JUGA Positionen
Die JUGA bringt die Perspektive der jungen Generation in die Arbeit der DGVS ein. Auf dieser Seite findet Ihr Positionspapiere, Stellungnahmen und Impulse der JUGA. Die Beiträge spiegeln aktuelle Anliegen und Diskussionen innerhalb der jungen Fachcommunity wider und sollen zur Weiterentwicklung unseres Fachs beitragen.
Ein Gespräch mit Tony Bruns, Mate Knabe und Diana Kühne
Es war der 18. September 2015 auf dem DGVS Kongress in Leipzig. In einem kleinen Raum, abseits des großen Kongressgeschehens, trafen sich junge Ärztinnen und Ärzte zur Gründungssitzung der Arbeitsgemeinschaft „Nachwuchs Gastroenterologie“. „Wir hatten kein Logo, keine fertige Struktur, nur einen klaren Auftrag des DGVS Vorstands. …und viel Enthusiasmus!“, erinnern sich die Gründungsmitglieder Tony Bruns, Mate Knabe und Diana Kühne „Damals ahnte niemand, dass aus diesem Treffen eine feste Institution entstehen würde.“
Die JUGA feiert ihr zehnjähriges Bestehen. Wie hat damals alles begonnen?
Mate Knabe: Als Sekretär der Viszeralmedizin 2015 hatte ich eine einmalige Gelegenheit, mit den aktiven Mitgliedern der DGVS in Kontakt zu treten und meine Ideen einer Organisation für Junge Ärztinnen und Ärzte vorzustellen. Eine Jugend-Organisation für unseren Fachbereich empfand ich als längst überfällig und ich hatte viele Ideen und Konzepte, wie man die Gastroenterologie in diesem Bereich fördern könnte. So kam es zu ersten Gesprächen und einer Konzeptausarbeitung zwischen Tony Bruns, Diana Kühne und mir.
Tony Bruns: Gleichzeitig kam aus der Arbeitsgemeinschaft Universitärer Gastroenterologen (AUG) der Impuls, den akademischen gastroenterologischen Nachwuchs gezielt zu fördern und ihm eigene Strukturen zur Seite zu stellen. Diesen Auftrag habe ich sehr gern zum Anlass genommen, um gemeinsam mit Mate, Diana sowie weiteren Mitgestaltern der ersten Stunde ein erstes Gerüst zu erarbeiten.
Diana Kühne: Aus unserem Konzept entstand dann der Auftrag des DGVS Vorstands: Es sollte eine Plattform entstehen, die die Interessen des Nachwuchses vertritt, Fortbildungsangebote schafft und junge Kolleg*innen sichtbar macht. Hierfür haben wir in Leipzig den Grundstein gelegt. Rückblickend war das der Beginn einer Entwicklung, die heute kaum jemand mehr missen möchte.
Was waren die ersten Schwerpunkte?
Tony Bruns: Ein zentraler Schwerpunkt war von Beginn an die Stärkung der wissenschaftlichen Kompetenz. Es gab viele junge Kolleginnen und Kollegen mit exzellenten Ideen, denen jedoch die methodische Expertise für die Konzeption einer eigenen Studie fehlte. Um diese Lücke zu schließen, haben wir 2016 die Spring Conference „Fitness für deine Studie“ ins Leben gerufen, aus der dann die Summer Schools mit Verleihung der DGVS Studiensiegel hervorgingen. Das Format war ein unmittelbarer Erfolg und hat sich als ein Herzstück unserer Nachwuchsförderung etabliert.
Mate Knabe: Parallel war die klinische Fortbildung ein großes Thema. Mit der ersten Winter School 2018 haben wir Hands-on-Endoskopiekurse angeboten – etwas, das damals kaum zugänglich war. Der unmittelbare Praxisbezug war für viele eine echte Bereicherung.
Danach kamen schnell weitere Angebote hinzu. Was waren rückblickend die nächsten Meilensteine?
Diana Kühne: 2019 startete das erste Preceptorship, 2021 folgte der Crashkurs und 2022 NEXT GEN. Hinzu kamen Formate wie Grant Camps und ein Führungsseminar und Angebote wie der Quick Guide Gastro. Ziel war immer, jungen Kolleg*innen Angebote zu machen, die sie in verschiedenen Phasen ihrer Laufbahn abholen.
