100 Jahre Kongress - DGVS - page 28

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Gerhardt Katsch
Greifswald
* 1887 in Berlin, † 1961 in Greifswald
16. Tagung
Essen/ Bad Neuenahr, 24. – 27. September 1952
Gerhardt Katsch war 1912 mit der Arbeit „Beitrag zum Studium der Magenmotilität“ promoviert
worden. Er erhielt im gleichen Jahr eine Stelle als Assistenzarzt bei Gustav von Bergmann in der
Medizinischen Klinik im Allgemeinen Krankenhaus Hamburg-Altona. Von 1914 bis 1917 nahm er
als Sanitätsarzt am Ersten Weltkrieg teil und wurde 1917 an der Philipps-Universität in Marburg,
wohin Bergmann gewechselt war, auf der Grundlage seiner bisherigen Publikationen habilitiert.
Katsch folgte von Bergmann 1920 an das Frankfurter Universitätsklinikum und war von 1926 bis
1928 ärztlicher Leiter der Abteilung für Innere Medizin am Hospital Zum Heiligen Geist in Frank-
furt. 1928 erfolgte die Berufung auf den Lehrstuhl für Innere Medizin der Universität Greifswald.
Die Greifswalder Medizinische Klinik leitete Katsch bis 1957.
Bereits Mitglied des Stahlhelm und des NS-Fliegerkorps beantragte er 1937 die NSDAP-Mitglied-
schaft, die er 1943 erhielt. Katsch versuchte, verfolgten jüdischen Mitarbeitern zu helfen, zum Bei-
spiel Heinrich Lauber und Alfred Lublin‚ soweit es ihm irgend möglich war. Mit Beginn des Zweiten
Weltkrieges wurde er Beratender Internist für den Wehrkreis II. An einem aktiven Kommando als
Sanitätsoffizier war er – militärisch orientiert – ausdrücklich interessiert. Ende April 1945 gehörte
Katsch zur Gruppe von drei Parlamentären, die mit Offizieren der Roten Armee die kampflose
Übergabe der Stadt Greifswald vereinbarten. In der späteren DDR arrangierte er sich mit der SED.
Katsch beschäftigte sich mit der Magenfunktion sowie mit der Motilität des Magen-Darm-
Traktes. Frühzeitig beschäftigte er sich mit der „Bauchfenstermethode“. Er führte einen quan-
titativen Magenfunktionstest ein, bei dem er nach Stimulation durch Coffein oder Histamin die
Säuresekretion bestimmte („kinetische Magenuntersuchung“). Später standen Probleme der
akuten und chronischen Pankreatitis im Vordergrund. Seine Initiativen zur Betreuung von Pa-
tienten mit einem Diabetes mellitus waren wegweisend. So wurde 1930 ein Diabetikerheim in
Garz auf Rügen eröffnet, in dem Diät, Insulin, körperliches Training und konsequente Schulung
wesentliche Elemente waren. 1947 realisierte Katsch in Karlsburg ein weiteres Diabetesinsti-
tut, das zum Zentralinstitut für Diabetesforschung der DDR wurde.
Für Katsch stellte die DGVS die gemeinsame Plattform für die Gastroenterologen aus der BRD
und der DDR dar. Seine Bemühungen, die Abspaltung der Endokrinologen aus der DGVS zu
verhindern, blieben letztlich erfolglos. Zu Ehrenmitgliedern der Gesellschaft gehörten 1952
Erich Grafe, Alfred Schittenhelm und Gustav von Bergmann. Frühere Ehrenmitglieder wie Is-
mar Boas, Max Einhorn, Abraham Hijmans van den Bergh wurden nicht erwähnt.
Vita
Wissenschaftliche
Schwerpunkte
Entwicklungen der
Gesellschaft während
der Präsidentschaft
Ausgewählte
Publikationen
Mit E. Borchers. Beiträge zum Studium der Darmbewegungen. I. Mittheilung. Das experimentelle Bauchfenster. Ztschr exp Path
Ther 1913; 12: 225-36.
Mit H. Kalk. Zum Ausbau der kinetischen Methode für die Untersuchung des Magenchemismus. II. Mitteilung. Klin Wochenschr
1925; 4: 2190-4.
Garzer Thesen. Zur Ernährungsführung der Zuckerkranken. Klin Wochenschr 1937; 16: 399-403.
Mit M. Gülzow. Die Krankheiten der Bauchspeicheldrüse, in: Handbuch der Inneren Medizin, 4. Aufl., Hg. G.v.Bergmann, W. Frey,
H. Schwiegk, 3. Band, 2. Teil, Berlin 1953, 295-528.
Mit H. Pickert, Die Krankheiten des Magens, in: Handbuch der Inneren Medizin, 4. Aufl., Hg. G.v.Bergmann, W. Frey, H. Schwiegk
3. Band 1. Teil, Berlin 1953, 172-941.
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