Warum hast du dich entschlossen, die Weiterbildung Gastroenterologie in Deutschland zu machen?
Da wir beruflich eine enorme Verantwortung tragen, war mir eine gute Facharztausbildung besonders wichtig. Ich hatte bereits in der Schule Deutsch gelernt und dadurch viel über die deutsche Kultur und Geschichte erfahren. Deutschland war für mich das einzige Land, mit dem ich, neben meiner Heimat, bereits eine gewisse Vertrautheit hatte. Zudem war mir bewusst, dass Deutschland eines der führenden Länder im Bereich der Medizin ist. Die Entscheidung, Georgien zu verlassen, fiel mir trotzdem nicht leicht.
Vor welche Herausforderungen wurdest du gestellt, z. B. in Hinblick auf Approbation, Bewerbung, Karrierechancen, und wie hast du sie überwunden?
Mein Anerkennungsprozess war und ist leider immer noch sehr kompliziert, sodass er auch nach fünf Jahren nicht abgeschlossen ist. In meinem Fall war der gesamte Prozess so mühsam und belastend, dass ich darüber eher ein Buch schreiben könnte als eine kurze Antwort. Neben den Schwierigkeiten mit der Approbation hatte ich ständig Probleme, einen Aufenthaltstitel und/oder eine Arbeitserlaubnis zu erhalten. Bis heute kann ich nicht nachvollziehen, wie man sich auf die erforderlichen Prüfungen vorbereiten soll, wenn nicht einmal sicher ist, ob man überhaupt in Deutschland bleiben darf. Die Anforderungen der zuständigen Regierung und anderer Behörden stehen häufig im Widerspruch zueinander und lassen sich nicht immer reibungslos in Einklang bringen. Zusammenfassend kann ich sagen: Es hat sich oft unmenschlich angefühlt. Mein größter Wunsch ist, dass das Anerkennungsverfahren in Zukunft so gestaltet wird, dass niemand mehr darunter leiden muss.
Trotz all dieser Erfahrungen bin ich Deutschland sehr dankbar, denn ich habe hier das Wichtigste bekommen: Menschen, die mich auf meinem Weg unterstützt haben. Dazu gehört definitiv mein Chef, PD Dr. med. Dauer, der mich in einer für mich sehr schwierigen Zeit in seiner Klinik aufgenommen und mich seither mehrfach bei verschiedenen Problemen mit den Behörden unterstützt hat.
Aufgeben kam für mich als Georgierin nie in Frage, nicht nur wegen meines Ziels, sondern auch, weil ich gelernt habe, auch in schwierigen Zeiten standhaft zu bleiben. Rückblickend kann ich heute voller Dankbarkeit sagen: Ich war in all diesen Jahren nie allein.
Aus meiner Sicht sind viel Geduld und Durchhaltevermögen essenziell, ebenso wie gute Sprachkenntnisse, Interesse und fleißige Arbeit. Wenn man gut integriert ist, respektvoll und freundlich mit den Menschen umgeht, bekommt man das in der Regel auch zurück.
Wie wurdest du bei deiner klinischen Arbeit unterstützt? Welche gezielte Unterstützung hältst du für elementar?
In meiner Arbeit wurde ich stets freundlich von meinen Kolleg*innen und Patient*innen empfangen, was mir den Einstieg sehr erleichtert hat. Ich wünsche mir, dass man Berufsanfänger*innen insbesondere aus dem Ausland mit mehr Nachsicht begegnet und ihnen einfach eine Chance gibt, sich zu beweisen. Es funktioniert nicht immer alles sofort.
Ich persönlich brauchte aufgrund meiner belastenden Approbationsgeschichte ein paar Monate nach Arbeitsbeginn, um überhaupt zu realisieren, dass ich mich endlich – zumindest für eine Weile – entspannen und auf die Arbeit konzentrieren konnte.
Was würdest du Kolleg*innen aus dem Ausland empfehlen, die in Deutschland in der Gastroenterologie arbeiten wollen? Worauf sollten sie achten?
Aus meiner Sicht sind viel Geduld und Durchhaltevermögen essenziell, ebenso wie gute Sprachkenntnisse, Interesse und fleißige Arbeit. Wenn man gut integriert ist, respektvoll und freundlich mit den Menschen umgeht, bekommt man das in der Regel auch zurück. Und bitte vergesst die Dankbarkeit nicht: Trotz aller Herausforderungen passieren auch viele schöne Dinge! Die Schwierigkeiten gehen vorbei, und sie machen euch nur stärker.
Planst du, nach der Weiterbildung längerfristig in Deutschland zu bleiben, wirst du in deine Heimat zurückkehren oder in ein anderes Land gehen? Was bewegt dich zu dieser Entscheidung und hat sich dein Plan über die Zeit verändert?
Aktuell ist mein Plan, längerfristig hier zu bleiben, da mir eine Rückkehr nicht leicht erscheint. Ich halte mir diese Option aber offen. Ich bin einfach gespannt, wohin mich mein Leben führt, inzwischen weiß ich, dass ich jeden Weg gehen kann.
Ich möchte nach meiner Weiterbildung auf jeden Fall etwas für meine Heimat tun und habe bereits ein paar Ideen, zum Beispiel in Form von Austauschprogrammen.