Klug entscheiden Kampagne

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Auch die Gastroenterologen haben „Klug entscheiden“-Empfehlungen erarbeitet. Eine davon: Patienten, die an der Koloskopie-Vorsorge teilnehmen, brauchen keine zusätzliche Untersuchung auf okkultes Blut im Stuhl.

Die Zahl der gastroenterologischen Patienten steigt – sowohl im ambulanten als auch im stationären Bereich. Allein im Krankenhaus werden in Deutschland jährlich etwa 2 Millionen Menschen mit Krankheiten der Verdauungsorgane behandelt. Insbesondere die chronischen Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes, der Leber und der Bauchspeicheldrüse sind mit einer erheblichen Morbidität und Mortalität belastet und verursachen eine halbe Million Krankenhausbehandlungen jährlich. Der wachsende Versorgungsaufwand wird begleitet von medizinischen Innovationen, die das Gesundheitssystem zusätzlich belasten aber auch entscheidende Verbesserungen für die Patienten bringen können.

Die DGVS erarbeitet seit vielen Jahren evidenzbasierte, interdisziplinäre Leitlinien nach hohem wissenschaftlichen Standard mit dem Ziel die Versorgung der gastroenterologischen Patienten sicherzustellen und zu verbessern. In den Leitlinien werden bereits die diagnostischen und therapeutischen Bereiche definiert, in denen Versorgungsdefizite im Sinne einer Über-, Unter- oder Fehlversorgung bestehen. Die DGVS beteiligt sich an der Initiative „Klug entscheiden“, weil diese geeignet ist, die Verbreitung von Leitlinienempfehlungen zu fördern. Bei der Auswahl der „Klug entscheiden“-Empfehlungen aus bestehenden Leitlinien hat die DGVS die Kriterien Versorgungsrelevanz, Klarheit und Evidenzbasis besonders berücksichtigt. Eine zentrale Rolle im Entstehungsprozess der Empfehlungen kam den DGVS-Leitlinienkoordinatoren zu.

Positive Empfehlungen

  1. Das obligate Monitoring während der Sedierung in der Endoskopie soll die Pulsoxymetrie und die Blutdruckmessung beinhalten.
  2. Nach R0-Resektion bei Patienten mit Pankreaskarzinom im UICC-Stadium I-III soll eine adjuvante Chemotherapie durchgeführt werden.
  3. Allen Patienten mit einer Hepatitis-C-Virusassoziierten Leberzirrhose (inklusive aller Patienten mit Leberzirrhose nach erfolgreicher HCV-Eradikation), Patienten mit chronischer Hepatitis B und Fettleberhepatitis sollte eine Früherkennungsuntersuchung (Sonographie der Leber) angeboten werden, sofern sie im Falle des Auftretens eines hepatozellulären Karzinoms (HCC) einer Therapie zugeführt werden können.
  4. Patienten mit Morbus Crohn, die rauchen, sollen zu Abstinenz von Tabak angehalten werden.

Negative Empfehlungen

  1. Bei Personen, die an der Koloskopie-Vorsorge/Früherkennung entsprechend der Krebsfrüherkennungs-Richtlinie (KFE-R) teilnehmen, soll keine zusätzliche Untersuchung auf fäkales okkultes Blut (FOBT) erfolgen.
  2. Acetylsalicylsäure beziehungsweise COX-2-Hemmer sollen nicht zur Primärprävention des kolorektalen Karzinoms in der asymptomatischen Bevölkerung eingenommen werden.
  3. Die asymptomatische Cholezystolithiasis soll in der Regel nicht operativ behandelt werden.
  4. Bei Patienten mit gutartigen Läsionen der Leber soll in der Verlaufsbeobachtung auf die Computertomographie oder Magnetresonanztomographie verzichtet werden, solange keine Änderung der klinischen Symptome oder Befunde vorliegt.
  5. Bei Patienten mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (M. Crohn, Colitis ulcerosa) soll eine langfristige systemische Kortikosteroidtherapie als Rezidivprophylaxe nicht durchgeführt werden.