Tony Bruns: Unser Anspruch war es hierbei von Anfang an, über reine Fortbildungsformate hinauszugehen und eigene Akzente zu setzen. Aus diesem Grund hat die JUGA frühzeitig eigene wissenschaftliche Erhebungen initiiert, beispielsweise zur Weiterbildungssituation, zum Stellenwert der Ernährungsmedizin oder zum Thema Diskriminierungs- und Rassismuserfahrungen in der Gastroenterologie. Solche Projekte liefern die Grundlage für fachpolitische Diskussionen und unterstreichen unseren Anspruch: Die JUGA versteht sich als wissenschaftliche Impulsgeberin und als Sprachrohr des Nachwuchses.
Welche Rolle hat dabei die Unterstützung des DGVS Vorstands gespielt?
Diana Kühne: Ohne die Rückendeckung des Vorstands wäre vieles nicht möglich gewesen. Gerade am Anfang brauchte die JUGA Vertrauen und Raum, um neue Ideen auszuprobieren. Der DGVS Vorstand hat die JUGA jederzeit unterstützt und fest in die Strukturen eingebunden – das war entscheidend, um von Beginn an ernst genommen zu werden.
Tony Bruns: Für unsere wissenschaftliche Ausrichtung war diese Unterstützung von zentraler Bedeutung. Neben dem DGVS Vorstand war hier die AUG ein wichtiger Partner, die uns zum Beispiel im Rahmen von Nachwuchstreffen den notwendigen konzeptionellen und inhaltlichen Rückhalt für unsere Projekte gab.
Mate Knabe: Und nicht zuletzt war auch die Arbeit des DGVS Büros von unschätzbarem Wert. Dort haben wir immer Unterstützung gefunden, wenn es um die praktische Umsetzung ging – sei es bei der Organisation von Veranstaltungen, bei der Kommunikation oder bei administrativen Fragen. Diese professionelle Begleitung hat alle Projekte überhaupt erst möglich gemacht.
Wie hat sich die JUGA im Laufe der Jahre organisatorisch entwickelt?
Diana Kühne: Am Anfang war die JUGA eine lose organisierte Gruppe, die sich „hier und da“ traf. Inzwischen gibt es feste Strukturen: Regelmäßigen Austausch über Stammtische, WhatsApp-Gruppen und offizielle Sitzungen. Auch die Organisation hat sich stark verändert. Es gibt kein Arbeiten „auf Zuruf“ mehr – im DGVS-Büro kümmern sich zwei Teammitglieder als feste Ansprechpartnerinnen um die JUGA-Projekte. Ein wichtiger Meilenstein war zudem, dass irgendwann alle DGVS Mitglieder unter 41 automatisch zur JUGA gehörten. Damit haben wir die Reichweite enorm erhöht und viele Aktive hinzugewonnen. Besonders bemerkenswert ist die Transparenz der JUGA bei Beteiligung und Entscheidungen. So wird zum Beispiel das Sprecher-Team über offene Calls gesucht und in anschließenden Onlinewahlen bestimmt.
Wenn Ihr heute nach vorne schaut – was wünschen Ihr Euch für die Zukunft der JUGA?
Mate Knabe: Ich wünsche mir, dass die JUGA weiter ein Ort bleibt, an dem klinische Fortbildung innovativ gedacht wird. Formate wie die Winter School oder die Crashkurse haben den Nachwuchs enorm gestärkt – das sollte unbedingt fortgeführt und noch stärker interdisziplinär vernetzt werden. Wichtig wäre auch, über die Gastroenterologie hinaus Projekte anzustoßen – etwa durch gemeinsame Summer Schools oder Akademien mit anderen Disziplinen. Und ganz zentral ist für mich die Idee des „JUGAversums“: Ein lebenslanges Netzwerk, das nicht nur die Nachwuchsphase abdeckt, sondern auch Alumni, Senior-Mentoring und kontinuierlichen Austausch umfasst.
Tony Bruns: Ich bin mir sicher, dass die JUGA ihre Rolle als gestaltende Kraft und Stimme des Nachwuchses konsequent weiter ausbauen und den Anliegen der jungen Generation in Fachgesellschaft und Gesundheitspolitik weiter Gehör verschaffen wird. Hier sollte die JUGA weiterhin mutig und proaktiv agieren. Der Ausbau der wissenschaftlichen Vernetzung mit internationalen Nachwuchsgruppen könnte über die Landesgrenzen hinaus die Sichtbarkeit und die Wirkungskraft weiter erhöhen. Aus meiner Sicht birgt vor allem die digitale Transformation ein enormes Potenzial: Mit der Entwicklung zukunftsweisender Curricula, wie zum Beispiel einem „Digital Gastroenterologist“ oder der Gestaltung digitaler Wissensplattformen kann die JUGA eine Vorreiterrolle bei der Gestaltung der Zukunft unseres Faches einnehmen.
