100 Jahre Kongress - DGVS - page 18

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Hans von Haberer
Düsseldorf
* 1875 in Wien, † 1958 in Düren
9. Tagung
Berlin, 16. – 18. Oktober 1929
Hans von Haberer bildete sich zunächst in Graz im Fach Anatomie und in der Pathologie bei Hans
Eppinger sen. fort, bevor er 1902 seine Ausbildung zum Chirurgen bei Anton von Eiselsberg in
Wien begann. 1907 habilitiert wurde er als Ordinarius für Chirurgie 1911 nach Innsbruck, 1924
nach Graz, 1926 nach Düsseldorf und 1930 nach Köln berufen. Dort wirkte er bis 1945.
Von Haberer wurde 1933 Fördermitglied der SS und war seit Mai 1937 Mitglied der NSDAP. Von
1935 bis 1938 bekleidete er das Rektorenamt der Universität Köln. Aufgrund der Quellenlage ist
davon auszugehen, dass Haberer sich systemkonform im Sinne der NS-Ideologie verhalten hat.
Die britische Militärregierung entließ von Haberer 1945 aus seinen Positionen. Im Spruchkam-
merverfahren der Gruppe der „Entlasteten“ zugeordnet wurde er 1948 von der Universität und
dem zuständigen Ministerium rehabilitiert und wegen seines Alters gleichzeitig emeritiert.
Von Haberer widmete sich vornehmlich der Magen-Darm-Chirurgie, insbesondere der operati-
ven Therapie des Ulcus ventriculi und duodeni sowie des Magencarcinoms. Er propagierte die
Magenresektion bei der Ulkuskrankheit entweder in einer modifizierten Billroth-I-Resektion
mit termino-lateraler Anastomose zur Pars descendens duodeni oder als B-II-Resektion mit
antecolischer Anastomose zwischen Magen und Jejunum und mit einer Enteroanastomose.
Aufgrund seiner eigenen praktischen Erfahrung mit mindestens 3000 Magenresektionen und
einer exakten Analyse der verschiedenen Operationsmethoden kamen Haberers Aussagen
zur Magenchirurgie hohe Bedeutung zu. Ferner hat er sich mit Fragen der Cholecystektomie,
kriegschirurgischen Themen und der Behandlung des abdominellen Aneurysmas beschäftigt.
Während der 9. Tagung beschloss der Ausschuss der Gesellschaft, zukünftig „in der Regel die
Tagung in 2jährigem Turnus zwischen Berlin und Wien abzuhalten“. Die Zahl der Mitglieder
war im Oktober 1929 auf 471 angestiegen. Themen wie Kritik der Pharmakotherapie sowie
Pyloro- und Kardiospasmus wurde während der Tagung besondere Aufmerksamkeit gewid-
met. Paul F. Richter und Gustav von Bergmann hielten Hauptreferate zu neuen Aspekten der
Lebererkrankungen, wobei besonders die Leberfunktionsprüfungen diskutiert wurden.
Vita
Wissenschaftliche
Schwerpunkte
Entwicklungen der
Gesellschaft während
der Präsidentschaft
Ausgewählte
Publikationen
Ulcus ventriculi, Ulcus duodeni, Ulcus pepticum jejuni, mit besonderer Berücksichtigung der chirurgischen Therapie. Dtsch Z
Chir 1922; 172: 1-77.
Verbesserung unserer Resultate bei Dickdarmresektion. Arch Klin Chir 1931; 167: 443-58.
Über Häufigkeit und Bedeutung von Fehldiagnosen bei Ulcus und Carcinom im Magen und Duodenum. Dtsch Z Chir 1935; 245:
744-55.
Die Erkrankungen der Leber und der Gallenwege. Ein Grenzgebiet zwischen innerer Medizin und Chirurgie. Für Ärzte und Stud-
ierende. Kempen-Niederrhein 1947.
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