Vorstellung des Vorsitzenden der Sektion Endoskopie

Dr. med. Ulrich Rosien

Ulrich Rosien wurde am 14. Mai 1961 in Dortmund geboren, wo er auch aufwuchs, seine Schulzeit absolvierte und sein Abitur ablegte. 1980 nahm er als Stipendiat der Bischöflichen Studienförderung des Cusanuswerks das Studium der Humanmedizin auf, das er 1986 mit seiner Approbation als Arzt abschloss.

Bereits seine anspruchsvolle grundwissenschaftlich-experimentelle, mit „magna cum laude“ abgeschlossene Dissertation ließ seinen wissenschaftlichen Anspruch ebenso erahnen wie seinen besonderen „Biss“.

Seine umfassende klinische Aus- und Weiterbildung erwarb er (nach einjähriger Tätigkeit in Freiburg) am Zentrum für Innere Medizin des Universitätsklinikums Essen in den Jahren 1988 bis 1996, wo er durch alle wichtigen Abteilungen und Funktionen rotierte – und wo ich die Freude hatte, sein Oberarzt sein zu dürfen. Er stieß somit genau rechtzeitig zu unserem Team, um in die Vorbereitung des Jahreskongresses der DGVS 1990 in Essen eingespannt werden zu können. Diese Tagung unter der Präsidentschaft von Harald Goebell (die am 3. Oktober eröffnet wurde!) stand ja bekanntlich unter besonderen Vorzeichen, weil ihre Planung und Organisation im Wendejahr 1989/1990 fast täglich auf neue Entwicklungen und Probleme stieß. Es war für mich als Kongresssekretär eine enorme Hilfe, dass ich immer wieder auf Ulrich Rosiens organisatorische Fähigkeiten, Kreativität und Tatkraft zurückgreifen konnte.

Auch im klinischen Alltag stellte Ulrich Rosien ein weit überdurchschnittliches und rasch wachsendes fachliches Wissen ebenso unter Beweis wie ein besonderes Talent für technische Methoden – besonders für die Endoskopie, bei der er rasch eine eindrucksvolle Kompetenz demonstrierte. 1993 legte er die Facharztprüfung für Innere Medizin ab, 1995 erwarb er die Schwerpunktbezeichnung für Gastroenterologie.

Ich persönlich war schon früh beeindruckt von seinem großen Engagement, seiner wachen Intelligenz und nimmermüden Lust, sich in neue Probleme einzuarbeiten – und diese effizient und

mit großer Zähigkeit zu lösen. Zum Abschluss meiner Zeit in Essen war es für mich deshalb keine Frage, Ulrich Rosien als erstem vorzuschlagen, mit mir nach Hamburg ans Israelitische Krankenhaus zu wechseln – und ich war sehr zufrieden, dass er mein Angebot ohne Zögern annahm. Von vielen Entscheidungen, die ich in jener Phase treffen musste, erwies sich diese als eine meiner wichtigsten und besten.

Am Israelitischen Krankenhaus übernahm Ulrich Rosien von Anfang an die Funktion meines Leitenden Oberarztes, später des Leitenden Arztes in der Medizinischen Klinik als mein Vertreter, verbunden mit der besonderen Zuständigkeit für die Endoskopie, die er in kurzer Zeit zu einer der führenden Einheiten in der Region ausbaute. Es gelang ihm rasch, wichtige innovative Methoden zuerst bei uns als erster Klinik in Hamburg zu etablieren und bald auf höchstem Niveau zu beherrschen, so die Endosonografie, die Kapselendoskopie, die Doppelballonenteroskopie u. a. m.; und er spielte überdies eine tragende Rolle beim Auf- und stetigen Ausbau unserer Klinik in den darauffolgenden Jahren.

Weit darüber hinaus zählt Ulrich Rosien aber auch zu der relativ kleinen Gruppe der Gastroenterologinnen und Gastroenterologen, die herausragende endoskopische Expertise mit einem profunden, sowohl theoretischen wie praktischen, stets aktuellen und urteilssicheren Wissen am Krankenbett verbinden. Dies manifestiert sich in einer Fülle von Publikationen, Originalarbeiten, Übersichtsartikeln und Kommentaren zu unterschiedlichen, nicht auf endoskopische Themen beschränkte Fragestellungen in der Gastroenterologie.

Seine Begeisterung für klinische Themen zeigt sich auch darin, dass er ein leidenschaftlicher Lehrer ist, was sich nicht nur bei der Weiterbildung unserer Assistentinnen und Assistenten oder seinen exzellenten Fortbildungsvorträgen, sondern auch in seinem großen Engagement und seinem Herzblut für unsere seit Jahren gemeinsam editierten Lehrbücher der Gastroenterologie im Elsevier-Verlag zeigt. Gerade auch sein persönlicher Einsatz war dafür mitentscheidend, dass sich die „Praktische Gastroenterologie“ in 4 Auflagen als eines der wichtigsten Werke zur Prüfungsvorbereitung ebenso wie im klinischen Alltag bewährt hat. Das Gleiche gilt auch für die Folgewerke „Facharztwissen Gastroenterologie“ in 2 Auflagen, die „Facharztprüfung Gastroenterologie“ und den „Klinikleitfaden Gastroenterologie“. Unsere Zusammenarbeit zu dieser „Serie“ hatte noch in unserer Essener Zeit in den 90er-Jahren begonnen und war von Anfang an – und bis jetzt – ein Vergnügen und ein Gewinn. Erwartungsgemäß wertvoll und effizient war sein Beitrag als Kongresssekretär zur Vorbereitung und Durchführung des gemeinsamen DGVS-DGAV-Jahreskongresses „Viszeralmedizin 2012“ unter meiner Präsidentschaft.

