100 Jahre Kongress - DGVS - page 38

38
Gustav Adolf Martini
Marburg
* 1916 inMarienhöhe/Marianki, früheresWestpreußen, † 2007 inHamburg
26. Tagung
Stuttgart, 7. – 9. Oktober 1971
Gustav Adolf Martini wurde 1945 Assistenzarzt in der Medizinischen Universitätsklinik Hamburg–
Eppendorf bei Hans H. Berg, der Martini für sein Verständnis von klinischer Medizin, analytischem
Denken und wissenschaftlicher Arbeit nachhaltig prägte. In Hamburg wurde er 1953 habilitiert.
Ein Studienaufenthalt am Hammersmith Hospital London bei Sheila Sherlock fundierte Martinis
Interesse an der wissenschaftlichen Hepatologie. Bis 1963 war er als Oberarzt in der Hambur-
ger Klinik tätig. 1963 wurde Martini auf den Lehrstuhl für Innere Medizin und als Direktor der
Medizinischen Klinik der Philipps-Universität Marburg berufen. An der Marburger Klinik, der er
bis zu seiner Emeritierung 1981 vorstand, entstand ein profilierter gastroenterologischer und
hepatologischer Schwerpunkt. Zu Martinis Schülern zählen Wolfgang Dölle, Georg Strohmeyer,
Ernst-Otto Riecken und Harald Goebell, die seit den 1970er Jahren eigenständige Kliniken für
Gastroenterologie und Hepatologie in Tübingen, Düsseldorf, Berlin und Essen leiteten. Martini war
ein Vermittler der hepatologischen Wissenschaftsgemeinschaft. 1966 begründete er in Marburg
die European Association for the Study of the Liver (EASL). Seit 1957 war er als Nachfolger H. W.
Bansis Schriftführer der DGVS.
Martinis Schwerpunkt war die Hepatologie. Frühzeitig beschäftigte er sich mit Fragen der
akuten und chronischen Hepatitis und deren nosologischer Einordnung. Im Zentrum seines
Interesses standen die Pathophysiologie und der Stoffwechsel bei der Leberzirrhose. In Lon-
don arbeitete er zur Bakterienbesiedlung des Darmes bei chronischen Leberkrankheiten im
Zusammenhang mit der porto-systemischen Encephalopathie. In den 1960er Jahren etablier-
te er in „Der Internist“ in den jährlichen Dezemberheften Beiträge mit dem Titel „Was ist gesi-
chert in der Diagnostik und Therapie“ internistischer Erkrankungen, in dem Vorgehensweisen
kritisch hinterfragt wurden. 1967 hatte er in der Marburger Klinik medizinisch und organisa-
torisch das Problem einer zunächst ungeklärten, vielfach tödlich verlaufenden Viruserkran-
kung zu lösen. Gemeinsam mit Virologen und Hygienikern wurde die Genese dieser Erkran-
kung (Marburg Virus Disease) aufgeklärt.
Die Tagung erfolgte gemeinsam mit der Schweizerischen Gesellschaft für Gastroenterolo-
gie. Fortschrittsberichte fassten den aktuellen Wissensstand zusammen. Erstmals traf ein
Programmkomitee eine anonyme Auswahl der eingereichten Vortragsmanuskripte. Martini
konnte über eine Zunahme der Mitgliederzahl berichten, insbesondere den Neueintritt jünge-
rer Gastroenterologen. Unter Martinis Präsidentschaft wurde beschlossen, ab 1971 jährlich
DGVS-Tagungen durchzuführen, um dem raschen Fortschritt gerecht zu werden und ein gro-
ßes jährliches Forum zur Diskussion der Forschungsresultate zu ermöglichen.
Vita
Wissenschaftliche
Schwerpunkte
Entwicklungen der
Gesellschaft während
der Präsidentschaft
Ausgewählte
Publikationen
Mit J. Weidemann. Über experimentelle Aktivierung der alkalischen Serumphosphatase. Z gesamte exp Med 1952; 119: 89-110.
Mit G. Strohmeyer u. W. Dölle. Was ist gesichert in der Therapie der Leberkrankheiten Internist 1969; 10: 456-64.
Mit F G Lehmann. Alpha 1-fetoprotein. isolation and crystallization from human plasma. Clin Chim Acta 1971; 33: 197-206.
Mit Ch. Bode, Metabolic changes induced by alcohol. Berlin-Heidelberg 1971.
Mit R. Siegert, Marburg virus disease. Berlin-Heidelberg-New York 1971.
Als Hg. Medizin und Gesellschaft. Ethische Verantwortung und Ärztliches Handeln. Stuttgart-Frankfurt 1982.
1...,28,29,30,31,32,33,34,35,36,37 39,40,41,42,43,44,45,46,47,48,...98
Powered by FlippingBook