Morbus Crohn: Fünf Bakterienspezies definieren Dysbiose

Patienten mit Morbus Crohn weisen ein gestörtes Gleichgewicht zwischen verschiedenen Bakterienarten des Darms auf. Eine systematische Beschreibung dieser Dysbiose steht allerdings noch aus. M. Joossens et al. haben in einer Studie die Zusammensetzung der Darmbakterien bei Morbus Crohn-Patienten, deren Verwandten sowie gesunden Personen untersucht und die Ergebnisse verglichen. Gut 2011; 60: 631–637

Die Studie aus Belgien konzentrierte sich auf Familien, die mindestens 3 Fälle von Morbus Crohn aufwiesen. Für ihre Analyse standen den Autoren Fäkalproben von 68 Morbus Crohn-Patienten, 84 nicht erkrankten Verwandten sowie 55 gematchten Kontrollen zur Verfügung. Es erfolgte eine Isolierung der bakteriellen DNA mit anschließender Polymerase-Kettenreaktion (PCR). Die benutzten Primer waren spezifisch für die hypervariable V3-Region des 16S-rRNA-Gens. Um mögliche mikrobielle Charakteristika von Morbus Crohn zu identifizieren, wurde ein „Fingerprinting“ unter Verwendung der denaturierenden Gradienten-Gelelektrophorese (DGGE) durchgeführt. „Real-Time- PCRs“ dienten dazu, Unterschiede bei den vorherrschenden Bakterienspezies zu bestätigen bzw. zu quantifizieren.

Charakteristische Dysbiose
Morbus Crohn ging mit einer charakteristischen Dysbiose einher, an der 5 Bakterienspezies maßgeblich beteiligt waren. Die Autoren stellten bei Morbus Crohn-Patienten ein vermindertes Auftreten der Bakterien Dialister invisus (p = 0,04), Clostridium cluster XIVa (nicht charakterisierte Spezies, p = 0,03), Faecalibacterium prausnitzii (p < 1,3 x 10–5) und Bifidobacterium adolescentis (p = 5,4 x 10–6) sowie ein verstärktes Auftreten von Ruminococcus gnavus fest (p = 2,1 x 10–7).
 

Diese gestörte Zusammensetzung der Darmbakterien fand sich bei gesunden Verwandten von Morbus Crohn-Patienten nicht wieder, und dies trotz eines gemeinsamen genetischen Hintergrunds und vergleichbaren Ernährungsgewohnheiten. Im Vergleich zu den gesunden Kontrollen wiesen diese Personen weniger Collinsella aerofaciens (p = 0,004) und mehr Ruminococcus torques (p = 0,02) auf. Ein Mitglied der Escherichia-coli-Shigella-Gruppe (p = 0,01) war bei den Verwandten von Morbus Crohn-Patienten seltener vertreten.

Fazit
Bei Morbus Crohn-Patienten wird die vorliegende Dysbiose von 5 Bakterienspezies definiert, so das Ergebnis der Studie. Diese krankheitsspezifische Zusammensetzung der Darmbakterien ist bei gesunden Verwandten von Morbus Crohn-Patienten nicht feststellbar.
Verwandte wiederum haben eine andere Zusammensetzung der Darmbakterien als gesunde Kontrollpersonen.
Die Autoren vermuten, dass die verstärkte Fähigkeit von Darmbakterien zum Muzinabbau die krankheitsspezifische Dysbiose sowie Morbus Crohn begünstigt.


Zusammengefasst von Dr. Frank Lichert, Weilburg, in der Zeitschrift für Gastroenterologie September 2011