100 Jahre Kongress - DGVS - page 46

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Nepomuk Zöllner
München
* 1923 in Marktredwitz/Oberfranken
34. Tagung
Garmisch–Partenkirchen, 20. – 22. September 1979
Nepomuk Zöllner studierte während des Zweiten Weltkriegs, unterbrochen von Wehrdienst und
Kriegseinsatz, Medizin. Nach 1945 absolvierte er seine Pflichtassistentenzeit in Münchener Kli-
niken. Von 1948 bis 1950 und 1952/53 erhielt Zöllner seine ärztliche und biochemische Ausbil-
dung bei dem 1935 aus Deutschland vertriebenen Stoffwechselforscher Siegfried J. Thannhauser
(1885 – 1962) in Boston. Seit 1953 war er an der Medizinischen Poliklinik der Ludwig-Maximilians-
Universität München bei Walter Seitz tätig. 1954 für Innere Medizin habilitiert wurde Zöllner La-
borleiter und Oberarzt bei Seitz. Gleichzeitig arbeitete er in der Biochemie bei Feodor Lynen (1911
bis 1979), der über die Mechanismen und Regulierung des Cholesterin- und Fettstoffwechsels
forschte. 1960 erhielt Zöllner an der Münchener Universität eine apl. Professur. 1973 wurde er auf
den Lehrstuhl für Innere Medizin an der Medizinischen Universitäts-Poliklinik München berufen.
Die Klinik leitete er bis zu seiner Emeritierung 1993.
Vielfach geehrt war Zöllner u. a. Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Ernährung und
1985/86 der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin sowie Leiter der Kommission für Ernäh-
rungswissenschaft der DFG. Er ist Ehrenmitglied nationaler und internationaler wissenschaftli-
cher Gesellschaften. 1979 erhielt Zöllner den Bayerischen Verdienstorden, von 1982 bis 1986 war
er Vizepräsident der Universität München. Nach seiner Emeritierung übernahm er die Herausge-
berschaft für das European Journal of Medical Research.
Die Krankheiten des Fett- und Purinsäurestoffwechsels wurden von Zöllner neu und wegwei-
send mit einer neuen und selbst entwickelten Analytik bearbeitet. Dabei wurden der klassi-
schen Gicht Besonderheiten gegenübergestellt. Er zeigte die Abhängigkeit der Harnsäurebil-
dung von verschiedenen Purinverbindungen, speziell von der RNA und DNA. Bei der familiären
Hypercholesterinämie führte der große Unterschied in der Lebenserwartung der Homo- und
der Hetereozygoten zu genetischen Faktoren. Zöllner erkannte, dass grundsätzlich verschie-
dene Defekte ursächlich für das gleiche Krankheitsbild sein können.
In seiner Eröffnungsrede zur 34. Tagung stellte Zöllner differenzierte Überlegungen zur Kom-
plexität der Diagnose und der Therapie an. Ihm war es ein Anliegen, die Stoffwechselkrank-
heiten als eigenständig, getrennt von den Verdauungskrankheiten zu betrachten. Es ist ein
besonderes Verdienst, dass Zöllner frühzeitig und ausführlich auf das Schicksal Siegfried
Thannhausers hingewiesen hat.
Vita
Wissenschaftliche
Schwerpunkte
Entwicklungen der
Gesellschaft während
der Präsidentschaft
Ausgewählte
Publikationen
Hg.: Thannhausers Lehrbuch des Stoffwechsels und der Stoffwechselkrankheiten. 2. Aufl. Stuttgart 1957.
Mit D. Eberhagen. Untersuchung und Bestimmung der Lipoide im Blut. Berlin 1965.
Mit W. Gröbner (Hg.). Gicht. Berlin-Heidelberg-New York 1976.
Mit W. Hadorn (Hg.). Vom Symptom zur Diagnose. Lehrbuch der Diagnostik für Studenten, Allgemeinärzte und Fachärzte.
München 1979.
Hg.: Innere Medizin. Berlin-Heidelberg-New York 1991.
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