Jahresrückblicke des Vorstands und der Kommissionen

Hier finden Sie die Jahresberichte des Vorstands der DGVS und der Kommissionen. Wir bedanken uns bei Ihnen für Ihr Vertrauen.

Jahresrückblicke des DGVS Vorstands

Prof. Dr. med. Frank Lammert – Präsident der DGVS

Nichts ist so beständig wie der Wandel. – Heraklit von Ephesus

Mit hoher Frequenz wurden im letzten Jahr neue Gesetze und Verordnungen verabschiedet, die den Veränderungen in der Medizin gerecht werden sollen. Dieser Wandel spiegelt sich zum Beispiel in der Einführung der elektronischen Patientenakte, des E-Rezepts und der Digitalen Gesundheitsanwendungen (DiGAs) und dem weiteren Ausbau der Telematikinfrastruktur wider. Das Krankenhauszukunftsgesetz (KHZG) sieht vor, mit Milliardensummen die Digitalisierung der Krankenhäuser voranzutreiben. Auch die neue Regierung hat erkannt, dass Deutschland „mehr Fortschritt wagen muss“ und der Koalitionsvertrag lässt hoffen, dass dieser Wandel auch in der nächsten Legislaturperiode sachgerecht vorangetrieben wird. Die neuen Bedingungen erfordern auch eine Anpassung unseres Berufsbildes. Die künstliche Intelligenz hat über die Bilderkennung in der Endoskopie und Pathologie Einzug in unser Fach gehalten. Die 2022 bevorstehende Neuregelung des Ambulanten Operierens wird nur zu bewältigen sein, wenn sektorübergreifende Versorgungskonzepte entwickelt und finanziert werden. Eine qualitätsorientierte, zentralisierte Versorgungsplanung, wie jetzt in NRW vorgesehen, wird unser zukünftiges Arbeiten beeinflussen.

Diesen Herausforderungen haben wir uns Anfang 2021 in einer strategischen Woche des DGVS-Beirats gestellt und drei Bereiche definiert, in denen wir Gastroenterologie neu gestalten möchten: Unter den Schlagworten Nachhaltigkeit und Digitalisierung, Netzwerk und Identifikation sowie Qualität und Berufsbild wurden Schwerpunkte identifiziert, denen wir uns mit der Entwicklung neuer Konzepte bis 2030 widmen wollen.

Eine konkrete Idee, die wir im letzten Jahr intensiv weiterentwickelt haben, ist die Etablierung der Gastroenterologie als Präventionsmedizin. Einerseits sind wir in der Gastroenterologie als Präventionsexperten seit Jahrzehnten erfolgreich tätig (zum Beispiel durch die Helicobacter-Eradikation, die Darmkrebsvorsorge oder das im Oktober 2021 eingeführte Hepatitis-Screening), zum Anderen ist der Bedarf für eine bevölkerungsübergreifende Präventionsmedizin größer denn je. Die Prävalenz der Fettleber wird inzwischen Mitteilungen der DGVS Z Gastroenterol 2021; 59: 1417–1446 | © 2021. Thieme. All rights reserved. 1417 je nach Altersgruppe auf bis zu 40 Prozent der Bevölkerung geschätzt. Chronische Erkrankungen wie der Morbus Crohn und die Colitis ulcerosa sowie Krebserkrankungen wie das Pankreas- oder das Cholangiokarzinom nehmen weiter zu. Die Gastroenterologie ist wissenschaftlich für die Zukunft kompetitiv aufgestellt. Zahlreiche klinische Studien an den Universitätskliniken lassen perspektivisch spezifische Screening-Methoden erwarten, und innovative Therapien für die Folgen der Fettlebererkrankung werden in klinischen Studien untersucht. Gleiches gilt für die chronischentzündlichen Darmerkrankungen, für die Verbesserungen in der Therapiesteuerung anhand von Klinik, Risikofaktoren, Manifestationen und Biomarkern zu erwarten sind. Die Ergebnisse einer kürzlich publizierten Phase- 2-Studie zu einem per os einzunehmenden Transglutaminase-Inhibitor wecken Hoffnung auf ein neues Medikament bei Zöliakie. Wie die DGVS die Präventionsmedizin in Öffentlichkeit und Politik platziert, können Sie im Bericht zur Öffentlichkeits- und Pressearbeit nachlesen (siehe S. 1420–1421).

Berufspolitisch beschäftigt uns die Stärkung der stationären Gastroenterologie über interdisziplinäre Bauchzentren, für die wir einen langen Atem brauchen, und die bessere Ausnutzung des Potenzials der sektorübergreifenden Versorgung. Erste Schritte haben wir durch ausführliche Stellungnahmen zur Neuregelung des AOP-Katalogs gemacht, zu denen Sie im Bericht der Kommission Qualität und der Kommission Medizinische Klassifikation und Gesundheitsökonomie in diesem Heft weitere Informationen erhalten (siehe S. 1422–1423). Wichtig ist, dass in den Kliniken und Praxen vor Ort die Gastroenterologie umfassend gelebt und gelehrt wird. Durch die Rotation in die Notaufnahmen und Intensivstationen muss das gastroenterologische Knowhow an diesen Schnittstellen bewahrt werden. Die Ernährungsmedizin ist unabdingbarer Bestandteil der Behandlung gastroenterologischer Krankheiten und sollte ebenso wie die gastroenterologische Onkologie unterrichtet und als Aufgabe der Gastroenterologie verstanden werden. Durch den Erwerb der entsprechenden Zusatzweiterbildungen sollten Gastroenterologinnen und Gastroenterologen an der Stärkung des Fachgebiets mitwirken.

Um Nachwuchs zu gewinnen, müssen gastroenterologische Inhalte bereits in Studium und Lehre abgebildet werden. Dies geschieht derzeit durch die Einführung des Fächerbezuges in den Nationalen Kompetenz basierten Lernzielkatalog Medizin (NKLM), den die DGVS unter dem Dach der DGIM mitgestaltet. Wir stehen mit dem IMPP im Austausch, um unsere medikamentösen Therapieempfehlungen in den Leitlinien in die IMPP-Arzneistoffliste sicherzustellen. Über unsere Webseite www.gas troenterologie-machen.de möchten wir mit Lehrvideos jungen Kolleginnen und Kollegen einen niederschwelligen Zugang zu unserem Fachgebiet und zur DGVS anbieten. Besonders hervorzuheben sind an dieser Stelle unsere engagierten JUGAS, seit Herbst 2021 unter der neuen Leitung von Sophie Schlosser (Regensburg) und Jonas Staudacher (Berlin). Fünf JUGA-Kurse mit weit über 500 Teilnehmenden, die JUGA Summer und Winter Schools, die JUGA Rookie Night und das JUGA Preceptorship zeigen, dass JUGA „the place to be“ ist.

