100 Jahre Kongress - DGVS - page 30

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Norbert Henning
Erlangen
* 1896 in Hundeshagen/Thüringen, † 1985 in Erlangen
18. Tagung
Bad Homburg v.d.H., 3. – 5. Oktober 1955
Norbert Henning war nach seinem Medizinstudium kurzzeitig Assistenzarzt in Karlsruhe und ar-
beitete von 1923 bis 1926 in Berlin bei dem Infektiologen Ulrich Friedemann am Rudolf-Virchow-
Krankenhaus sowie als Rockefeller-Stipendiat am Berliner Robert-Koch-Institut für Infektions-
krankheiten. Von 1927 bis 1936 war er in der Medizinischen Klinik der Universität Leipzig bei Paul
Morawitz tätig. Dort wurde er 1929 habilitiert. Henning gehörte seit dem 1. Mai 1933 als Mitglied
der NSDAP an, war Sturmbannarzt der SA und Sturmarzt beim NS - Fliegerkorps. Von 1936 bis
1949 leitete er die Medizinische Klinik am Stadtkrankenhaus Fürth. 1949 wurde Henning Direktor
der Medizinischen Universitäts-Poliklinik in Würzburg und von 1953 bis 1966 war er Ordinarius
für Innere Medizin und Leiter der Medizinischen Klinik der Universität Erlangen. Henning begrün-
dete die „Erlanger Schule“, die für bedeutsame Innovationen in der endoskopischen Diagnostik
und Therapie steht.
Zwischen 1936 und 1938 redigierte Henning das Boas-Archiv. In den 1950er und 1960er Jah-
ren engagierte er sich unermüdlich für die Belange der Gastroenterologie. 1962 war Henning
Präsident des 2. Weltkongresses für Gastroenterologie (WGO) in München. 1963 gründete er die
Zeitschrift für Gastroenterologie. 1967 rief er die Deutsche Gesellschaft für gastroenterologische
Endoskopie ins Leben.
Hennings Habilitationsarbeit „Die Bakterienbesiedlung des gesunden und kranken Magens“
wies auf den Schwerpunkt seiner Forschung hin, die sich mit den morphologischen, beson-
ders den entzündlichen Schleimhautveränderungen des Magens befasste. Gleichzeitig wid-
mete er sich in Leipzig der Technik der Gastroskopie und deren Weiterentwicklung; so hat er
frühzeitig mit einem Prototypen des semiflexiblen Gastroskopes von Rudolf Schindler prak-
tische Erfahrungen gesammelt. Seine Monographie „Entzündung des Magens“ basierte auf
1400 Gastroskopien, deren Befunde er mit Röntgenbildern und histologischen Befunden an
Magenresektaten verglich. Nach 1945 beschäftigte er sich u. a. mit der Weiterentwicklung
der Oesophagoskopie, Gastroskopie und Laparoskopie. Gemeinsam mit Klaus Heinkel stellte
er die Henning-Heinkel-Sonde zur blinden Biopsie im oberen GI-Trakt vor.
1954 verließen die Endokrinologen das „Dach“ der DGVS und gründeten mit der Deutschen
Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) eine eigene Fachgesellschaft. In seiner Eröffnungsre-
de zur 18. Tagung am Gründungsort der DGVS in Bad Homburg thematisierte Henning For-
schungsdefizite in der deutschen Gastroenterologie. Das Jahr 1933, die Folgen der NS-Politik
und das Schicksal der jüdischen Kollegen, von denen ihm zahlreiche durch die Kongresse und
durch das Boas-Archiv seit den 1920er Jahren bekannt waren, blieben unerwähnt.
Vita
Wissenschaftliche
Schwerpunkte
Entwicklungen der
Gesellschaft während
der Präsidentschaft
Ausgewählte
Publikationen
Ueber chronische Gastritis. Münch Med Wochenschr 1929; 76: 220-2
Erfahrungen mit dem flexiblen Gastroskop nach Wolf-Schindler. Münch Med Wochenschr 1932; 79: 1269-70.
Die Entzündung des Magens. Leipzig 1934.
Lehrbuch der Gastroskopie. Leipzig 1935.
Lehrbuch der Verdauungskrankheiten. Stuttgart 1949.
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