Diana, Du hast als Geschäftsführerin der DGVS die JUGA über alle zehn Jahre hinweg hauptamtlich begleitet. Was möchtest Du der JUGA zum Jubiläum mitgeben?
Diana Kühne: Zunächst einmal ein großes Dankeschön – und Demut vor dem enormen Engagement des Ehrenamts. Ohne die vielen Stunden und das Herzblut, das die Sprecherteams und alle Aktiven neben Klinik und Wissenschaft investiert haben, wäre all das nicht möglich gewesen.
Jedes Sprecherteam hat dabei seine Spuren hinterlassen: Tony Bruns und Mate Knabe haben echte Pionierarbeit geleistet und gleich drei Säulen an Aktivitäten entwickelt, die der JUGA quasi über Nacht enorm Sichtbarkeit gegeben haben. Peter Klare und Christoph Treese haben alle Ideen und Angebote weiterentwickelt und damit begonnen, der JUGA mehr feste Strukturen zu geben, z. B. mit dem ersten JUGA-Workshop. Georg Beyer und Marcus Hollenbach haben die JUGA durch die Corona-Pandemie gesteuert und mit dem Crashkurs ein erstes digitales Angebot geschaffen. Sophie Schlosser-Hupf und Jonas Staudacher haben auf diesem Fundament eine nie dagewesene Fülle an Ideen, Projekten und Partizipation entfaltet. Besonders hervorzuheben ist hier die Gründung der JUGA Study Group, die sich nicht nur leidenschaftlich um die Ausbildungsrealität kümmert, sondern auch als Plattform für multizentrische Studien wirkt und so den wissenschaftlichen Ansatz der JUGA nachhaltig stärkt. Stefanie Reichermeier und Lukas Welsch schließlich haben nicht nur die bestehenden Projekte und Angebote optimiert und weiter ausgebaut, sondern auch einen weiteren entscheidenden Meilenstein erreicht: Den Schritt von der Arbeit „nach innen“ hin zur Interessenvertretung „nach außen“ – mit so essenziellen Themen wie Weiterbildung und Chancengleichheit.
Wenn ich heute zurückschaue, bin ich sehr stolz auf „meine“ JUGAs. Jede Generation hat das Projekt weitergetragen und die JUGA zu dem gemacht, was sie heute ist: Eine feste Institution innerhalb der DGVS, die Zukunft gestaltet.
Ein herzlicher Dank gilt allen, die die JUGA in den vergangenen zehn Jahren begleitet, unterstützt und mitgestaltet haben – in der DGVS, in der AUG und vor allem im Nachwuchs selbst. Ohne dieses Miteinander wäre der Weg nicht möglich gewesen. Auf die nächsten zehn Jahre!
© 2025
Eine Initiative der AG Junge Gastroenterologie (JUGA) unterstützt von der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS), des Berufsverbands Niedergelassener Gastroenterologen (bng) und der Arbeitsgemeinschaft Leitender gastroenterologischer Krankenhausärzte (ALGK).
Die sektorübergreifende Weiterbildung stellt an sich bereits einen eigenständigen Wert dar, bildet sie doch am besten die Versorgungsrealität in ihrer Verzahnung von stationär erbrachten Leistungen in den Kliniken und der ambulanten Versorgung in den gastroenterologischen Praxen ab. In Anbetracht der Herausforderungen, die die politischen Reformen im Gesundheitswesen mit sich bringen, erkennen wir, die Unterzeichnenden, die dringende Notwendigkeit, die Weiterbildungsstrukturen grundlegend zu überdenken und zukunftsfähig zu gestalten, an.