2021 stand unverändert unter dem Eindruck der COVID 19-Pandemie, und viele der oben genannten Projekte mussten unter neuen Bedingungen vorangetrieben werden. Der oben erwähnte Wandel erstreckte sich insbesondere auf unseren Kongress. Bis zuletzt war unsicher, wieviel Präsenz möglich sein würde. Unter dieser Prämisse hat unser Kongressteam mit unseren Kongresspräsidenten Christian Trautwein und Ulrich Rosien erstmals eine viszeralmedizinische Woche organisiert – zum Start digital und dann vor Ort in Leipzig. Wer beides verpasst haben sollte, kann die Sitzungen in unserer Kongress- Mediathek auch nachträglich ansehen (www.viszeralmedizin.com). Mit mehr als 5.800 Teilnehmenden konnten wir an unseren letzten Präsenzkongress in Wiesbaden anknüpfen. Wir werden diese Kombination auch im nächsten Jahr fortführen, das inhaltliche Angebot ausbauen und Formate für junge Kolleginnen und Kollegen ausweiten.

Aus den vielfältigen Aktivitäten der DGVS im vergangenen Jahr sticht ein Projekt hervor, das uns zum Innehalten gebracht und nachdenklich gemacht hat: „Gegen das Vergessen“ ist die Aufarbeitung der Rolle unserer Fachgesellschaft während der NS-Diktatur, in deren Zentrum all diejenigen stehen, die aus unserer Fachgesellschaft ausgeschlossen, verfolgt, vertrieben und ermordet wurden. Nachdem wir unsere Webseite www. dgvs-gegen-das-vergessen.de aktiviert haben, ist es gut zu sehen, dass sich daraus ein Diskurs in den Medien, zwischen Wissenschaftlern, Kollegen und Angehörigen entwickelt hat, der durch die beeindruckenden Dokumente und Bilder auf der Webseite angeregt wird. Harro Jenss, der die Informationen und biografischen Fakten in den vergangenen Jahren in mühsamer Arbeit zusammengetragen hat, sei dafür größter Dank ausgesprochen! Es ist unmöglich, durch die Trautenaustraße im beliebten Berlin- Schöneberg zu gehen, ohne an Ismar Boas und seine Kollegen zu denken. Nicht vorstellbar ist auch, gezwungen zu werden, den Beruf und das bisherige Leben aufzugeben, um trotz herausragender ärztlicher und wissenschaftlicher Qualifikation im Ausland, wenn überhaupt, unter widrigen Bedingungen und oft nur provisorisch, ohne damit den eigenen Lebensinhalt finanzieren zu können, praktizieren zu müssen. Die Vielzahl der beeindruckenden Lebenswege und tragischen Schicksale wird auf der Webseite Gegen das Vergessen sicht- und erlebbar.

Die Medizin und damit auch die Gastroenterologie stehen vor einem Wandel, dem wir uns nicht entziehen können und den wir mitgestalten. Unsere Mitglieder stellen sich diesen Aufgaben in den Gremien, Kommissionen und Arbeitsgruppen der DGVS. Sie geben den Input, den unsere Fachgesellschaft braucht, um Lösungen zu finden. Dafür sind wir dankbar, und in diesem Sinne wünschen wir uns auch im nächsten Jahr einen intensiven Austausch mit Ihnen!

Jahresbericht des Präsidenten

Prof. Dr. med. Frank Lammert

Präsident der DGVS

Prof. Dr. med. Britta Siegmund – Leitlinien und Stellungnahmen

Dank neu entwickelter digitaler Formate konnte die Leitlinienarbeit 2021 ohne Unterbrechung fortgesetzt werden. Mehr noch wurden durch Online-Konsensuskonferenzen und Abstimmungsverfahren Terminabstimmungen erleichtert und durch entfallende Reise- und Tagungskosten deutlich Kosten gespart. Insgesamt wurden 10 Leitlinien publiziert.

Gleich zu Beginn des Jahres knüpften wir mit einer Leitlinie zur Versorgung von Lebertransplantierten während der Pandemie (Koordination Thomas Berg, Leipzig) an die Reihe der COVID-19-Leitlinien an.
Die lang erwartete Leitlinie Hepatitis B (Koordination Markus Cornberg, Hannover, und Jörg Petersen, Hamburg) gibt wichtige neue Empfehlungen zu nicht invasiven Verfahren bei der Beurteilung der Leberfibrose, einem früheren HBsAg-Screening und der medikamentösen antiviralen Therapie bei Schwangeren. Schwerpunkte der überarbeiteten Leitlinie Morbus Crohn (Andreas Stallmach, Jena, und Andreas Sturm, Berlin) sind der Stellenwert der Sonografie, die treat to- target-Therapie und die Rolle des therapeutischen Drug Monitorings.
Die Leitlinie Reizdarmsyndrom wurde gemeinsam mit der Leitlinie Intestinale Motilitätsstörungen unter der Koordination des Hamburger Teams Viola Andresen, Jutta Keller und Peter Layer publiziert und traf ebenfalls auf große Resonanz nicht nur unter Expertinnen und Experten, sondern auch in der breiten Öffentlichkeit und den Medien. Die Leitlinie Pankreatitis (Koordination Julia Mayerle und Markus Lerch, München) umfasst nun sowohl die chronische als auch die akute Pankreatitis.
Wichtige Neuerungen beleuchten unter anderem den hohen Stellenwert der endoskopischen Therapie bei Gallengansstenosen, die auf dem Boden einer chronischen Pankreatitis entstehen. Für die opiatpflichtige, obstruktive chronische Pankreatitis wird eine möglichst frühzeitige operative Therapie als das nachhaltigste langfristige Therapiekonzept empfohlen. Hinzu kommen Empfehlungen zum Volumenmanagement und zur Ernährung bei akuter Pankreatitis sowie zur interventionellen endoskopischen Therapie bei nekrotisierender Pankreatitis.
Hörenswert ist der AMBOSS-Podcast, der die Leitlinie sehr gut zusammenfasst. Ebenfalls neu ist die Leitlinie Zöliakie. Überarbeitet wurden insbesondere die klinischen Konstellationen, bei denen eine Zöliakie differenzialdiagnostisch erwogen werden sollte, die serologische Diagnostik bei Zöliakieverdacht, das endoskopisch-histologische Vorgehen, die therapeutische Ernährungsberatung, das Vorgehen bei refraktärer Zöliakie und dem Enteropathie-assoziierten T-Zelllymphom.
Im onkologischen Bereich wurden die Leitlinie Hepatozelluläres Karzinom auf die biliären Karzinome ausgeweitet (Koordination Nisar Malek, Tübingen, und Peter Galle, Mainz) und die Leitlinie Ösophaguskarzinom (Koordination Matthias Ebert, Mannheim, und Rainer Porschen, Bremen) aktualisiert. Die Leitlinie Divertikelkrankheit (Ludger Leifeld, Hildesheim, Wolfgang Kruis, Köln, und Christoph-Thomas Germer, Würzburg) bildet in diesem Jahr den Abschluss und konnte in Kooperation mit den Chirurgen auf S3-Niveau angehoben werden.