Keineswegs unerwähnt bleiben darf aber seine ungewöhnliche Bereitschaft, sich mit großem Weitblick und geradezu freudig auch ebenso unbequemer wie relevanter Themen unseres Tuns anzunehmen und diese umzusetzen – und zwar mit unbändiger Tatkraft und pragmatischem Augenmaß, und stets nach höchstem Standard. So gelang es ihm beispielsweise eindrucksvoll, funktionierende Lösungen für lästige, aber alltägliche Fragen der Wirtschaftlichkeit, der Qualitätssicherung, der Umsetzung von Hygienevorgaben usw. zu erarbeiten und zu organisieren. Konsequenterweise leitet er nicht nur in unserem Haus schon seit vielen Jahren sowohl die Qualitätskommission als auch die Hygienekommission mit großem Erfolg; seit 2013 ist er ordentliches Mitglied der Arzneimittelkommission der Deutschen Ärzteschaft (AKDÄ), wo er seitdem kontinuierlich tätig ist. Seit 2016 ist er Mitglied des Kuratoriums Externe Qualitätssicherung (EQS) in Hamburg, und seit 2017 Mitglied der Expertengruppe „Off-Label-Use“ des Bundesministeriums für Gesundheit.

Besonders charakteristisch für seinen „Riecher“ und scharfen Blick für essenzielle Themen außerhalb des Rampenlichts – und für seine Durchsetzungskraft bei der praktischen Umsetzung – ist das „CIRS“-Endoskopie-Projekt der DGVS, das er 2017 nahezu einhändig als weltweit erstes nationales Endoskopie-CIRS initiiert und auf die Beine gestellt hat und das er seitdem erfolgreich leitet. „CIRS“, d. h. „Critical Incidence Reporting System“, hat sich seither zu einer der wichtigen qualitätssichernden Maßnahmen nicht zuletzt in der Endoskopie entwickelt.

Ulrich Rosiens Engagement für unsere Fachgesellschaft hat sich aber nicht auf dieses Thema beschränkt. So hat er maßgeblich an verschiedenen DGVS-Leitlinien, insbesondere im Bereich der Endoskopie, mitgearbeitet, so u. a. an der Terminologie-Leitlinie für die Gastrointestinale Endoskopie, der Qualitäts-leitlinie der Endoskopie und den Empfehlungen zur Antibiotika Prophylaxe in der Endoskopie, aber auch bei der S3-Leitlinie

„Helicobacter pylori/gastroduodenale Ulkuskrankheit“ und ihrer Revision als S2K-Leitlinie 2016. Auch in der DGVS erwies sich seine Unerschrockenheit vor „dornigen“ Themen, gerade auch in den schwierigen Jahren der Umstellung der Krankenhausfinanzierung auf DRGs, als äußerst hilfreich. In dieser Zeit leitete er für 6 Jahre unsere Kommission für Berufsfragen und hatte maßgeblichen Anteil daran, dass das Fach Gastroenterologie in den nachfolgenden Jahren auch finanziell zukunftsfest gemacht werden konnte.

Ulrich Rosien war darüber hinaus von 2004 bis 2009 und wieder von 2012 bis 2016 Mitglied des Beirats der Sektion Endoskopie. Mit seiner Wahl zum Sektionsvorsitzenden 2020/2021 hat die Mitgliederversammlung der DGVS einen besonders ausgewiesenen Repräsentanten und Verantwortlichen für das Jahresprogramm für diesen Bereich beim kommenden Kongress „Viszeralmedizin 2021“ gewählt, vor allem auch, weil er eben gerade nicht „nur“ ein (unbestreitbar exzellenter) Endoskopiker ist, sondern weit über den technischen Tellerrand hinaussieht – in das gesamte Feld (nebst Umfeld) der Gastroenterologie.

Es wird ein Genuss sein, die von ihm initiierten und organisierten, seine unverkennbare Handschrift tragenden Sitzungen im Kongress zu erleben. Einen ersten Vorgeschmack konnten wir ja bereits bei „seinen“ Symposien beim virtuellen DGVS-Kongress 2020 (Best of DGVS) bekommen. An dieser Stelle möchte ich auch einen persönlichen Aspekt unserer nun schon mehr als 30 Jahre andauernden Zusammenarbeit und kollegialen Freundschaft nicht unerwähnt lassen: Ich habe Ulrich Rosien immer als initiativen, kreativen, wachen Kopf, als proaktiven Erneuerer ebenso wie als kompetenten Mahner und als herausragenden Organisator – nicht zuletzt aber als geradlinigen, verlässlichen und stets konstruktiven Ansprechpartner bei den verschiedensten, auch schwierigen Fragen erlebt, mit dem ich in dieser ganzen Zeit stets harmonisch und ohne irgendeinen ernsthaften Dissens zusammengearbeitet habe. Dem kommenden Leipziger Kongress sehe ich auch aus diesem Grund mit großer Freude entgegen.

Peter Layer