1. Ambulantisierung der Medizin
Wir möchten auf die langfristigen Folgen der aktuellen Gesundheitsreformen für die Weiterbildung hinweisen. Seitens der Ärzteschaft wurde im Rahmen des 128. Deutschen Ärztetages in Mainz Anfang Mai diesen Jahres ein klares Votum zur Berücksichtigung der Weiterbildung im Rahmen der Reform des Gesundheitswesens abgegeben. Angesichts der zunehmenden Verlagerung der Versorgung in den ambulanten Sektor muss die Weiterbildung entsprechend angepasst werden. Erkrankungen wie zum Beispiel die chronische entzündliche Darmerkrankungen und Tumorerkrankungen werden immer häufiger ambulant behandelt. Dies erfordert eine strukturierte und hochqualitative Weiterbildung außerhalb des stationären Bereiches.Unsere Initiative zielt darauf ab, die Hürden, die einer effektiven sektorübergreifenden Ausbildung im Wege stehen, zu identifizieren und abzubauen.
2. Zusammenarbeit und Kooperation
Die Schaffung optimaler Rahmenbedingungen für Kooperationen zwischen Praxen und Kliniken ist essentiell. Dies umfasst unter anderem langfristige Arbeitsverträge, die die gesamte Mindestweiterbildungszeit abdecken, um eine kontinuierliche und umfassende Ausbildung in kooperierenden Einrichtungen zu gewährleisten.
3. Gerechte Vergütung der Weiterbildung
Eine adäquate und faire Vergütung ist entscheidend, um die Weiterbildung in der Gastroenterologie sowohl in Kliniken als auch in Praxen attraktiv zu gestalten. Die Vergütungsstrukturen müssen den spezifischen Anforderungen und Belastungen in allen Versorgungsbereichen angepasst werden, um eine gleichwertige Entlohnung zu gewährleisten. Dies stärkt die Qualität der Ausbildung und fördert die Nachhaltigkeit der Fachkräfteentwicklung.
4. Nachwuchsförderung und berufliche Perspektiven
Es ist unser Anliegen, dem medizinischen Nachwuchs die Pluralität der Arbeitsmodelle aufzuzeigen und das Vorurteil, dass anspruchsvolle Medizin nur in Kliniken stattfindet durch unser beispielhaftes Handeln zu widerlegen.
Wir rufen alle Beteiligten auf, das gegenwärtige Momentum zu nutzen, um die Weiterbildung in der Gastroenterologie hochqualitativ und zukunftsorientiert auszurichten. Die Integration der Praxistätigkeit in den Weiterbildungsprozess ist dabei von zentraler Bedeutung, um eine nachhaltige und qualitativ hochwertige Patientenversorgung zu sichern.
Für die AG Junge Gastroenterologie
PD Dr. med. Karim Hamesch
Dr. med. Johanna List
PD Dr. med. Matthias Reichert
Dr. med. univ. Stefanie Reichermeier
Dr. med. Lukas Welsch
Unterstützt von
Dr. med. Ulrich Tappe, 1. Vorsitzender des bng
Prof. Dr. med. Thomas Frieling, Vorsitzender der ALGK
Prof. Dr. med. Heiner Wedemeyer, Präsident der DGVS
Prof. Dr. med. Peter Buggisch, DGVS Vorstand Weiterbildung
© 2024
Universitäten spielen eine entscheidende Rolle in der Aus-, Fort- und Weiterbildung, Forschung und Patient*innenversorgung. Sie unterliegen der großen Herausforderung, allen diesen Punkten gerecht zu werden. Mit dem vorliegenden Positionspapier zu universitären Karrierewegen möchten wir hierfür Leitplanken bieten.
Der folgende Text entstand gemeinsam während eines Treffens der Autor*innen in ihrer Funktion als Vertreter*innen des universitären gastroenterologischen Nachwuchses in Deutschland. Vorab hatten wir alle Mitglieder der AG Junge Gastroenterologie (JUGA), die an Universitäten tätig sind, zur aktiven Teilnahme an diesem Prozess der Konsensbildung eingeladen. Unser Ziel ist es, mit diesem Positionspapier eine Diskussionsgrundlage zu schaffen, um die klinische, didaktische und wissenschaftliche Aus- und Weiterbildung in der universitären Gastroenterologie weiterzuentwickeln. Wir sehen diesen Prozess als essenziell für die Zukunfts- und Wettbewerbsfähigkeit der Gastroenterologie an. Gemeinsam können wir dazu beitragen, die Aus- und Weiterbildung in diesem Bereich kontinuierlich zu verbessern und sowohl den individuellen Bedürfnissen der Nachwuchskräfte als auch den Anforderungen der Gastroenterologie gerecht zu werden.
Download Positionspapier (Z Gastroenterologie 2023; 61: 99 – 999)
© 2023
