Hepatitis C: Insulinresistenz assoziiert mit Low-Density Lipo-Viral- Particles (LVP)

Die Dichte der Hepatitis-C-RNA enthaltenden Partikel im Plasma von chronisch infizierten Patienten ist aufgrund der Bindung an unterschiedliche Lipoproteine heterogen. Eine Arbeitsgruppe aus Großbritannien untersuchte den Zusammenhang zwischen Insulinresistenz, die sich in anderen klinischen Studien als ungünstiger prognostischer Faktor für den Verlauf einer Hepatitis C erwiesen hatte, und dem Anteil der LVP an der Gesamtmenge der an Lipoproteine gebundenen Hepatitis-C-RNA. Gut 2011; 60: 680–687

Bridge et al. erstellten bei 51 Patienten mitchronischer Hepatitis C mit dem Genotyp 1 Nüchternproflile der mit Hepatitis-C Partikeln assoziierten Lipoproteine. Dazu verwendeten sie die Methode der Dichtegradienten- Bestimmung durch Iodixanol-Ultrazentrifugation. Als LVP definierten die Autoren die mit Lipoprotein assoziierte HCV-RNA-Fraktion mit einer Dichte < 1,07 g/ml. Die Fraktion > 1,07 g/ml wurde als Non-LVP bezeichnet. Als LVPRatio definierten die Autoren den Anteil von LVP an der Gesamtmenge (LVP + Non- LVP). LVP enthalten definitionsgemäß mindestens Apolipoprotein B, HCV-RNA und Core-Protein.

Weiterhin wurden in der Patientenkohorte Alter, Body-Mass-Index, Taillen- und Hüftumfang, Cholesterin (einschließlich HDL, LDL), Triglyceride, nicht veresterte Fettsäuren, Apolipoprotein A-I und B, Nüchtern-Glukose sowie die Insulinresistenz nach HOMA-IR bestimmt. Die Lebersteifigkeit der Patienten wurde nicht invasiv mittels Elastografie ermittelt.

Die Variabilität der LVP-Ratio war sehr hoch; die Bandbreite der ermittelten Werte reichte bis zum 25-Fachen. In der multivariaten Analyse zeigten sich Insulinresistenz und Dyslipidämie als Determinanten für eine erhöhte LVP-Ratio im Nüchternplasma der Patienten. Eine hohe LVP Ratio korrelierte außerdem mit einem erhöhten Risiko für ein Nichtansprechen auf eine antivirale Therapie und eine vermehrte Lebersteifigkeit.

Nach Ansicht der Autoren könnte die Messung der LVP-Ratio zusätzlich zur Messung der Viruslast prognostische Aussagen zum Verlauf der Erkrankung ermöglichen. Die LVP-Ratio könnte auch innerhalb klinischer Studien verwendet werden, in denen es um die Auswahl von Patienten geht, die von einer Insulin-sensibilisierenden oder Lipid-modulierenden Therapie profitieren könnten.

Fazit
Patienten mit chronischer Hepatitis C bilden vermehrt LVP, wenn eine Insulinresistenz vorliegt. Möglicherweise handelt es sich hierbei um den Mechanismus, über den Therapieresistenz gegenüber antiviralen Medikamenten und intensivere Leberschädigung bei HCV-infizierten Patienten mit Insulinresistenz vermittelt werden.


Zusammengefasst von Dr. Katharina Franke, Darmstadt, in der Zeitschrift für Gastroenterologie September 2011