100 Jahre Kongress - DGVS - page 23

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Vita
Wissenschaftliche
Schwerpunkte
Entwicklungen der
Gesellschaft während
der Präsidentschaft
Carl Hegler
Hamburg
* 1878 in Stuttgart, † 1943 in Hamburg
12. Tagung
Wiesbaden, 12. – 13. April 1934
Carl Hegler war seit 1902 Assistenzarzt im Institut für Pathologie der Universität Tübingen bei
Paul von Baumgarten, der sich als Pathologe mit Fragen aus dem Gebiet der Bakteriologie be-
schäftigte. Seine internistische Ausbildung erhielt Hegler bei Friedrich von Müller in München.
Später wechselte er an das Allgemeine Krankenhaus Hamburg-Eppendorf zu Hermann Lenhartz
und Ludolph Brauer. 1919 erhielt Hegler an der neuen Medizinischen Fakultät der Hamburger
Universität eine a.o. Professur. Im gleichen Jahr wurde er Leiter der II. Medizinischen Klinik am
Allgemeinen Krankenhaus St. Georg Hamburg und übernahm 1926 die Leitung der I. Medizini-
schen Klinik und die Ärztliche Direktion im AKH St. Georg. Hegler war seit 1. Mai 1933 Mitglied der
NSDAP und aktiv im NSDÄB. Gegenüber den vertriebenen jüdischen Ärzten seiner Klinik soll sich
Hegler kollegial verhalten haben. Dass das Reliefbild des jüdischen Pathologen Morris Simmonds
für das AKH St. Georg bewahrt wurde, geht auf ihn zurück.
Klinisch orientiert befasste sich Hegler als Internist mit Fragen der Bakteriologie. Während
der Balkankriege 1912/13 kooperierte er zeitweise für Fleckfieber-Studien mit Stanislaus
von Prowazek. Seine Arbeiten bezogen sich zudem auf den Morbus Bang, die Psittakose, die
Leptospirose und die Landouzy Sepsis. Sein besonderes Interesse galt der klinischen Erpro-
bung und Einführung der von Gerhard Domagk neu entdeckten Sulfonamide, vor allem bei
der Pneumonie.
Hegler übernahm nach dem erzwungenen Rücktritt von Hermann Strauß Ende April 1933 den
Vorsitz der Gesellschaft. Die geplante 12. Tagung im September 1933 in Berlin fiel aus und
wurde im April 1934 gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin durchge-
führt. Heglers Präsidentschaft 1933/34 war mit tiefen Einschnitten für die Gesellschaft ver-
bunden. Neben dem Vorstand hatte auch der 21-köpfige Ausschuss die Ämter niedergelegt.
Während der Mitgliederversammlung 1934 wurde die Auflösung der Gesellschaft erörtert.
Nach Plädoyers von Erich Grafe, Würzburg, und Julius Strasburger, Frankfurt, für den Fort-
bestand der eigenständigen Fachgesellschaft stellte Hegler gemäß des Protokolls fest: „Man
wird also weiter bestehen bleiben. Nach dem Führerprinzip wählt er seinen Nachfolger selber
und bestimmt zum Vorsitzenden der nächsten Tagung Bürger (Bonn)“. Mit der Wahrnehmung
der Interessen der Gesellschaft betraute Hegler den bisherigen Generalsekretär Reinhard von
den Velden.
Lehrbuch der Infektionskrankheiten für Ärzte und Studierende. Berlin 1924; es handelt sich um die von Hegler neu bearbeitete
2. Aufl. des Lehrbuches, das Georg Jochmann 1914 publiziert hatte.
Praktikum der wichtigsten Infektionskrankheiten. Leipzig 1934, 2. Aufl. 1939.
Domagk G / Hegler C. Chemotherapie bakterieller Infektionen. Leipzig 1940, 2. Aufl. 1942, 3. Aufl. 1944.
Ausgewählte
Publikationen
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