Endoskopie und Schwangerschaft: Was möglich ist
Die wissenschaftliche Stellungnahme Endoskopieren in der Schwangerschaft (EndiS) (Henrike Lenzen, et al) befasst sich umfassend mit der Frage, unter welchen Bedingungen eine Tätigkeit in der Endoskopie während der Schwangerschaft möglich und rechtlich zulässig ist.
Die Arbeit zeigt auf, dass der Anteil weiblicher Fachärztinnen in der Gastroenterologie kontinuierlich steigt und viele Ärztinnen während ihrer gebärfähigen Jahre in die Weiterbildung eintreten. Gleichzeitig spielt die Endoskopie eine zentrale Rolle im Arbeitsalltag – was eine sachliche Auseinandersetzung mit den damit verbundenen Risiken und Möglichkeiten während Schwangerschaft und Stillzeit erforderlich macht.
Zentrale Aussagen:
- Die Tätigkeit in der Endoskopie während der Schwangerschaft ist grundsätzlich möglich, sofern sie auf Freiwilligkeit basiert, eine medizinische Unbedenklichkeit vorliegt und eine individuelle Gefährdungsbeurteilung durchgeführt wurde.
- Ein pauschales Beschäftigungsverbot ist nicht zulässig. Das Mutterschutzgesetz verpflichtet Arbeitgeber dazu, Arbeitsbedingungen so zu gestalten, dass eine Weiterbeschäftigung – auch im endoskopischen Bereich – möglich ist, sofern keine unverantwortbare Gefährdung vorliegt.
- Bei strahlenbasierten Verfahren wie der ERCP ist der Einsatz schwangerer Ärztinnen unter strengen Bedingungen gesetzlich erlaubt, wenn eine wirksame Dosisüberwachung erfolgt und der gesetzlich definierte Grenzwert für das ungeborene Kind eingehalten wird.
- Prospektive Daten zu Schwangerschaftskomplikationen durch endoskopische Tätigkeit liegen bislang nicht in ausreichender Zahl vor. Erste Auswertungen (z. B. aus der JUGA Study Group) deuten jedoch nicht auf ein erhöhtes Risiko hin, wenn Schutzmaßnahmen beachtet werden.
Ziel ist es, sowohl die Sicherheit schwangerer und stillender Ärztinnen zu gewährleisten als auch ihre Weiterbildungs- und Karriereperspektiven zu erhalten.
Die Stellungnahme ist zur Publikation in der ZfG eingereicht und wird zu einem späteren Zeitpunkt hier zur Verfügung gestellt.
Ihr habt weitere Fragen?

PD Dr. med. Henrike Lenzen
Medizinische Klinik I mit Schwerpunkt Gastroenterologie
Klinikum Braunschweig
Salzdahlumer Str. 90
38126 Braunschweig

PD Dr. med. Jutta Keller
Medizinische Klinik
Israelitisches Krankenhaus
Orchideenstieg 14
22297 Hamburg