Neben dem bewährten Verfahren der Leitlinienentwicklung hat der Gesetzgeber über den Innovationfonds die Möglichkeit einer Drittmittelförderung geschaffen. Hier lag der Fokus der ersten Förderperiode unter anderem auf den seltenen Erkrankungen. Es ist uns gelungen, unter der Koordination von Ansgar Lohse, Hamburg, die Federführung für ein inzwischen bewilligtes Leitlinienprojekt Seltene Lebererkrankungen zu übernehmen und damit auch unsere personellen und finanziellen Kapazitäten für die Leitlinienentwicklung weiter auszubauen. Weitere Anträge sind gestellt. Insgesamt ist die DGVS an 8 Förderprojekten beteiligt und so in diesem Bereich sehr gut aufgestellt. Nicht nur der über 18 000-mal geklickte Podcast Pankreatitis – ein Format, das sich für die Implementierung der neuen Leitlinien sehr gut bewährt hat, zeigt, dass unsere Kooperation mit AMBOSS einen Mehrwert in der Verbreitung und Implementierung der DGVS Leitlinien bringt. Als Pilotprojekt haben wir in diesem Jahr das AMBOSS-Leitlinien- Telegramm entwickelt, das von den AMBOSS-Nutzern spontan zum beliebtesten Format für Leitlinien-Updates gewählt wurde und in dieser Form nun verstetigt wird. Auch Ihnen steht dieses kostenfrei zur Verfügung. Mit mehr als 80 000 Nutzern konnten wir unsere Reichweite über AMBOSS im Vergleich zum Vorjahr erneut um 35 % steigern. Insgesamt 18 Stellungnahmen (8 mehr im Vergleich zum Vorjahr) haben wir in diesem Jahr mit der Unterstützung unserer Expertinnen und Experten formuliert, darunter zur Arzneimittelrichtlinie Biosimilars und zum Zusatznutzen von Avatrombopag oder Sebilipase alpha. Dazu kamen 9 Beratungsverfahren des GBAs zur Vergleichstherapie in der frühen Nutzenbewertung. Dass sich gesundheitspolitisches Engagement lohnt, zeigt unser inzwischen langjähriger Einsatz für ein Hepatitis-Screening. Seit dem 1. Oktober steht eine Abrechnungsziffer zur Verfügung und Versicherte über 35 Jahren können sich einmalig auf eine Infektion mit Hepatitis B- und C-Viren testen lassen.

Mit dem überarbeiteten Weißpapier Interessenkonflikte haben wir auf die immer wieder aufkommende Diskussion um die Interessenerklärungen reagiert. Ziel ist, sowohl innerhalb der Leitliniengruppen als auch in der Öffentlichkeit Transparenz zu schaffen und die Glaubwürdigkeit und Akzeptanz zu erhalten. Das Papier sowie auch alle Leitlinien sind abrufbar unter www.dgvs.de.

Starten werden wir in das Jahr 2022 mit der neuen Leitlinienakademie. Mit diesem neuen Format wollen wir insbesondere die jungen Kolleginnen und Kollegen ansprechen, sich vertiefend über die Entwicklung von Leitlinien zu informieren, und sie zur Mitarbeit an den Leitlinien gewinnen. Die Resonanz auf unsere Ausschreibung war groß und es sind bereits jetzt alle Plätze vergeben.

Trotz des guten Arbeitsergebnisses 2021, das wir mit der Unterstützung vieler Expertinnen und Experten erreichen konnten, hoffen wir darauf, im nächsten Jahr endlich wieder verstärkt mit Ihnen in den persönlichen Austausch zu treten. Die ersten Leitlinientreffen vor Ort sind geplant. Wir freuen uns!

Jahresbericht des Ressorts Leitlinien und Qualitätssicherung

 

Prof. Dr. med. Britta Siegmund

Leitlinien und Stellungnahmen

Prof. Dr. med. Heiner Wedemeyer – Vorstand Öffentlichkeitsarbeit

Unsere Fachgesellschaft ist auch im letzten Jahr sehr sichtbar gewesen und hat sich dynamisch und vielfältig präsentiert. Das ist eine gemeinsame Leistung der Geschäftsstelle, des Vorstandes und Beirates aber insbesondere zahlreicher DGVS-Mitglieder, die sich auf vielen Ebenen beteiligt haben, gastroenterologische Themen in Politik und Öffentlichkeit zu platzieren.

Im Jahre 2021 haben wir nahezu 20 Pressemitteilungen veröffentlicht, davon sechs im Rahmen des Kongresses Viszeralmedizin. Weiterhin war unsere Jahrespressekonferenz (erneut digital) mit Beteiligung von Britta Siegmund, Frank Tacke und Frank Kolligs ein großer Erfolg mit zahlreichen nachfolgenden Berichten. Neben spezifischen themenfokussierten Aktivitäten haben wir eine kontinuierliche Kontaktpflege zu den Journalisten der Fach- und Publikumsmedien mit einem regelmäßigen Newsletter etabliert, der über aktuelle Aktivitäten und Themen der DGVS berichtet. Unterstützt wurden wir in gewohnt professioneller Weise durch das Thieme-Presseteam, das uns mit einer täglich besetzten Pressestelle unermüdlich bei der Koordination von Presse- und Interviewanfragen zur Seite stand.

