Endoskop-Diebstähle in Deutschland – Tipps zur Schadensprävention 2017

Autoren: Stephan Hollerbach, Martin Götz, Albin Lütke, Till Wehrmann, Vorstand und Beirat der Sektion Endoskopie, DGVS

In Deutschland sind seit dem Jahr 2015 zahlreiche Endoskopie-Abteilungen und auch gastroenterologische Fach-Praxen ausgeraubt worden (siehe einschlägige Medien-Berichterstattung einschließlich der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY“ vom Juli d. J.). Zumeist drangen dabei Täter mit offensichtlichem Fachwissen und technischer Expertise über unzureichend gesicherte Zugangswege in Endoskopie-Abteilungen ein und stahlen zahlreiche neue Endoskope, in erster Linie fabrikneue Geräte der Fa. Olympus aus deren 190-iger Serie. In anderen Fällen wurden auch Endoskope der Firmen Fuji und Pentax entwendet, zuweilen geschah der Diebstahl sogar während der Öffnungszeiten, bei laufendem Betrieb, während des Tages (z.B. in der „blauen Stunde“ des Endoskopie – Personals um die Mittagszeit).  Bei diesen Einbrüchen wurden zumeist neuwertige Endoskope (v.a. Gastroskope, Koloskope und Duodenoskope) im Wert von bis zu € 750.000 entwendet, was dann unmittelbar den laufenden Patientenbetrieb in Kliniken und Praxen erheblich limitiert. Im Falle einer gastroenterologischen Praxis mussten die Inhaber ca. €100.000 aus ihrem jeweiligen Privatvermögen aufwenden, um den Betrieb zu sichern. In anderen Fällen konnten Ersatz-Endoskope nur sehr schleppend beschafft werden, da die Leihbestände der Firmen häufig deutlich limitiert sind – und vorwiegend für Nutzer mit einem Service-Vertrag eingesetzt werden.

Auffällig ist bei zahlreichen Diebstählen, dass die Täter offensichtlich genau über Ort und Zeitpunkt der Anlieferung neuester Geräte informiert waren: z.T. wurden noch unbenutzte, neueste Endoskope entwendet, die sich noch in der Liefer-Verpackung befanden. Andere Endoskope wurden aus der gerade mit dem Waschgang fertigen Waschmaschine entwendet. Daher wuchern derzeit die Spekulationen, ob manche Täter vielleicht Informanten bei Endoskop-Herstellern haben, ob „Hacker“ die Lieferpläne der Hersteller angezapft haben, ob ehemalige Endoskopie-Mitarbeiter unter den Tätern sind usw. Klare Erkenntnisse dazu gibt es unserer Kenntnis nach nicht, wir möchten uns daher an diesen Spekulationen nicht beteiligen.

Tatsache ist, dass viele Endoskopiker und deren Teams sowie die Verwaltungen immer noch wenig über diese Vorgänge wissen, die Abwehrmaßnahmen – wenn überhaupt! – örtlich sehr unterschiedlich und z.T. unkoordiniert ausfallen und die Täter immer noch leichtes Spiel haben könnten. Die Industrie hingegen hat nach unserem Wissensstand auch noch nicht merklich auf diese andauernde Bedrohung reagiert.

Aus diesen Gründen hat die Sektion Endoskopie der DGVS am 13.09.2017 in Dresden getagt und dabei dieses wichtige Thema beleuchtet. Im Ergebnis wurde beschlossen, dieses „Präventions-Papier“ herauszugeben, an dem sich alle Kolleginnen und Kollegen orientieren können, die aktiv zur Schadensverhütung bei sich beitragen möchten. Die folgenden Kurz-Tabellen sollen Ihnen dabei eine Hilfe sein, die Sie sogleich anwenden und einsetzen können.

Wichtige Fragen zur Schadens-Prävention

  • Besteht eine örtliche Geräte-Versicherung für die Endoskope?
  • worauf erstreckt sich genau die Police?
  • besteht der Schutz auch bei offenen Türen während des laufenden Betriebs?
  • welche Geräte sind versichert?
  • wieviel Eigen-Beteiligung besteht dabei?
  • welche Sicherungs-Maßnahmen sind darin gefordert?
  • gibt es ein Geräte-Ausfall-Konzept (z.B. Versorgungsvertrag mit Ausfall-Garantie)?
  • Hat die Klinik / Praxis eine kompetente Sicherungs-Begehung durchgeführt?
  • Sind dabei Schwachstellen erkannt / beseitigt worden?

