DRG-Update Herbst 2019

Die Kommission für Medizinische Klassifikation und Gesundheitsökonomie der DGVS berichtet mit diesem Update über die Änderungen im deutschen DRG-System. Es ist wichtig, die dargelegten Änderungen in den Bereichen ICD und OPS in 2020 konsequent zu nutzen und die Kodierungen ab dem 01.01.2020 entsprechend anzupassen. Nur wenn dies geschieht,  werden diese auch erlös-relevant und nur dann kann eine leistungsgerechte Bewertung gastroenterologischer Leistungen realisiert werden.

Wichtig 2020

  • Polypektomie differenziert kodierbar
  • Neue Codes für die Vollwandresektion im Magen/Duodenum und die Implantation von Bestrahlungsmarkern
  • OPS-Abbildung der transgastralen oder transduodenalen Punktion der Gallengänge

Gesamtes Dokument herunterladen

Übersicht der ICD-/OPS-Änderungen 2020

Die Kommission für Medizinische Klassifikation und Gesundheitsökonomie der DGVS berichtet mit diesem Update über die Änderungen bei gastroenterologischen Leistungen im deutschen DRG-System.

Die DGVS bittet alle Kliniken, die dargelegten Änderungen in den Bereichen ICD und OPS in 2020 konsequent zu nutzen. Nur wenn die neuen Kodes in der Praxis genutzt werden, werden diese auch erlös-relevant und nur dann kann eine leistungsgerechte Bewertung gastroenterologischer Leistungen realisiert werden. Die Umsetzung der neuen Kodes ab 1.1.2020 ist daher wichtig.

ICD – Diagnoseschlüssel

Hepatische Enzephalopathie

Die hepatische Enzephalopathie und ihre Stadien sind mit den Kodes K72.7-! Hepatische Enzephalopathie und Coma hepaticum zu kodieren.

Aufgrund einer WHO-bedingten Anpassung der ICD-10-GM wurde 2019 der Kode G94.3* „Enzephalopathie bei sonstigen anderenorts klassifizierten Krankheiten“ etabliert. Dementsprechend wurde beim Kode K72.- Leberversagen, anderenorts nicht klassifiziert das Inklusivum Encephalopathia hepatica o.n.A. um „† (G94.3*)“ ergänzt. Dadurch waren bis 2019 drei ICD-Kodes zu kodieren: z.B. K70.4 (Alkoholisches Leberversagen), G94.3* und K72.79!

Der Querverweise auf G94.3* wurde gestrichen und ein Exklusivum für K72.7-! beim ICD-Kode G94.3 ergänzt, so dass die Kodierung nun wieder vereinfacht ist: K70.4 und K72.79!

Quelle: aus DIMDI Aktualisierunglisten zur Systematik ICD

https://www.dimdi.de/dynamic/.downloads/klassifikationen/icd-10-gm/version2020/icd10gm2020syst-alisten.zip

Alkoholische Leberzirrhose

Bei der Alkoholische Leberzirrhose (K70.3) wurde der Hinweis ergänzt, die klinischen Stadien der Leberzirrhose mit K74.7-! zu kodieren.

 

Milzvenenthrombose

Zur Milzvenenthrombose existieren derzeit im alphabetischen Verzeichnis des ICD folgende Einträge:

  • Milzvenenthrombose: I82.80
  • Milz – Thrombose: D73.5
  • Milzvenenthrombose-Syndrom D73.2
  • Opitz-Krankheit [Milzvenenthrombose-Syndrom] D73.2

Ergänzt wurden Folgendes:

  • Thrombose – Milz – arteriell: D73.5
  • Thrombose – Milz – venös: I82.80

HIV-Präexpositionsprophylaxe

Für die HIV-Präexpositionsprophylaxe (PrEP) wurde mit der Z29.22 ein neuer Code eingeführt und gleichzeitig mit einem Exklusivum für die Z29.21 (Systemische prophylaktische Chemotherapie) klargestellt.

OPS – Operationen- und Prozedurenschlüssel

Endoskopische Vollwandresektion (EFTR) am Magen/Duodenum

Im Bereich der OPS Kodes finden sich relevante Änderungen. Bemerkenswert ist, dass bis auf einen alle von der DGVS eingebrachten OPS-Anträge vom DIMDI vollständig oder modifiziert umgesetzt wurden.

Die endoskopische Vollwandresektion (EFTR) war bislang nur am Dickdarm und Rektum kodierbar. Es wurden neue OPS-Kodes für Magen (5-433.25) und Dünndarm (5-433.75) beantragt und umgesetzt:

Quelle: aus DIMDI Aktualisierunglisten zur Systematik OPS 2020 https://www.dimdi.de/dynamic/.downloads/klassifikationen/ops/version2020/ops2020syst-alisten.zip

Endoskopisch gesteuerte Implantation von Bestrahlungsmarkern

Die Implantation von Bestrahlungsmarkern kann bisher nur für Lunge (bronchoskopisch/perkutan), Leber (perkutan) und Pankreas (perkutan) spezifisch kodiert werden.