Das Spektrum unserer Pressemitteilungen spiegelt die Vielfalt unseres Fachgebiets wider und reichte von aktuellen Covid-Informationen („Versorgung Lebertransplantierter während der COVID-19-Pandemie“/ „Darmkrebs macht keine Pandemie-Pause“) über onkologische Themen („DGVS fordert höhere Qualitätsstandards bei fäkalen Okkultbluttests“/„ Leitlinie Leberkrebs um biliäre Karzinome erweitert“) bis hin zu „Gegen das Vergessen: DGVS schafft digitalen Erinnerungsort für ihre in der NS-Diktatur verfolgten Mitglieder“.

Diese breite Medienpräsenz ist unverzichtbar, um politische Meinungsbildnerinnen und Meinungsbildner zu erreichen und Entscheidungen zu beeinflussen. Dabei setzen wir zum einen mit Themen, die „nah“ an Patienten sind, das heißt, die die Patienten unmittelbar betreffen (z. B. „Reizdarmsyndrom – Aufruhr im Darm“), darauf, die breite Öffentlichkeit über Publikumsmedien zu erreichen.
Mindestens so wichtig ist die Präsenz in den Fachmedien, da hierüber die Rolle der Gastroenterologie im Gesundheitswesen gestärkt werden kann und auf die wir im letzten Jahr einen besonderen Fokus gelegt haben. Die Ansprache der Fachjournalisten und ausgewählter Politikerinnen und Politiker haben wir im letzten Jahr außerdem über unseren neu eingerichteten Newsletter verstärkt, der über aktuelle gastroenterologische Themen und wichtige Studien berichtet und der mehr als 2.000 Leserinnen und Leser erreicht.

Bei steigenden Zahlen im Bereich chronischer Krankheiten wie der Fettleber oder der CED sehen wir sowohl aus medizinischwissenschaftlicher als auch aus gesundheitspolitischer Sicht die Notwendigkeit, die Präventionsmedizin zu stärken und die Gastroenterologinnen und Gastroenterologen als Präventionsexpert*innen zu positionieren.
Vor dem Hintergrund gesundheitspolitischer Aktivitäten des Jahres 2021 wie dem geplanten DMP Adipositas, der Über- 1420 des Einladungsverfahrens Darmkrebs und der Einführung des Hepatitis- Screenings ist der Zeitpunkt günstig, dieses Thema voranzubringen. Die Prävention stand auch im Mittelpunkt unserer Jahrespressekonferenz, auf der Themen wie die „Vision Zero für die Leber“, „Neue Therapiehoffnungen bei CED“, „Eine verbesserte Vorsorge bei familiär bedingtem Darmkrebs“ und die „Versorgung der NAFLD durch Gastroenterologen“ mit 43 Journalisten aus dem gesamten Bundesgebiet diskutiert wurden.

Insgesamt sind zwischen September 2020 und September 2021 knapp 2.300 Beiträge über die Themen der DGVS in Print- und Onlinemedien, TV und Hörfunk erschienen. Damit liegt die Anzahl der Medienberichte weiterhin auf hohem Niveau und hat das Vor-Corona-Niveau fast erreicht. Rund ein Drittel der Berichterstattung findet digital statt. Politische Aufmerksamkeit lässt sich insbesondere dann gut erlangen, wenn die Fachcommunity mit einer Stimme spricht. Es ist uns ein wichtiges Anliegen, hier Allianzen zu bilden. So haben wir im letzten Jahr in Zusammenarbeit u. a. mit bng, Stiftung Lebensblicke, Felix-Burda-Stiftung, der DFG und Patientenvertretern eine Initiative zur Verbesserung der Darmkrebsvorsorge gestartet und einen Runden Tisch der Fachgesellschaft einberufen, bei dem wir gemeinsam mit Diabetologen, Kardiologen und vielen anderen ein Positionspapier zur Fettleberbekämpfung verabschiedet haben.

Dieses Positionspapier konnten wir als wichtige Stütze bei unseren Gesprächen mit Politikern aus SPD, CDU, FDP und den Grünen nutzen. Nicht zuletzt haben wir uns zur Wahl mit einem Ideenpapier „Unsere Themen – Ihre Themen für den Bundestagswahlkampf 2021“ dafür eingesetzt, die Belange der Gastroenterologie auch für die nächste Legislaturperiode ins Bewusstsein zu rufen.

Wir möchten hier – gemeinsam mit Ihnen – am Ball bleiben und wir freuen uns, wenn Sie uns dazu mit Ihren Kontakten oder Ihrem Input unterstützen. Gastroenterologische Themen, die Sie für wichtig und medientauglich halten, sind jederzeit willkommen, schreiben Sie uns einfach eine E-Mail.

Jetzt wird es spannend, wie unsere Themen von der neuen Regierung weiterentwickelt werden!

Jahresbericht des Ressorts Politik und Öffentlichkeitsarbeit

Prof. Dr. med. Heiner Wedemeyer

Vorstand Öffentlichkeitsarbeit

Dr. med. Peter Buggisch – Fort- und Weiterbildung

Das Fortbildungsprogramm der DGVS ist mit 21 Veranstaltungen im Jahr 2021 eine tragende Säule der DGVS, zu dem wir mehr als 1370 Teilnehmende begrüßen durften. Ermöglicht und realisiert wird dieses umfangreiche, vielfältige Angebot von 239 Referierenden – an dieser Stelle gilt ein herzlicher Dank allen Mitgliedern der DGVS Teaching Faculty, die sich bei der Wissensvermittlung in unserer Fachgesellschaft engagieren!

Die im Vorjahr gestartete digitale Transformation der DGVS-Fortbildungen wurde in diesem Jahr perfektioniert – gemeinsam mit den wissenschaftlichen Leitungen wurden reine Online-Veranstaltungen ebenso angeboten wie kombinierte Veranstaltungen.
Auch inhaltlich haben wir expandiert und bieten mit Onkologie kompakt und TIPS – von Indikation bis Nachsorge – weitere Bausteine der Wissenserweiterung für unsere Mitglieder an. Ebenfalls neu: Ein Veranstaltungsnewsletter informiert regelmäßig über anstehende DGVS-Seminare.

