100 Jahre Kongress - DGVS - page 19

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Vita
Wissenschaftliche
Schwerpunkte
Entwicklungen der
Gesellschaft während
der Präsidentschaft
Ausgewählte
Publikationen
Alexander (Sandor) von Korányi
Budapest
* 1866 in Pest, † 1944 in Budapest
10. Tagung
Budapest, 6. – 8. Oktober 1930
Alexander von Korányi stammte aus einer ungarisch-jüdischen Familie. Nach dem Medizinstu-
dium in Budapest, in dem er sich besonders in der Pathologie fortbildete, war er in Strassburg
bei den Physiologen Friedrich L. Goltz und Ernst F. Hoppe-Seyler tätig und arbeitete dort mit dem
später in den USA lebenden Deutsch-Amerikaner Jacques Loeb zusammen, der den physikalisch-
chemischen Forschungsschwerpunkt innerhalb des Fachgebietes Physiologie vertrat. Zudem
hospitierte Korányi bei Jean M. Charcot in Paris und befasste sich mit Themen der Nervenpatho-
logie. Nach der klinischen Ausbildung in Ungarn und weiterer experimenteller Arbeit habilitierte
er sich 1893 für experimentelle Pathologie und Therapie des Nervensystems. Nachdem er das
Physiologische Institut der tierärztlichen Hochschule in seiner Heimatstadt geleitet hatte, erhielt
Korányi 1909 eine ordentliche Professur und wurde Ärztlicher Direktor der III. Medizinischen Kli-
nik der Pázmany-Peter-Universität Budapest.
Für Korányi standen Fragen des physiologischen Fachgebietes im Vordergrund. Er wurde vor
allem mit seinen Arbeiten zur Osmoregulation tierischer Flüssigkeiten bekannt. Er wandte
bei seinen Stoffwechseluntersuchungen als einer der ersten physiko-chemische Methoden
an; so führte er 1897 die Kryoskopie als erste Methode zur Prüfung der Nierenfunktion ein. Er
hatte festgestellt, dass erkrankte Nieren nicht mehr in der Lage waren, einen konzentrierten
Urin zu bilden. In der Gefrierpunktserniedrigung des Urins fand er einen Nierenfunktionspa-
rameter. Der Begriff der Hyposthenurie geht auf Korányi zurück. Er beschrieb die Nierenin-
suffizienz als Folge einer Störung der Organfunktion und erarbeitete eine genauere Definition
dieses Begriffes.
Zum Zeitpunkt des Kongresses 1930 erreichte die Zahl der Mitglieder der Gesellschaft mit
497 einen Höchststand. Aus Anlass der 10. Tagung wurde auf Vorschlag von Hermann Strauß
ein einmaliger Preis von M. 1000.- aus dem Vermögen der Gesellschaft ausgelobt, der den
Namen „Boas-Preis“ erhielt. Das Thema lautete: „Die bakterielle und abakterielle Genese von
Pankreaserkrankungen“. Zu Ehrenmitgliedern der Gesellschaft wurden der Tagungsvorsit-
zende v. Korányi sowie Knud Faber, Kopenhagen, Max Einhorn, New York, Abraham Hijmans
van den Bergh, Utrecht und Elliot P. Joslin, Boston, gewählt.
Physiologische und klinische Untersuchungen über den osmotischen Druck thierischer Flüssigkeiten. Z klin Med 1897; 33: 1-54
und 1898; 34: 1-52.
v. Korányi A und Richter PF, Physikalische Chemie und Medizin. Ein Handbuch, 2 Bände, Leipzig 1907 u. 1908, ein Werk, für das
Hermann Strauss den Beitrag über die Magen-Darm-Krankheiten verfasste.
Krankheiten der Harnorgane. Leipzig 1918.
Die Pathogenese der nephrotischen Wasserretention. Wien 1925.
Vorlesungen über funktionelle Pathologie und Therapie der Nierenkrankheiten. Berlin 1929
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