Tipps zur Schadens-Prävention

  • Informieren Sie Ihre Klinikverwaltung / MVZ-Leitung / Praxiskollegen über die Dimension des Problems
  • Bilden Sie einen ad-hoc Ausschuss zur Problem-Behebung (z.B. Arzt, Teamleitung, Sicherheits-Beauftragter, Versicherungs-Kontaktperson, ggf. Gewerbe-Aufsicht)
  • Schulen Sie Ihre Mitarbeiter in Präventiv-Maßnahmen (z.B. Ansprechen jeder nicht bekannter Personen, Überprüfung von „echten“ Lieferscheinen, ggf. Test-Begehungen oder Test-Diebstähle)
  • Überprüfen Sie die Zeiten, wenn „Ihre Endoskopie“ offen steht, ohne dass aufmerksame Mitarbeiter den Zugang kontrollieren können – und passen Sie ggf. die Team-Organisation diesen Schwachstellen an (personell, technisch)
  • Laden Sie einen Berater der (über-)örtlichen Kriminalpolizei ein, der eine Sicherheits-Begehung mit Ihrem Ausschuss zur Schwachstellen-Analyse  durchführt
  • Besprechen Sie dabei angemessene Schutzeinrichtungen für den Endoskopie-Lagerraum und die Spüle (z.B. Transponderzugänge mit täglich neu zu aktivierenden Schlüsseln, überschaubarer registrierter Personenkreis <15 Personen, Fenster-Sicherung für Außenzugänge, Zugangs-Türen-Sicherungen, ggf. Alarmanlage). Sogenannte „Waffenschrank-Sicherungen“ für die Endoskope können ebenfalls geprüft werden, v.a. die Hygiene ist dabei aber ein mögliches Problemfeld
  • Stimmen Sie alle Maßnahmen mit Ihrem Versicherungs-Unternehmen im Detail ab, um Kosten zu vermeiden und die Rückversicherung genau zu klären Insbesondere im Bereich der niedergelassenen Praxis kann es dabei Probleme geben, wenn z.B. alle Geräte (einschl. Altgeräte) versichert sind. Im Extremfall (der in einer Praxis bereits eingetreten ist) bezahlt dann der Versicherer nur einen kleinen Teil der entwendeten Gerätschaften.  Daher sollte jede einzelne Police im Individualfall einzeln für diesen speziellen Schadensfall geprüft werden.
  • Prüfen Sie Ihre örtlichen Möglichkeiten, rasch Ersatzgeräte im Schadensfall zu erhalten, am besten durch persönliche Kommunikation mit Ihrem Geräte-Partnerunternehmen

Anregungen an die Geräte-Industrie zur Schadens-Prävention

  • Einbringung von Sende-Chips in die Endoskopie-Geräte zur raschen Auffindung bzw. Verfolgung gestohlener/verlorener Endoskope
  • Überprüfung der IT-Sicherheit der Firmen insbesondere im Bereich der Lieferinformationen
  • Bonitätsprüfung der Mitarbeiter in den Geräte-Betrieben (z.B. Schufa-Auskunft)
  • Vergabe von Lieferservice-Aufträgen ausschließlich an zertifizierte bzw. Sicherheits-überprüfte Sub-Unternehmer

Fazit

Eine hundertprozentige Absicherung einer Endoskopie-Einrichtung gegen Diebstähle ist sicherlich nicht möglich, da es sich vielfach um hochspezialisierte Täterbanden aus dem In- und Ausland handelt, die typische Abläufe und Schwachstellen in Klinik und Praxis gut kennen. Dennoch ist man nicht wehrlos und kann sofort etwas unternehmen, um zumindest die Schwelle für „Trittbrettfahrer“ und weniger spezialisierter Diebe deutlich zu erhöhen.

Die beste Prävention sind sicherlich aufmerksame und geschulte Mitarbeiter, aber auch die Umsetzung einiger bzw. aller oben aufgeführter Präventions-Maßnahmen. Jeder – wenigstens teilweise – verhinderte Diebstahl von Geräten spart Kosten, enormen Ärger und Auseinandersetzungen. Typische Argumente von „Bedenken-Trägern“, die Prävention „koste zu viel“, weswegen man gar nicht erst damit anfange, greifen sicher zu kurz und sind bei näherem Hinsehen individuell meist nicht haltbar. Natürlich beschäftigen sich Ärzte und Pflege lieber mit der Versorgung der uns anvertrauten Patienten, doch erfordert die außerordentliche Bedrohung auch besondere Anstrengungen.

Schließlich stärken alle gemeinsamen Anstrengungen, die eigene Abteilung bestmöglich zu schützen, den Teamgeist.

Schlusswort und Bitte um Mitarbeit

Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie weitere Informationen zu dem Thema, bessere Maßnahmen kennen und/oder Kritik oder Ergänzungen an diesem Positionspapier haben: bitte senden Sie diese an die Emailadresse cshollerbach@t-online.de (oder den Vorstand der Sektion Endoskopie der DGVS).

In diesem Sinne: „Endoskopieren Sie sicher…!“

Dresden, im September 2017
Prof. Dr. med. Stephan Hollerbach


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Zum Thema Juristische Fallstricke beim Versicherungsschutz siehe aktueller Artikel des BVGD