Aus der Weiterbildungskommission ist zu berichten, dass die Musterweiterbildungsordnung (MWBO) inzwischen in nahezu allen Landesärztekammern (LÄK) implementiert und auch der Fachlich Empfohlene Weiterbildungsplan (FEWP) von der BÄK autorisiert ist. Die neuen Regelungen zur Weiterbildungsbefugnis (WBB) sind allerdings erst zum Teil umgesetzt. Die Kommission hat einen Kriterienkatalog entwickelt, wie eine Vergabe der WBB erfolgen sollte, und diesen Vorschlag den LÄK-Vertreter zur Verfügung gestellt. Ob und wie diese Vorschläge umgesetzt werden, wird jedoch entscheidend vom Engagement vor Ort abhängen. Zu erwarten ist außerdem, dass die Regelungen zwischen den LÄK stark variieren werden. Neu zu berichten ist außerdem, dass der Facharzt für Innere Medizin und Infektiologie auf dem 124. Ärztetag 2021 verabschiedet wurde. Dies macht einmal mehr deutlich, dass die neue Weiterbildungsordnung zu einer neuen Verteilung Gastroenterologieassoziierter Themen (z. B. in den Bereichen Notaufnahme und Infektiologie) führen wird. Zwar bleibt die Zusatzweiterbildung Infektiologie weiter erhalten und z. B. die für die Zusatzweiterbildung Klinische Akut und Notfallmedizin geforderten 24 Monate können zukünftig in einer interdisziplinären Notaufnahme abgeleistet werden, was den Zugang erleichtert. Klar ist aber auch, dass Zusatzweiterbildungen bei Weiterbildungsassistent* innen beworben und weitergebildet werden müssen, damit Gastroenterolog* innen diese zentralen Schnittstellen in der stationären Versorgung besetzen können. Während die medikamentöse Tumortherapie bereits immanenter Bestandteil der Weiterbildung ist, kann und sollte zum Beispiel die Hoheit über die Ernährungsmedizin ebenfalls über den Erwerb der Zusatzweiterbildung gesichert werden. Wir brauchen neue Rotationskonzepte in der Weiterbildung, Kooperationen mit Ernährungsmedizin, Komplementärmedizin und Psychosomatik, um die Gastroenterologie für die Zukunft fit zu machen. Hinzu kommen veränderte medizinische und gesundheitsökonomische Rahmenbedingungen wie der Einzug der künstlichen Intelligenz in die ärztliche Tätigkeit oder die Neuregelung des AOP, die einen erheblichen Einfluss auf das zukünftige gastroenterologische Berufsbild haben werden.

Jahresbericht des Ressorts Fort- und Weiterbildung

Dr. med. Peter Buggisch

Fort- und Weiterbildung

Jahresrückblicke der DGVS Kommissionen

Prof. Dr. med. Jörg Albert – Vorsitzender der Kommission MKG

Die Arbeit der Kommission war 2021 in vielen Bereichen von einer Digitalisierungswelle ergriffen worden, natürlich auch durch die Covid-19-Pandemie bedingt.
Bereits am 14. Januar fand die Traditionsveranstaltung „DRG Interaktiv der DGVS 2021“ statt, und zwar ausschließlich online. In einer anregenden     Vortragsrunde wurden die Neuerungen für die Gastroenterologie im DRGSystem  vorgestellt, aber auch eine aktuelle  Einsicht in die neue Umsetzung der Strukturprüfungen, die Tätigkeit des neu eingerichteten     Bundesschlichtungsausschusses  und in die Krankenhausfinanzierung der  Zukunft ermöglicht sowie Hinweise zu Kodier- und MD-Strategien aus der Praxis  gegeben. Es lohnt sich ein Blick auf die  MKG-Seiten der DGVS-Homepage, wo u. a. diese Vortragsfolien archiviert und einsehbar sind.

Grundlage für viele Aktivitäten der MKG  und Überlegungen zur zukünftigen Gestaltung der Krankenversorgung waren und sind auch 2021 die Kalkulationsdaten aus dem von der DGVS-Kommission Medizinische     Klassifikation und Gesundheitsökonomie  betreuten DRG-Projekt gewesen. Auch 2021 hatten wieder mehr als 50 Krankenhäuser, die an der Datenlieferung gemäß § 21 KHEntgG teilnehmen, ihre Kostendaten dem Projekt zur Verfügung gestellt. So konnte die „AG Vorschlagsverfahren“ der    MKG die 18 ICD und OPS-Anträge sowie die 21 DRG-Anträge auf dem Boden von Kostendaten derart formulieren und ausarbeiten, dass diese wieder auf eine sehr hohe Akzeptanz beim BfARM (Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte) und dem Institut für das Entgeltsystem im  Krankenhaus (InEK) gestoßen sind. Die „AG NUB“ (NUB – Neue Untersuchungs- und Behandlungsmethoden) hat für alle Krankenhäuser  und in routinierter Weise Antragsvorschläge erarbeitet und in diesem Jahr rekordverdächtig rasch veröffentlichen können. Natürlich hatten die AGs ihre Meetings von „Präsenz“ auf „Online“ umgestellt.

Die Kommission hatte bereits im Februar  2020 mit ihrer Stellungnahme zum MDKReformgesetz  zusammen mit der Sektion Endoskopie der DGVS und dem Berufsverband niedergelassener Gastroenterologen und der Arbeitsgemeinschaft gastroenterologischer Klinikärzte e. V. (ALGK) neue Perspektiven  für eine sektorübergreifende Weiterentwicklung des ambulanten Operierens (AOP) formuliert. Nachdem 2020 das Thema vom Gesetzgeber u. a. wegen der Pandemie immer wieder verschoben wurde, waren 2021 die Aktivitäten zur Neugestaltung des AOP umso reger gewesen. Die Spitzenverbände (Spitzenverband Bund der Krankenkassen, die Deutsche Krankenhausgesellschaft und die Kassenärztlichen  Bundesvereinigungen) haben das im § 115b SGB V vorgesehene Gutachten an das IGESInstitut in Berlin vergeben, das in 4 Modulen im Laufe des Jahres erarbeitet worden ist. Auch wenn in diesem Vorgehen kein direkter     Input der in Fachgesellschaften organisierten Ärzte vorgesehen ist, konnte die  Gastroenterologie in mehreren Stellungnahmen – jeweils in Bezug auf die Module des Gutachtens ausgerichtet – die Position und Einschätzung der Gastroenterologen den Verbänden und dem Institut verdeutlichen.     Spannend bleibt, wie die Neuordnung des AOP 2022 umgesetzt werden wird.