Es wurde der Antrag gestellt, OPS-Kodes für Ösophagus, Magen, Rektum, Anus und Lymphknoten differenziert nach Zugangswegen (perkutan, endoskopisch, sonstige) zu etablieren. Hier die Übersicht der umgesetzten Änderungen:

Polypektomie

Die bisherige Unterteilung im OPS in 1-2 Polypen und >2 Polypen ist untauglich, Kostenunterschiede zu detektieren. Damit scheitern DRG Anträge, die für aufwendige Polypektomien eine höhere Vergütung fordern.

Daher wurde die Etablierung von Zusatzkodes zur Polypektomie und endoskopischen Mukosaresektion (EMR) von Polypen mit mehr als 2 cm Durchmesser beantragt und nach ausführlicher Diskussion mit dem InEK im Vorfeld der Einreichung auch vom DIMDI umgesetzt.

Zu einer Polypektomie am Ösophagus

  • von 1-2 Polypen am (5-422.21)
  • von >2 Polypen (5-422.22)
  • einer EMR (5-422.23)

kann jetzt der Zusatzkode 5-422.6 für

  • 1 Polypen großer 2 cm (5-422.61)
  • oder 2 Polypen größer 2 cm (5-422.62)

kodiert werden.

Dieselben Kodierungsmöglichkeiten wurden für Magen, Dünndarm, Dickdarm und Rektum eingeführt. Hier die Kodes in der Übersicht:

Hinweis: Zusatzkodes muss immer eine besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden. Nur eine exakte Kodierung und Zuordnung der Kosten führt letztlich zu einem Kostentrenner und damit einer Vergütung des Mehraufwands.

Transgastrale/-duodenale Punktion der Gallenwege mit und ohne Rendezvous-Verfahren

Die transgastrale/-duodenale Punktion der Gallengänge bzw. des Pankreasgangs im Rendezvous-Verfahren ist bisher nicht spezifisch kodierbar.

Es wurde ein neuer Kode 5-513.r Transgastrale oder transduodenale Punktion der Gallengänge in 2020 eingeführt und die gesonderte Kodierung von Drainagen oder Stentanlagen im Rendezvous-Verfahren klargestellt.

Endoskopische Blutstillung durch Auftragen v. Peptid-Hydrogel bildenden Substanzen (z.B. PuraStat®)

In 2019 wurde OPS-Kodes für die endoskopische Blutstillung durch Auftragen absorbierender Substanzen (5-429.v, 5-449.t3, 5-469.t3, 5-489.k) etabliert.

Die Peptid-Hydrogel bildenden Substanzen sind damit nicht abgebildet, sondern nur unspezifisch mit 5-429.x (Andere Operationen am Ösophagus: Sonstige) kodierbar.

Der Vorschlag den Begriff „absorbierend“ zu streichen und damit beide Blutstillungsarten kodierbar zu machen, wurde von der AG OPS abgelehnt. Ein neuer Versuch wird für 2021 gestartet.

Kodierung von Mengenangaben spezieller Medikamente

Zur Mengenerfassung teurer Medikamente wurden nachfolgende OPS-Codes eingeführt oder differenziert.

Zusammenfassung und Ausblick

Zusammenfassung

Die DGVS hat über die Kommission für Medizinische Klassifikation und Gesundheitsökonomie im Frühjahr 2019 eine Reihe von Vorschlägen zum ICD- und OPS-Katalog eingereicht und damit eine Differenzierung des DRGs-Systems in 2021(!) antizipiert. Erfreulicherweise wurden diese Vorschläge in der Mehrzahl aufgegriffen und werden bei konsequenter Anwendung zu einer verbesserten, leistungsgerechten Abbildung der Gastroenterologie führen. Insbesondere konnte eine verbesserte Kodierbarkeit komplexer endoskopischer Leistungen und damit eine sachgerechtere Abbildung der Endoskopie erreicht werden.

Weiterer Handlungsbedarf

Trotz der erfreulichen Entwicklung bezüglich einer optimierten Abbildung der Gastroenterologie im DRG-System besteht weiterhin Handlungsbedarf im Bereich der Personalkosten- und Materialkostenzuordnung.

Datenlieferung an InEK und DGVS

Für die Krankenhäuser, die an der InEK-Kalkulation teilnehmen, fassen wir die wichtigsten Punkte in einer kurzen Checkliste und einem Zeitplan zusammen:

Personalkostenzuordnung

Wichtigster Input zur Personalkostenzuordnung für die DRG-Kalkulationen ist die Zuordnung von Personal zur Endoskopie und zur Station in den Kalkulationshäusern. Diese Kosten werden letztlich auf die einzelnen Fälle verteilt. Wenn hier zu wenige Ärzte der Endoskopie zugeordnet werden, sinkt der Tarif in der Endoskopie und damit der Personalkostenanteil der Fälle.

