Themenkomplex I: Zeitpunkt und Bekanntgabe der Schwangerschaft
In welcher Schwangerschaftswoche hast Du Deine Schwangerschaft bekanntgegeben?
In der 15. Schwangerschaftswoche.
Hast Du die Bekanntgabe Deiner Schwangerschaft hinausgezögert, aus Angst danach nicht mehr endoskopieren zu dürfen?
Nein, ich bin zu Beginn des neuen Jahres in eine andere Fachabteilung rotiert, wo ich eh nicht mehr endoskopieren hätte können und habe meine Schwangerschaft mit Beginn der Rotation bekanntgeben. Da eine andere Kollegin der Abteilung bis zum Ende ihrer Schwangerschaft endoskopiert hatte bestanden keine Ängste dies schwanger nicht mehr tun zu dürfen.
In welcher Position warst du zum Zeitpunkt der Schwangerschaft und welchen Einfluss hatte dies auf deine Entscheidung?
Ich war Assistenzärztin im letzten Ausbildungsjahr, was keinen direkten Einfluss auf die Bekanntgabe oder die Schwangerschaft selbst hatte. Ich wurde regelmäßig in der Endoskopie zur Unterstützung bei Ultraschallen eingesetzt, konnte jedoch noch nicht eigenständig endoskopieren. Ich hatte große Angst ins Berufsverbot zu müssen, da die Covid-Lage sich noch nicht komplett entspannt hatte da ich unbedingt noch Zeit für den Facharzt sammeln wollte.
Hast du deine Familienplanung für deine berufliche Entwicklung zurückgestellt oder umgekehrt? Was waren deine Überlegungen?
Im Endeffekt ging alles mit der Schwangerschaft so schnell, dass ich nicht groß überlegen konnte. Ich habe stets gedacht nach dem vierten Ausbildungsjahr wäre es nicht mehr so schlimm schwanger zu werden, es würde ja eh nicht sofort klappen und ich könnte meine Zeit dann schon noch voll machen. Im Endeffekt war ich dann sofort schwanger und es fehlen mir nun noch drei Monate zum Abschluss des Facharztes Innere Medizin was im Nachhinein schon etwas ärgerlich ist. Dennoch haben mein Mann und ich uns immer eine Familie gewünscht und wir sind sehr glücklich zu dritt.
Hast du deine Pläne mit deinen Vorgesetzten abgestimmt/ im Vorfeld den weiteren Einsatz besprochen?
Nein, ich habe meine Pläne bezüglich einer möglichen Schwangerschaft aus Angst dann nicht mehr so gefördert werden wie zuvor nie besprochen.
Ich habe mir viel zu viele Gedanken über die Bekanntgabe der Schwangerschaft gemacht – am Ende war alles viel unkomplizierter, als ich befürchtet hatte
Themenkomplex II: Anpassung des Arbeitsplatzes während der Schwangerschaft
Hast Du während der Schwangerschaft / Stillzeit endoskopiert und hast du spezielle Schutzmaßnahmen ergriffen?
Ja, bis zur 32. Woche, danach war das Stehen kreislauftechnisch nicht mehr so gut möglich. Ich habe keine besondere Schutzausrüstung getragen, auf endoskopische Untersuchungen bei infektiösen Patienten habe ich wie vom Betriebsarzt angeordnet verzichtet. Im Verlaufmusste ich mich bei Kreislaufproblemen häufiger setzen und habe dann auch regelhaft Untersuchungen an andere Kollegen abgegeben.
Welche endoskopischen Interventionen hast du weiterhin durchgeführt?
Ich habe weiterhin gastroskopiert hier auch ligiert und koloskopisch kleine Polypen abgetragen.
Wie erfolgte das Risikoassessment für den Arbeitsplatz?
Es gab ein Gespräch mit dem Betriebsarzt und gesondert mit meinem Chef sowie einen Fragebogen der gemeinsam ausgefüllt wurde wie meine Tätigkeit angepasst werden sollte. Eine Re-Evaluation gab es nicht.
Wurdest Du im weiteren Verlauf von den direkten KollegInnen im Alltag unterstützt? Hattest Du das Gefühl, dass Rücksicht genommen wird auf Deine Schwangerschaft?
Infektiöse Zimmer wurden bei der Stationsarbeit von Kollegen übernommen. Jedoch habe ich weiterhin meine Arbeit ganz normal verrichtet ohne geschont zu werden oder weniger Patienten zu betreuen. Mir ging es jedoch auch bis zur letzten Woche vor dem Mutterschutz körperlich einigermaßen gut, weshalb das auch nicht nötig war.
Gibt es spezielle Ressourcen oder Anpassungen, die Du Dir gewünscht hättest?
Ich hätte mich gerne ab und zu öfter hingesetzt vor allem wegen der Kreislaufprobleme.
Themenkomplex III: Nach der Schwangerschaft
Ich habe noch nicht wieder angefangen zu arbeiten, habe jedoch vor gegen Ende des Jahres wieder einzusteigen. Mit meinem Chef habe ich besprochen, dass ich 60% zurückkomme und jeden Tag bis 13 Uhr arbeite, um danach meine Tochter von der Betreuung abzuholen. Rufdienste habe ich schon vor der Schwangerschaft keine gemacht und werde auch jetzt keine machen. Ich werde jedoch weiterhin am normalen Dienstsystem teilnehmen und Notarztdienste absolvieren, dies jedoch hoffentlich jedoch mit dem gleichen prozentualen Anteil wie meine Stelle.
Welche Tipps hast du für die nachfolgenden Endoskopikerinnen für den Umgang mit Ihrer Schwangerschaft?
Ich habe mir viel zu viele Gedanken bezüglich der Bekanntgabe der Schwangerschaft gemacht und hatte Ängste wie diese wohl auch in Anbetracht der bevorstehenden Rotation aufgenommen wird. Ich habe mehrfach den Termin, an dem ich es eigentlich sagen wollte, verschoben und war sehr nervös. Jedoch waren alle sehr freundlich und ich hätte mir nicht so viele Gedanken und Stress diesbezüglich machen sollen. Weiterhin lief auch nach der Bekanntgabe alles quasi genauso weiter wie davor außer, dass ich keine infektiösen Patienten betreut habe. Hierüber war ich ebenfalls dankbar. Hätte ich gewollt, hätte ich jedoch sicherlich auch ins Berufsverbot gehen können. Ich glaube man hat hier mehr selbst in der Hand als einem vor der Bekanntgabe und den ganzen folgenden Terminen bewusst ist. Dies zu wissen hätte mich wahrscheinlich ebenfalls beruhigt und mir die Bekanntgabe erleichtert.
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