Einen starken Auftritt von prominenten Rednern vor großer Zuhörerschaft – online  wie vor Ort – erfuhr die Sitzung „DRG interaktiv – Bewegung ist da, aber wohin geht die Reise“ am 16. September auf der DGVS-Jahrestagung in Leipzig. Insbesondere auch eine mögliche Rolle des InEK bei der Neugestaltung des AOP wurde mit dem Geschäftsführer des InEK     diskutiert. Ein besonderes Highlight war der Rückblick von Frau Dr. Haag  auf 20 Jahre DRG und 10 Jahre DRGProjekt der DGVS mit vielen persönlichen  Anmerkungen des langjährigen MKGMitglieds.

Der Jahresschluss war zudem geprägt von einer (vielleicht darf man das Wort an dieser Stelle ruhig gebrauchen) gewaltigen Anstrengung einer kleinen Arbeitsgruppe (AG Kodierleitfaden), die die Struktur und den Inhalt des bewährten, aber etwas angestaubten Kodierleitfadens der DGVS komplett neu überarbeitet und in neuem Gewand für einen neuen Verlag vorbereitet hat. Man darf sich auf das Ergebnis, das Anfang  2022 publiziert werden wird, schon freuen.

Über die Aktivitäten wurde zudem zweimal jährlich im „DRG-Update“ in Rundmails und in der Zeitschrift für Gastroenterologie berichtet.
Das Update gab es allerdings schon immer digital!

Jahresbericht der Kommission MGK

Prof. Dr. med. Jörg Albert

Vorsitzender

Prof. Dr. med. Ludger Leifeld – Vorsitzender der Kommission Qualität

Unsere Kommission ist ein Zusammenschluss von Vertretern aus allen Bereichen der Gastroenterologie (bng, ALGK, AUG, Sektion Endoskopie, DGVS) und tritt für eine qualitätsgebundene Leistungserbringung ein.
Das zentrale Thema, das die Kommission 2021 beschäftigt hat, ist die Neuregelung des Katalogs für ambulante Operationen und stationsersetzende Eingriffe und Behandlungen (AOP-Katalog).
Diese Neuregelung hatte der Gesetzgeber bereits 2019 mit dem MDK-Reformgesetz beschlossen. KBV, GKV und DKG sind mit der Umsetzung beauftragt. Es wird ein Gutachten des IGES-Instituts zu diesem Thema spätestens im Januar 2022 erwartet.

Ein neuer, noch umfassenderer AOP-Katalog wird unsere ärztliche Tätigkeit sowohl im stationären als auch im ambulanten Sektor verändern. Grundsätzlich unterstützen wir den Ansatz, die ambulante Versorgung zu stärken. Die ambulanten Fallzahlen sind in Deutschland im internationalen Vergleich gering und besitzen großes Potenzial für sinnvolle Kostenersparnisse. Damit unsere Patienten profitieren, hat sich unsere Kommission im letzten Jahr in mehreren Stellungnahmen dafür eingesetzt, dass die geplante Neuregelung die in wissenschaftlichen Leitlinien definierten Qualitätsanforderungen berücksichtigt und die erforderlichen Versorgungstrukturen sicherstellt.

Betreffen wird der neue AOP-Katalog, der für 2022 erwartet wird, insbesondere die Endoskopie. Sie gehört zu den Kernleistungen der gastroenterologisch tätigen Ärztinnen und Ärzte in Deutschland. Ihre Bedeutung nimmt für die Diagnosestellung von Erkrankungen und für minimal-invasive Therapien kontinuierlich zu. Die technischen und digitalen Entwicklungen der letzten Jahre haben hierzu erheblich beigetragen. Eine Verschiebung endoskopischer Leistungen in die ambulante Versorgung ist für viele endoskopische Eingriffe denkbar, nicht jedoch für alle Prozeduren. So ist die Koloskopie in der Mehrzahl bereits jetzt ein ambulanter Eingriff. Circa 500.000 Koloskopien werden jährlich im niedergelassenen Bereich durchgeführt. Dazu kommen weitere 1,4 Millionen Koloskopien außerhalb der Früherkennung sowie 1,6 Millionen Endoskopien des oberen Verdauungstrakts in der ambulanten Praxis.
Im stationären Bereich werden rund 1,6 Millionen Endoskopien des oberen Verdauungstrakts und etwa eine Million Endoskopien des unteren Verdauungstrakts durchgeführt. Die Endoskopie der Gallen- und/oder Pankreaswege, die bereits nach der aktuellen Regelung ambulant erbracht werden könnte, wird jedoch derzeit fast ausschließlich stationär erbracht (420.000 im Jahr), da die notwendigen Voraussetzungen im ambulanten Sektor größtenteils nicht existieren und aufgrund hoher, nicht abbildbarer Investitionskosten oder Hygienemaßnahmen bisher nicht geschaffen werden konnten. Die Funktionsdiagnostik hingegen wäre sinnvoll ambulant durchführbar, ist aber im AOP-Katalog bisher nicht vorgesehen.

Diese Zahlen zeigen, dass eine Verschiebung ohne Berücksichtigung der bestehenden Strukturen zu Qualitätsverlusten und Versorgungsengpässen führen wird, wie sie zum Beispiel für die Gastroskopie bereits bestehen. Darüber hinaus unterscheidet sich auch die Indikation und die Art der endoskopischen Intervention in den Sektoren. Unter stationären Bedingungen finden sich Notfallendoskopien kritisch kranker Patienten und komplexe endoskopische Prozeduren. In der ambulanten Praxis werden dagegen weniger komplexe diagnostische und therapeutische Eingriffe vorgenommen bei nicht kritisch kranken oder multimorbiden Patienten, welche keiner zusätzlichen stationären Überwachung bzw. Behandlung bedürfen.

Für alle Prozeduren gilt, dass die Entscheidung über eine stationäre versus ambulante Durchführung unter Berücksichtigung des individuellen Risikos des Patienten bestimmt werden muss. Positiv ist, dass mit dem GAEP-Katalog bereits ein umfassendes Tool zur Beurteilung dieses individuellen Risikos eines Patienten zur Verfügung steht. Die Umsetzung eines neuen Katalogs wird patientenorientiert und ohne Qualitätsverluste dann funktionieren, wenn darüber hinaus die (wenigen) kritischen Prozeduren im AOP-Katalog identifiziert und berücksichtigt werden, die stationär durchgeführt werden sollen. Nur nebenbei bemerkt sei, dass die Weiterbildung in der Gastroenterologie, die zahlreiche endoskopische Techniken und Interventionen vorsieht, ebenfalls regelhaft im stationären Setting stattfindet und bei einer Verschiebung der Fälle ebenfalls mitgedacht werden müsste. Nach Auffassung der Kommission gehören zu den kritischen Eingriffen zum Beispiel die endoskopischen Operationen am Pankreas wie die Papillotomie, Interventionen an der nativen Papille und therapeutische Interventionen am Gallengang- oder Pankreasgangsystem. Bei anderen komplexen invasiven Eingriffen, zum Beispiel der Endosonografie, müssen entsprechende Voraussetzungen (Personalvorgaben, Hygienemaßnahmen, Prozedurendauer, Überwachungserfordernisse) für den behandelnden Arzt erfüllbar sein, wenn diese ambulant durchgeführt werden sollen.

