Nutzen und Potential der Künstlichen Intelligenz für die Gastroenterologie

Erster DGVS KI-Workshop fand statt

 

Künstliche Intelligenz (KI) hat in den letzten Jahren große Fortschritte gemacht und verändert unser tägliches Leben. Im medizinischen Bereich zeigt die KI eine dem Menschen ebenbürtige Fähigkeit in Bezug auf spezifische Fragestellungen. Die Gastroenterologie übt hier eine Vorreiterrolle aus. Eine eigene KI zur Polypendetektion wird mittlerweile von fast allen Endoskopherstellern kommerziell angeboten und hat Einzug in die tägliche Praxis gehalten. Grundlage dafür sind randomisierte Studien, die eine durch die KI signifikante Erhöhung der Adenomdetektionsrate zeigen.

Trotz zunehmender Datengrundlage sind viele der Studien noch monozentrisch. Ebenfalls können Ärzt*innen bislang wenig Einfluss auf die proprietären KI-Algorithmen ausüben. Dabei ist das Trainieren eines eigenen KI-Modells deutlich einfacher geworden und erfordert immer weniger Programmierkenntnisse. Die zugrundeliegenden Daten sind in den meisten Zentren bereits vorhanden.

Mit dem Ziel der Vernetzung und Förderung von Ärzt*innen, die sich durch Programmierfähigkeiten hervortun, hat die DGVS einen “Hands-on-Workshop Künstliche Intelligenz in der Gastroenterologie” angeboten. Dieser fand unter der Leitung von Prof. Jakob Kather, Nora Martens und Dr. Alexander Hann am 6. und 7. Mai 2022 in Berlin statt. Die Teilnehmenden repräsentierten zehn verschiedene Zentren aus dem deutschsprachigen Raum. Bei der Veranstaltung konnten die Teilnehmenden unter anderem ein eigenes KI-Modell zur Polypendetektion und eine zur objektiven Einschätzung des endoskopischen Entzündungsgrades bei chronischen Darmerkrankungen erstellen. Es gab einen regen Austausch über Möglichkeiten und Herausforderungen, denen die Teilnehmenden in ihrer täglichen Praxis begegnen. Dabei ging es um den Umgang mit Daten, das Planen von Studien und die Vernetzung zur erfolgreichen Umsetzung von Projekten im KI-Bereich.

Konkrete Projekte wurden noch vor Ort besprochen und deren Umsetzung begonnen. Der unmittelbare Nutzen spiegelte sich in die durchweg positiven Rückmeldungen wider. Wir hoffen, durch solche Veranstaltungen die Forschung im Bereich der Digitalisierung der Gastroenterologie im deutschsprachigen Raum zu fördern.

 

Autor*innen:

Prof. Dr. med. Jakob Niklas Kather, Else Kröner Fresenius Zentrum für Digitale Gesundheit, Technische Universität Dresden, Dresden

Nora Martens, Medizinische Klinik I, Fachbereich Gastroenterologie und Hepatologie, Universitätsklinikum Carl Gustav Carus, Dresden

PD Dr. med. Alexander Hann, Medizinische Klinik und Poliklinik II, Interventionelle und Experimentelle Endoskopie (InExEn), Universitätsklinikum Würzburg, Würzburg.