Ösophagus-/Magenkarzinom: Krankheitsprävention durch Cystein?

Karzinome des Ösophagus sowie des Magens sind nach wie vor eine signifikante Ursache für Mortalität. G. Murphy et al. haben untersucht, welcher Zusammenhang zwischen der Serumkonzentration der Aminosäure Cystein, die an zahlreichen immunmodulatorischen, antioxidativen und antikarzinogenen Stoffwechselvorgängen beteiligt ist, und dem Ösophagus- und Magenkarzinomrisiko besteht. Gut 2011; 60: 618–623

Innerhalb der in China durchgeführten Studie fanden 498 Plattenepithelkarzinome des Ösophagus (Oesophageal Squamous Cell Carcinomas, OSCC) sowie 255 Adenokarzinome im Bereich des Mageneingangs (Gastric Cardia Adenocarcinomas, GCA) Berücksichtigung.

Die Autoren „matchten“ die Patienten mit 947 Individuen einer größeren Kohorte nach Alter und Geschlecht. Die Studienteilnehmer waren zwischen 40 und 69 Jahre alt, die Intervention erstreckte sich von März 1986 bis Mai 1991. Auf Basis entnommener Blutproben erfolgte eine Bestimmung der Cystein-Konzentrationen im Serum.

Höhere Cystein-Spiegel reduzieren Erkrankungsrisiko
Die mittleren Cystein-Konzentrationen im Serum beliefen sich auf 196 nmol/ml, geschlechtsspezifische Unterschiede traten nicht auf. Mit zunehmendem Alter nahmen die mittleren Cystein-Konzentrationen zu, und zwar von 188 nmol/ml bei den unter 50-Jährigen über 203 nmol/ml bei den 50–60-Jährigen auf 212 nmol/ml bei Personen, die das 60. Lebensjahr überschritten hatten.

Höhere Cystein-Konzentrationen im Serum waren signifikant mit einem niedrigeren Risiko für OSCC und GCA assoziiert. Bei Patienten, die sich hinsichtlich der Cystein-Konzentrationen im höchsten Quartil befanden, betrugen die multivariaten Hazard Ratios (HR) im Vergleich zu Patienten im niedrigsten Quartil 0,70 (95 %-Konfidenzintervall [KI] 0,51– 0,98) für OSCC und 0,59 (95 %-KI 0,38– 0,91) für GCA.

Diese Assoziationen erwiesen sich als dosisabhängig (p für Trend = jeweils 0,006 und 0,008). Bei älteren Patienten die inverse Assoziation für beide Tumorarten stärker ausgeprägt, andere Risikofaktoren beeinflussten diese nicht signifikant.

Fazit
Höhere Cystein-Konzentrationen im Serum reduzieren das Risiko, an OSCC und GCA zu erkranken, um jeweils 30 % und 40 %. Nach Meinung der Autoren sollten zukünftige Untersuchungen klären, ob Cystein möglicherweise als chemopräventive Substanz bei Karzinomen des oberen Gastrointestinaltrakts geeignet ist.


Zusammengefasst von Dr. Frank Lichert, Weilburg, in der Zeitschrift für Gastroenterologie September 2011