Dies hat auch der Gesetzgeber erkannt und will mit einer zu entwickelnden sogenannten Schweregraddefinition die Grundlage für eine bessere Vergütung komplexer Fälle schaffen. Hierüber besteht nach Auffassung der Kommission die Chance, die oben genannten Voraussetzungen abzubilden. Unser Vorschlag liegt den Verantwortlichen vor, es bleibt zu hoffen, dass unsere Expertise in den Prozess mit eingebunden wird.

Ein weiteres Thema ist die Definition von Qualitätsindikatoren aus Leitlinien, die in unserem Weißbuch zusammengefasst sind.6 Die Arbeiten hieran werden fortgesetzt. Eine qualitativ bestmögliche Behandlung setzt eine kontinuierliche Anpassung an vorhandene Evidenz und die ständige Bereitschaft zur Aufgabe gewohnter diagnostischer und therapeutischer Vorgehensweisen voraus. Unsere Leitlinien werden in regelmäßigem Turnus überarbeitet und stellen eine Grundlage für die Festlegung von Standards der Qualität dar. Es bleibt dabei eine große Herausforderung, die Empfehlungen der Leitlinien im klinischen Alltag zu implementieren. Unser Weißbuch greift die Qualitätsindikatoren (QI) heraus, die im klinischen Alltag messbar und durch die Gastroenterologinnen und Gastroenterologen selbst beeinflussbar sind. Sie beschreiben klinisch relevante Aspekte des Fachgebiets, die mit einem hohen methodischen Risiko oder einer möglichen Fehlsteuerung der Patientenversorgung einhergehen, ein relevantes Verbesserungspotenzial aufweisen und bei denen zwischen guter und schlechter Qualität der Patientenversorgung unterschieden werden kann.

Demnach betreffen alle hier ausgewählten QI Themen, für die sich nach fester Überzeugung der Kommission für Qualität die Anstrengung der Umsetzung unbedingt lohnt!

Jahresbericht der Kommission Qualität

Prof. Dr. med. Ludger Leifeld

Vorsitzender

PD Dr. med. Alexander Hann – Kommission Lehre und Studium

Die Gewinnung ärztlichen Nachwuchses spielt in jedem medizinischen Fach eine immer größere Rolle. Die Kommission für Lehre und Studium hat sich daher zum Ziel gesetzt, das Fach Gastroenterologie den Studierenden näher zu bringen und die bestehende Initiative GO GASTRO der DGVS weiterzuentwickeln. Die Bauchschau – unsere Roadshow an den Unis mit Hands- On-Stationen und Infomaterialien – musste pandemiebedingt auch 2021 pausieren. Wir haben die Zeit genutzt, um den Plan für die nächsten Standorte 2022 fertig zu stellen. Hierzu gehören Jena und München.

Im Zentrum unserer Aktivitäten stand eine Erweiterung der – nun umbenannten – Nachwuchswebseite www.gastroenterologie-machen.de. Gecheckt und teilweise geupdatet wurden die Rubriken, die Einblicke in den Alltag, typische Tätigkeiten und eine grafische Darstellung des Wegs vom Studium über die Assistenzarztzeit bis hin zum Abschluss der Facharztprüfung beinhalten.

Ergänzt wurde die Seite um Praktische Hilfen in der Klinik Gastroenterologische Lehrvideos: Laut unserer Umfrage sind Oberärzte*innen besonders wichtige Vorbilder für die Entscheidung, den Weg in die Gastroenterologie einzuschlagen. In der Kommission wurde diskutiert, wie man diese Gruppe bei der Betreuung von Studierenden auf der Station unterstützen kann. Hierzu wurde ein Online-Angebot geschaffen mit frei verfügbaren Videos zu gastroenterologischen Themen.
Beinhaltet sind in den kurzen Lehrvideos Themen, die den Alltag auf Station betreffen. Hierzu gehört das Lernen einen Port zu punktieren, genauso wie die abdominelle Untersuchung. Es gibt des Weiteren Lehrvideos zu klassischen Erkrankungen wie chronische Darmerkrankungen oder Virushepatitiden. Zum Schluss werden in einer eigenen Sektion gastroenterologische Interventionen erläutert. Diese reichen von der einfachen Polypektomie bis zur perkutanen Pfortaderdruckmessung.
Die Lehrvideos können direkt auf der Seite bewertet und neue Videos vorgeschlagen werden. Probieren Sie es aus und bewerben Sie es unter Ihren Studierenden!

Ebenfalls neu: Spielend Lernen – www.gastrologischgame.de: Serious Games sollen Wissen mit spielerischen Elementen vermitteln. Hier hat Dr. Silvia Würstle aus der Kommission ein spannendes Online-Spiel entwickelt, bei dem man interaktiv einen gastroenterologischen Fall von der Vorstellung des Patienten über die notwendige Diagnostik bis zur Therapie durchspielen kann. Herausfordernd sind dabei, dass die Zeit und die eingesetzten Mittel mit entsprechenden Kosten direkt in die Bewertung mit einfließen. Legen Sie unter www.gastrologischgame.de los und vergleichen Sie sich in dem Leaderboard mit den anderen Kolleg*innen!

Kommunikation zwischen Studierenden und ärztlichem Personal fördern: Ständiger Wechsel von Studierenden auf Station und in den Funktionsbereichen unserer Kliniken erfordern Methoden, um strukturiert den Einstieg für junge Kolleg*innen in der neuen Umgebung zu erleichtern. Hierzu hat die Kommission als „Eisbrecher“QRCodes entwickelt, hinter denen sich Anregungen für Themen befinden, die ortsspezifisch behandelt werden können. Meist werden diese laminiert in den entsprechenden Räumen aufgehangen. Bisherige Bereiche sind der Gastroskopie-, Koloskopie- und Sonografieraum. Es gibt auch eigene QRCodes für den Visiten- und Punktionswagen auf Station. Schreiben Sie uns, falls Sie Interesse an den QR-Codes haben. Wir senden Ihnen diese postalisch zu. Die bisherigen Rückmeldungen sind positiv.