Die Unterschiede in den Projekthäusern der DGVS DRG Kostenstudie sind nach wie vor beträchtlich und eine Spannbreite bei den mittleren ärztlichen Kosten einer diagnostischen ÖDG zwischen 20 € und 108 € erscheinen, wie in den Vorjahren bereits berichtet, weiterhin implausibel (siehe Abbildung 1).

Abbildung 1 Unterschiede in den Projekthäusern der DGVS DRG Kostenstudie für die ÖGD als Indiz für ein stark unterschiedliche Personal-Zuordnung in die Endoskopie

Es wichtig, dass die Chefärzte jährlich mit Ihrem Controlling die Personalzuordnung zur Endoskopie prüfen. Nur so werden den endoskopischen Leistungen auch adäquate Kosten zugeordnet und damit vergütet!

Umsetzung der Zeiterfassung

Seit dem 1.1.2017 ist die Zeiterfassung in der Endoskopie verpflichtend für alle Krankenhäuser, die an der Kostenkalkulation des InEK teilnehmen. Sollte ein Haus noch keine Zeiterfassung eingeführt haben, kann es mit Rücksprache beim InEK auch im Datenjahr 2018 noch den DGVS-Leistungskatalog retrospektiv anwenden. Dies ist erst dann nicht mehr erforderlich, wenn die verpflichtende Zeiterfassung qualitative hochwertige Daten liefert. Im Bereich Chirurgie und Anästhesie ist dies bereits seit den Anfängen des DRG-Systems gegeben und damit die sachgerechte Personalkostenzuordnung zu den jeweiligen Leistungen sichergestellt.

Die Zeiterfassung in der gastroenterologischen Endoskopie wird in der S2K-Leitlinie „Qualitätsanforderungen in der gastrointestinalen Endoskopie“ im Kapitel: 2.3.2 und 5.1 definiert (siehe http://www.dgvs.de/leitlinien/qualitaetsanforderungen-in-der-gastrointestinalen-endoskopie/). Für die InEK Kalkulation müssen mindestens folgende Parameter zum Personal erfasst werden:

  1. Schnitt-Naht-Zeiten, sprich „erstes Gerät rein – letztes Gerät raus“
  2. Gleichzeitigkeitsfaktor, sprich „wie viele Ärzte legen am Patienten Hand an“

Positiver Anteil mit Zeiterfassung

Von 49 Teilnehmern in der DRG Kostenkalkulation haben bereits 36 Häuser (74%) die Zeiterfassung ab dem 1.1.2017 umgesetzt.

Abbildung 2 Häuser nach Versorgungsstufen, die an der DGVS Kostenkalkulation teilnehmen und die Zeiterfassung eingeführt haben

Fehlender Gleichzeitigkeitsfaktor

Bei genauerer Untersuchung wurde festgestellt, dass aber nur 16 (44%) den oben als Mindestanforderung genannten Gleichzeitigkeitsfaktor (GZV) umgesetzt haben.

Abbildung 3 Anteil der Häuser mit Zeiterfassung, die den Gleichzeitigkeitsfaktor (GZV) in der Kostenkalkulation des Datenjahres 2017 erfasst und berücksichtigt haben (ja= GZV berücksichtigt)

Aus der Zeiterfassungsstudie von 2013 ist bekannt, dass der Gleichzeitigkeitsfaktor einen wesentlichen Einfluss auf die Spreizung zwischen einfachen und komplexen Leistungen darstellt und daher nicht weggelassen werden darf.

Wichtig in diesem Zusammenhang: Eine fehlerhafte Zeiterfassung oder eine Zeiterfassung ohne Gleichzeitigkeitsfaktor schadet der Abbildung gastroenterologischer Leistungen im DRG System.

Disclaimer und Autoren

Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an die DGVS-Kommission über drg@dgvs.de oder direkt an den Projektpartner inspiring-health GmbH über dgvs-projekt@inspiring-health.de.

Verfasser und Herausgeber übernehmen keine Haftung für die Inhalte dieses Updates.

DGVS-Kommission für medizinische Klassifikation und Gesundheitsökonomie:

Prof. Dr. Jörg Albert
PD Dr. Arndt Weinmann, MBA

Projektpartner:
Markus Rathmayer, inspiring-health GmbH, München
Dr. Wolfgang Heinlein, inspiring-health GmbH, München
Dr. Martin Braun, Dr. Martin Braun GmbH, Mannheim

 

Stand: November 2019