
Physiologie und Pathologie der Hypophyse. München-Wiesbaden 1922.
Geschwisterpaar mit adiposo-genitaler Dystrophie. Dtsch Med Wochenschr 1922; 48: 1630-4.
Literatur Innere Sekretion (eine Bilbiographie). Berlin 1922.
Hormone und Stoffwechsel. Die Bedeutung der Hormone für den Stoffwechsel tierischer und pflanzlicher Organismen. Freis-
ing-München 1926.
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