Ein weiteres Kernprojekt der Kommission ist die Pflege und Förderung der Plattform zum Austausch von „State of the Art“-Präsentationen zu gastroenterologischen Themen – die Slidebox Lehre erlaubt es, Präsentationen zu allen wichtigen gastroenterologischen Themen zu sichten, herunterzuladen, im Unterricht einzusetzen und im Anschluss zu bewerten. Sie erspart Dozent* innen viel Arbeit bei der Vorbereitung für das nächste Seminar oder die nächste Vorlesung. Probieren Sie es gleich aus unter www.dgvs-akademie.de.

Ich hoffe, ich konnte Ihnen einen guten Überblick über die Arbeit der Kommission für Lehre und Studium geben. Anregungen für neue Themen nehmen wir sehr gerne entgegen und hoffen, dass wir durch unsere Projekte Ihre Arbeit mit Studierenden bereichern können.

Jahresbericht der Kommission Lehre und Studium 

PD Dr. med. Alexander Hann

Sprecher

Jahresrückblick der AG Junge Gastroenterologie (JUGA)

Das Jahr 2021 stand für die AG Junge Gastroenterologie pandemiebedingt im Zeichen der Digitalisierung: Im April 2021 trafen sich JUGAs aus ganz Deutschland via Zoom zum Workshop. Viele Veranstaltungen, so auch die Winter School 2021, mussten wegen COVID-19 abgesagt werden.
Die vergangenen Monate zeigten, dass es schwierig war, ohne reale Treffen in Kontakt zu bleiben und Projekte zu planen – gleichzeitig gab dies den Impuls, neue Formate auszuprobieren.

Eines davon: Die JUGA AfterWork Crashkurse. Einmal pro Monat referieren junge Gastroenterologen seit März praxisnah zu Themen wie Aszitespunktion, Sonografie, Endoskopie und Umgang mit Zytostatika. Diskussionen im Anschluss an die Vorträge bieten die Möglichkeit, sich deutschlandweit auszutauschen. Die Anmeldung ist kostenfrei und die Kurse sind inzwischen CME-zertifiziert. Das Format fand schnell begeisterte Anhänger, im Durchschnitt nehmen 50 JUGAs an den Crashkursen teil.

Ebenso neu: Der Digitale JUGA-Stammtisch. Einmal im Monat treffen sich JUGAs, um über den Stand laufender Projekte informiert zu sein und Neues zu planen. Die Arbeit der AG ist damit noch transparenter und offener geworden. Immer wieder finden sich neue Gesichter, die neue Impulse geben. Der Link zum Stammtisch wird jeden Monat via Newsletter versandt und bei Facebook gepostet.

Die JUGA Summer School fand im Juni digital statt. Von den vorgestellten sieben spannenden Studienskizzen erhielten Carlos & Hauke Tews, Lübeck (Studie: Effects of a “Low FODMAP Diet” versus Low FODMAP and “High MAC Diet“), Simon Sirtl, München (Wirksamkeitsvergleich der endoskopischen Sphinkterotomie und Cholezystektomie bei Patienten mit rezidivierenden akuten Pankreatitiden und Mikrolithiasis) und Jasmin Zessner-Spitzenberg, Wien (Evaluation of within-lesion antitumor immunity in colon adenomas to define high-risk patients in a colorectal cancer screening cohort) das JUGA-Studiensiegel.
Als eines der Highlights gab Prof. Dr. Thomas Rösch einen inspirierenden persönlichen Einblick in seine wissenschaftliche Karriere und ermutigte den Nachwuchs, in Kontakt zu bleiben.

Das neue Format der Viszeralmedizin 2021 ging auch für die JUGAs auf: Begeistert folgten zahlreiche junge Gastroenterolog*innen dem Ruf nach Leipzig und nahmen unter anderem an der Klassiker-Sitzung „Nachts in der Notaufnahme“ und dem Get-together am Abend teil. Beim JUGA-Planungstreffen wurde ein neues Sprecherteam gewählt: Sophie Schlosser (Regensburg) und Jonas Staudacher (Berlin) vertreten die über 1.500 Mitglieder der AG Junge Gastroenterologie bis zur nächsten turnusmäßigen Wahl 2023.

Der November stand im Zeichen der Endoskopie: Anfang November durften sich zehn glückliche Gewinner*innen über Freikarten für den ENDOCLUB NORD freuen, die Prof. Dr. Thomas Rösch großzügig vermittelt hatte. Zudem konnte nach langer pandemiebedingter Verzögerung in Prof. Dr. Röschs Klinik für interdisziplinäre Endoskopie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf ein Herzensprojekt der JUGA gestartet werden: Das Preceptorship. Ziel des Programms ist es, Nachwuchsgastroenterolog* innen aus ganz Deutschland mithilfe eines mehrtägigen Aufenthaltes an nationalen Leuchtturmstandorten mit ausgewiesener Expertise Einblicke in die dortige klinische und wissenschaftliche Praxis mit Hinsicht auf den jeweiligen Schwerpunkt zu geben. Mit den während des Aufenthaltes gesammelten Eindrücken sollen Impulse gegeben werden, um das eigene klinische Vorgehen kritisch zu hinterfragen und zu verbessern.
Wir freuen uns, dass wir das von Viktoria und Marcus Mücke (beide Frankfurt am Main) entwickelte Programm im nächsten Jahr mit weiteren universitären und kommunalen Zentren weiterführen können.

Was plant die JUGA darüber hinaus für das Jahr 2022? Neben den erfolgreichen digitalen Formaten wie Stammtisch und After- Work-Crashkurs werden wieder mehr Präsenzformate stattfinden – informiert euch über die Winter School, die anstehenden Preceptorship-Termine und das, was für Viszeralmedizin 2022 in der Pipeline ist, jederzeit auf der DGVS-Webseite.

Jahresbericht der AG Junge Gastroenterologie

Dr. med. Sophie Schlosser

Sprecherin JUGA 2022-2023

Dr. med. Jonas Jaromir Staudacher

Sprecher JUGA 2022 / 2023