Pankreaskopfkarzinom: Präoperative biliäre Drainage erhöht Komplikationsrate

Bei Patienten mit resektablem Pankreaskopfkarzinom und Ikterus wird in vielen Zentren üblicherweise präoperativ eine biliäre Drainage angelegt, da man bisher davon ausging, dass hierdurch die Rate der postoperativen Komplikationen gesenkt werden kann. Allerdings fanden sich jetzt in 2 Metaanalysen und in einem systematischen Review Hinweise darauf, dass die Gesamtkomplikationsrate durch die präoperative Intervention erhöht wird. Eine niederländische Arbeitsgruppe untersuchte den Zusammenhang in einer randomisierten Multicenterstudie. N Engl J Med 2010; 362: 129–137.

Van der Gaag et al. nahmen in ihre Untersuchung zwischen November 2003 und Juni 2008 insgesamt 202 Patienten mit resektablem Pankreaskopfkarzinom und einem Serumbilirubinspiegel von 2,3–14,6 mg/dl auf. Die Patienten waren im Mittel 64,7 Jahre alt, 60 % waren männlich. Es wurde eine Randomisierung in 2 Therapiegruppen vorgenommen: 96 Patienten sollten direkt operiert werden, 106 Patienten präoperativ eine biliäre Drainage erhalten und nach 4–6 Wochen operiert werden. Die Anlage der biliären Kunststoff-Drainage erfolgte jeweils nach Möglichkeit endoskopisch, sonst perkutan. Als primären Endpunkt der Studie legten die Autoren das Auftreten von Komplikationen in einem Zeitintervall von bis zu 120 Tagen nach der Randomisierung fest. Komplikationen umfassten dabei alle zusätzlich zur Stent-Implantation bzw. zur Operation notwendigen medizinischen, endoskopischen oder chirurgischen Maßnahmen, die zu einer Verlängerung des Krankenhausaufenthaltes, zu einer erneuten stationären Aufnahme oder zum Tod führten.

Die Erfolgsrate der Stent-Implantationen lag insgesamt bei 94 %
Von den 202 in die Studie aufgenommenen Patienten mussten nachfolgend 6 Patienten wieder ausgeschlossen werden; deren Daten gingen nicht in die Analysen ein. Die Anlage einer präoperativen Drainage war bei 75 % der dafür vorgesehenen Patienten beim ersten Versuch erfolgreich.

Bei den Patienten, bei denen die Drainagenanlage zunächst scheiterte, konnte zumeist im zweiten Versuch ein Stent implantiert werden; insgesamt belief sich die Erfolgsrate der Stent-Implantationen auf 94 %. In der Gruppe der direkt operierten Patienten lag die Rate der Komplikationen bei 39 % und in der Gruppe der Patienten, die präoperativ mit einem biliären Stent versorgt wurden, bei 74 %.


Am häufigsten kam es zu
Cholangitiden

Komplikationen nach Anlage der biliären Drainage traten bei 46 % der Patienten auf; am häufigsten kam es zu Cholangitiden. Nach der Operation erlitten 37 % der direkt operierten Patienten und 47 % der präoperativ interventionell versorgten Patienten Komplikationen. Die Letalität und die Länge der Krankenhausaufenthalte unterschieden sich in beiden Therapiegruppen nicht signifikant.


Fazit

Die präoperative Anlage eines biliären Kunststoffstents ist bei Patienten mit Pankreaskopfkarzinom und Ikterus im Vergleich zur direkten Operation mit einer erhöhten Gesamtkomplikationsrate assoziiert. Die Autoren weisen darauf hin, dass bei Notwendigkeit einer präoperativen biliären Drainage, wie z. B. bei Durchführung einer neoadjuvanten Chemotherapie, die Einlage von Metallstents erwogen werden könnte.

 

Zusammengefasst von Dr. Katharina Franke, Darmstadt in der Zeitschrift für Gastroenterologie
Mai 2010