Unsere Geschichte: Ein Überblick

Die Geschichte der DGVS beginnt mit einer “Ein-Mann-Aktion”: Ismar Boas eröffnete 1886 als erster “Specialarzt für Magen- und Darmkrankheiten” eine Praxis in der Berliner Friedrichstraße und etablierte auf diese Weise die Gastroenterologie. Frühzeitig verfolgte er die Idee einer wissenschaftlichen Gesellschaft für das neue Fachgebiet und eines Kongresses, bei dem die “wichtigsten Themata der Verdauungs- und Stoffwechselpathologie in Form von Referaten und Diskussionen behandelt werden sollten”. Die Vertreter der “Einheit der Inneren Medizin” lehnten zunächst ein organisatorisch eigenständiges Spezialfach ab. Boas hielt jedoch an seinen Initiativen konsequent fest. 1913 bildete sich ein erster Vorstand und Ausschuss; damit war die neue Fachgesellschaft begründet. Die primäre Aufgabe bestand in der Durchführung der “Ersten Tagung über Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten”, die im April 1914 in Bad Homburg mit großem Erfolg stattfand.

Unterbrochen durch den 1. Weltkrieg wurden die Tagungen erst 1920 fortgesetzt. Die Fortbildungskurse und Initiativen besonders der frühen Berliner Gastroenterologen um Ismar Boas, Albert Albu, Hermann Strauss und Theodor Rosenheim führten 1924 zur Einführung des Facharztes für Magen-, Darm- und Stoffwechselkrankheiten. 1925 erhielt die Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten anlässlich ihrer V. Tagung in Wien eine Satzung und eine Geschäftsordnung, ein Mitgliederverzeichnis sowie ein Generalsekretariat. Ismar Boas wurde wegen seiner Verdienste um die wissenschaftliche und organisatorische Fortentwicklung des neuen Faches Gastroenterologie zum ersten Ehrenmitglied der Gesellschaft gewählt. Bis 1930 stieg die Zahl der Mitglieder kontinuierlich auf nahezu 500. Die Fachgesellschaft verstand sich als interdisziplinär und als übernational / europäisch. Den Zusatz ‚Deutsch’ erhielt sie erst nach 1938.

Mit Beginn der NS-Diktatur 1933 veränderten sich die Rahmenbedingungen für die Fachgesellschaft drastisch. Die jüdischen Mitglieder wurden gezwungen, die Gesellschaft zu verlassen; damit verlor diese ein Viertel ihrer Mitglieder. Vier von sechs Vorstandsmitgliedern mussten im April 1933 wegen ihrer jüdischen Herkunft ihre Ämter niederlegen. Nur mit Mühe gelang der Erhalt der Gesellschaft.

Nach Ende des 2. Weltkrieges und den ersten fünf Nachkriegsjahren stellte das Jahr 1950 für die DGVS Neuanfang und Kontinuität zugleich dar. Die Kongresstradition wurde mit der XV. Tagung erneut aufgenommen, die Aktivitäten waren bestimmt durch die Bemühungen um die Wiedereinführung eines Facharztes für Gastroenterologie, um die Etablierung des Faches an den Universitätskliniken und in den großen städtischen Krankenhäusern und um die Wiederaufnahme internationaler Kontakte.