Die DGVS trauert um Prof. Dr. Michael P. Manns
Die DGVS gedenkt ihres Ehrenmitglieds und ehemaligen Präsidenten
Prof. Dr. Michael P. Manns
* 16. November 1951
† 15. August 2025
Mit tiefer Betroffenheit nimmt die DGVS Abschied von ihrem Ehrenmitglied und ihrem früheren Präsidenten, Prof. Dr. med. Michael P. Manns, der im Alter von 73 Jahren verstorben ist. Mit ihm verliert die Fachgesellschaft eine ihrer prägendsten Persönlichkeiten, die die Gastroenterologie und insbesondere die Hepatologie in Deutschland und weit darüber hinaus entscheidend gestaltet hat.
Prof. Manns war der DGVS über viele Jahrzehnte hinweg eng verbunden. Bereits 1989 übernahm er beim Kongress in Mainz das Amt des Kongresssekretärs, 1992 wurde er zum Ständigen Schriftführer gewählt. Seine organisatorische und wissenschaftliche Tatkraft prägte das Leben der Fachgesellschaft nachhaltig. Als Präsident der DGVS setzte er 2006 in Hannover einen entscheidenden Meilenstein. Er initiierte gemeinsam mit Prof. Dr. med. Heinz-J. Buhr den ersten gemeinsamen Kongress von Gastroenterologen und Viszeralchirurgen. Damit verlieh er dem Begriff der „Viszeralmedizin“ eine neue Bedeutung und stärkte die Zusammenarbeit beider Disziplinen nachhaltig. Für seine Verdienste und seine langjährige Verbundenheit mit der DGVS wurde er 2021 zum Ehrenmitglied ernannt.
Er bekleidete führende Positionen in zahlreichen weiteren Fachgesellschaften, darunter der Deutschen Arbeitsgemeinschaft zum Studium der Leber (GASL), der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) sowie der United European Gastroenterology (UEG) und hat so die Innere Medizin und die Gastroenterologie entscheidend geprägt.
Sein beruflicher Werdegang führte ihn nach dem Medizinstudium in Wien und Mainz sowie seiner klinischen Ausbildung in Berlin und Mainz für mehrere Jahre an die renommierte Scripps Clinic in La Jolla, USA. 1991 folgte er dem Ruf an die Medizinische Hochschule Hannover (MHH), wo er bis 2020 die Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Endokrinologie leitete. 2019 übernahm er das Amt des Präsidenten der MHH und trug in dieser Funktion Verantwortung für die gesamte Hochschule. Im April dieses Jahres erhielt er das Große Verdienstkreuz des Niedersächsischen Verdienstordens für seine herausragenden wissenschaftlichen Leistungen und seinen Beitrag zum Forschungsstandort Niedersachsen.
Wissenschaftlich war er international hochgeachtet. Sein Lebenswerk galt der Erforschung und Behandlung von Lebererkrankungen. Prof. Manns führte bahnbrechende klinische Studien zur Virushepatitis durch, die entscheidend zur Entwicklung neuer Therapiestandards beitrugen. Er leistete bedeutende Beiträge zum Verständnis autoimmuner Lebererkrankungen, prägte die Transplantationsmedizin und engagierte sich intensiv in der Erforschung des hepatozellulären Karzinoms sowie der gastrointestinalen Onkologie. Die von ihm initiierten Forschungsverbünde, darunter das Kompetenznetz Hepatitis und die Deutsche Leberstiftung, tragen seine Handschrift bis heute.
Neben seinen wissenschaftlichen Erfolgen war Prof. Manns ein Arzt mit besonderem Verantwortungsbewusstsein gegenüber seinen Patientinnen und Patienten. Kolleginnen und Kollegen schätzten ihn nicht nur wegen seiner fachlichen Expertise, sondern auch wegen seiner Menschlichkeit, seines integrativen Wesens und seiner Fähigkeit, Menschen und Ideen miteinander zu verbinden. Viele, die mit ihm gearbeitet haben, erinnern sich an seine außergewöhnliche Motivation, seine Unterstützung für jüngere Kolleginnen und Kollegen und seinen unermüdlichen Einsatz für den wissenschaftlichen Nachwuchs.
Mit Prof. Michael Manns verliert die DGVS einen herausragenden Wissenschaftler, Arzt und Gestalter, dessen Wirken weit über sein Leben hinaus Bestand haben wird. Er hat Maßstäbe gesetzt, die die moderne Gastroenterologie und Hepatologie auch in Zukunft prägen werden.
Die DGVS gedenkt Prof. Manns in Dankbarkeit und spricht seiner Familie und seinen Weggefährten ihr tiefes Mitgefühl aus.