100 Jahre Kongress - DGVS - page 25

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Vita
Wissenschaftliche
Schwerpunkte
Entwicklungen der
Gesellschaft während
der Präsidentschaft
Ausgewählte
Publikationen
Erich Grafe
Würzburg
* 1881 in Berlin, † 1958 in Florenz
14. Tagung
Stuttgart, 22. – 24. September 1938
Erich Grafe war nach dem Studium und einem ersten Volontariat in den Berliner Universitätsinsti-
tuten für Physiologie bei Hans Thierfelder und für Hygiene bei Max Rubner tätig. 1907 wechselte
er an die Medizinische Klinik der Universität Heidelberg zu Ludolf von Krehl. Dort erfolgte 1910
die Habilitation. 1921 übernahm Grafe die Leitung der Rostocker Medizinischen Universitäts-Po-
liklinik. Von 1926 bis zum Juli 1945 war er Ordinarius für Innere Medizin und ärztlicher Direktor
der Medizinischen Klinik der Universität Würzburg. Grafe war seit 1933 Fördermitglied der SS, seit
1934 SA-Mitglied und wurde 1937 Mitglied der NSDAP. Wegen dieser Verbindungen wurde er von
der amerikanischen Militärbehörde im Juli 1945 seines Amtes enthoben. Im Spruchkammerver-
fahren als „Mitläufer“ (Gruppe IV) eingestuft erfolgte 1948 die Wiedereinsetzung in eine Planstelle
der Universität Würzburg bei gleichzeitiger Pensionierung. Nach einem Rechtsstreit mit der bay-
erischen Landesregierung wurde Grafe 1953 der Status eines Emeritus zuerkannt. Er hatte nach
1946 die ärztliche Leitung einer Kurklinik übernommen und wurde 1954 zum Vorsitzenden der
Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) gewählt. An der Neubegründung der DGVS 1950 war
Grafe wesentlich beteiligt.
Geprägt durch Fragestellungen aus der Pathophysiologie beschäftigte sich Grafe mit Stoff-
wechselvorgängen unter verschiedenen Ernährungsbedingungen, z. B. im protrahierten
Hungerzustand und bei körperlichen Anstrengungen. Das Stickstoffgleichgewicht, der Koh-
lenhydratstoffwechsel und Regulationsmechanismen einzelner Stoffwechselschritte standen
im Mittelpunkt seiner experimentellen und klinischen Arbeiten. Ebenso wurden Fragen zur
Wechselwirkung zwischen Hyperglykämie und Insulinproduktion sowie die Insulintherapie
beim Coma diabeticum untersucht. Der Diabetes mellitus und die Diabetikerfürsorge standen
im Zentrum seines Interesses.
Zum Zeitpunkt der Tagung 1938 war die Zahl der eingetragenen Mitglieder auf 215 zurück-
gegangen und hatte sich damit im Vergleich zu 1932 mehr als halbiert. Dem Vorstand der
Gesellschaft gehörten 1938 neben Grafe Wilhelm Stepp, München, Wilhelm Falta, Wien und
Friedrich Umber, Berlin an.
Während der Tagung wurde Hans Eppinger zum Vorsitzenden des geplanten Kongresses im
Herbst 1939 gewählt. Dieser kam jedoch wegen des Zweiten Weltkrieges nicht mehr zustan-
de.
Die pathologische Physiologie des Gesamt- und Kraftstoffwechsels bei der Ernährung des Menschen. München 1923.
Die Krankheiten des Stoffwechsels und ihre Behandlung. Berlin 1931. – Als 2. Aufl. unter dem Titel Ernährungs- und Stoffwech-
selkrankheiten und ihre Behandlung, Heidelberg – Berlin 1958, erschienen.
Diabetes mellitus, in Handbuch für Innere Medizin, 3. Aufl., 6. Band, 2. Teil, Hg. G. v. Bergmann, R. Staehelin, Berlin 1944.
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