Rektumkarzinom: Lymphknotenstatus nach neoadjuvanter Radiotherapie als Prognosemarker


Bei der Behandlung des lokal fortgeschrittenen Rektumkarzinoms hat sich die präoperative Radio(chemo)therapie gegenüber der postoperativen Variante als bevorzugte Bestrahlungsmodalität durchgesetzt. Hinweise, dass der Lymphknotenstatus (ypN) nach vorausgegangener Bestrahlung Rückschlüsse auf die Prognose zulässt, werden durch die aktuellen Ergebnisse einer US-Studie am M.D. Anderson Cancer Center der Universität Texas, Houston, gestützt. Cancer 2009; 115: 5432–5440.


G. Chang et al. haben anhand des SEER (Surveillance Epidemiology and End Results)-Programms des National Cancer Institute, das Daten aus 18 US-Krebsregistern sammelt und ca. 26 % der Bevölkerung umfasst, insgesamt 23 809 Rektumkarzinompatienten erfasst. Alle Patienten waren zwischen 1991 und 2004 radikal operiert worden. 5367 Patienten waren vor der Operation bestrahlt worden, 7146 nachher. In den übrigen Fällen war keine Radiotherapie erfolgt (SEER-Register speichert keine Angaben zur Chemotherapie). Die Bestrahlungsgruppen wurden unter Berücksichtigung des Lymphknotenstatus im Hinblick auf das Gesamt und das krebsspezifische Überleben verglichen.

ypN+-Stadium mit Überlebensnachteilen assoziiert
Wie die univariate Analyse zeigte, hatten präoperativ bestrahlte Patienten im N0- Stadium ein besseres Gesamt- und krebsspezifisches Überleben als postoperativ bestrahlte Patienten im N0-Stadium. Lag dagegen ein N1-Stadium vor, wiesen präoperativ bestrahlte Patienten ein höheres
Sterberisiko auf (krebsbezogenes 5-Jahres-Überleben: 66 vs. 71 %). Beim N2-Stadium spielte der Zeitpunkt der Radiotherapie keine Rolle mehr (krebsbezogenes 5-Jahres-Überleben: 44 vs. 48 %). Nach Einrechnung verschiedener Einflussfaktoren ergab die multiple Regressionsanalyse, dass ein ypN+-Stadium nach präoperativer Radiotherapie mit einem erhöhten allgemeinen (21 %) und einem erhöhten krebsspezifischen Sterberisiko (23 %) verbunden ist.

Fazit
Der histopathologische Nachweis von persistierenden Lymphknotenmetastasen (ypN+) nach neoadjuvanter Radiotherapie eines lokal fortgeschrittenen Rektumkarzinoms ist mit einer schlechten Prognose assoziiert. Um die Behandlung dieser Hochrisikopatienten zu verbessern, fordern die Autoren weitere Therapiestudien mit neuen multidisziplinären Ansätzen.

 

Zusammengefasst von Renate Ronge, Münster
in der Zeitschrift für Gastroenterologie Mai 2010